Finanzen

Commerzbank-Aktie unter Druck: Analystenabstufung und Übernahmepläne sorgen für Turbulenzen

Die Commerzbank-Aktie steht im Zentrum turbulenter Entwicklungen: Kursrutsch, Übernahmespekulationen und politische Widerstände. Was bedeutet das für Anleger und die Zukunft der Bank? Droht eine europäische Bankenfusion – oder setzt sich die Commerzbank mit ihrer Eigenständigkeit durch?
26.08.2025 10:50
Lesezeit: 3 min

Commerzbank-Aktie aktuell: Analystenabstufung belastet

Die Commerzbank-Aktie steht am Dienstag unter Druck – und das aus gleich mehreren Gründen. Nach einer Abstufung durch die Bank of America (BofA) hat der Titel des zweitgrößten deutschen Geldhauses am Dienstag kräftig nachgegeben. Im frühen Börsenhandel sackte die Aktie um annähernd 6 Prozent auf unter 34,10 Euro ab. Damit war die Commerzbank-Aktie Schlusslicht im deutschen Leitindex DAX, der insgesamt schwach tendierte. Für Investoren, die den starken Kursanstieg der vergangenen Monate mitgemacht haben, kommt dieser Rücksetzer überraschend.

Die BofA senkte ihre Einstufung auf "Underperform" und begründete dies mit der aktuellen Bewertung. Analyst Tarik El Mejjad erklärte: "Es falle schwer, vom aktuellen Niveau aus noch Spielraum nach oben auszumachen." Bereits in der Vorwoche hatte die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung für die Commerzbank-Aktie gestrichen – ebenfalls mit dem Hinweis auf den starken Kursanstieg. Der Commerzbank-Aktienkurs hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt. Haupttreiber dieser Commerzbank-Kursentwicklung sind die Hoffnung auf eine anziehende Konjunktur sowie Übernahmefantasie rund um die italienische UniCredit.

UniCredit erhöht Beteiligung – und heizt die Spekulation an

Die Übernahmegerüchte erhalten neue Nahrung: UniCredit hat ihren Anteil an der Commerzbank auf 26 Prozent ausgebaut. Das teilte die italienische Großbank am gestrigen Montag mit. Sie wandelte dafür Finanzinstrumente wie Optionen in Aktien des Frankfurter Instituts um. "Zu gegebener Zeit" sollen auch die restlichen Instrumente in Aktien getauscht werden. Damit würde UniCredit auf rund 29 Prozent kommen. Überschreitet die Bank die 30-Prozent-Marke, ist sie gesetzlich verpflichtet, ein offizielles Kaufangebot vorzulegen.

UniCredit verfolgt das Ziel, die Commerzbank mit ihrer Münchner Tochter HypoVereinsbank zu fusionieren. Damit würde einer der größten DAX-Werte in eine paneuropäische Bankenstruktur eingebunden. Doch die Pläne stoßen auf Widerstand – sowohl im Management der Commerzbank als auch in der Bundesregierung. Der Bund hält derzeit zwölf Prozent an der Bank und will sich nicht von diesem Anteil trennen. "Der Bund wird seine Beteiligung daher nicht veräußern", so eine Sprecherin des Finanzministeriums. Auch das Wirtschaftsministerium betonte: "Die Haltung der Bundesregierung ist unverändert."

Commerzbank setzt auf Eigenständigkeit

Die Commerzbank selbst reagierte nüchtern auf die jüngste Entwicklung: "Der erhöhte Aktienanteil ändert nichts an der grundsätzlichen Situation und unserer Haltung." Das Institut verweist auf starke Geschäftszahlen und hat im Zuge des Abwehrkampfes sogar das Gewinnziel für 2025 nach oben geschraubt. "Dadurch schaffen wir Wert für unsere Aktionäre, Mitarbeitenden, Kunden und weitere Stakeholder", erklärte das Management. Die Botschaft ist klar: Die Commerzbank setzt weiterhin auf Eigenständigkeit.

Trotzdem bleibt UniCredit der größte Anteilseigner und macht keinen Hehl aus ihrem Einfluss. "UniCredit festigt seine Position als größter Anteilseigner der Commerzbank", hieß es in einer Mitteilung. "Obwohl die UniCredit derzeit nicht beabsichtigt, ihr Vorstandsmitglied zu ernennen, werden wir die Fortschritte der Commerzbank bei der Stärkung ihrer Geschäftstätigkeit und der Schaffung von Wert für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter weiterhin genau beobachten." Mit 26 Prozent ist UniCredit ihrem Ziel von 29,9 Prozent einen Schritt näher gekommen. Die Europäische Zentralbank hat diesen Anteil genehmigt, zusätzliche Käufe würden jedoch ein offizielles Übernahmeangebot erfordern.

Politische und regulatorische Dimension

Die geplante Fusion wirft eine Grundsatzfrage auf: Wie steht es um grenzüberschreitende Bankenfusionen in Europa? Der Chef der Europäischen Bankenaufsicht (EBA), José Manuel Campa, zeigte sich in einem Interview enttäuscht über die fehlenden Mega-Deals: "Wir werden nicht in der Lage sein, mit den US-Banken zu konkurrieren", warnte er. Auch die EU-Kommission drängt seit Jahren auf eine stärkere Konsolidierung im Bankensektor. Finanzkommissarin Maria Luis Albuquerque machte deutlich: "Europa braucht größere Banken, die mit amerikanischen und chinesischen Konkurrenten mithalten können." Doch nationale Interessen – wie im Fall der Bundesregierung – bremsen diese Entwicklung aus.

Unsichere Perspektive für Anleger

Die jüngsten Analystenkommentare zur Commerzbank-Aktie zeigen ein differenziertes Bild. Während das Marktumfeld nach wie vor Chancen bietet, wirken sich gestiegene Bewertungen und geopolitische Unsicherheiten auf die Einstufungen aus. Dennoch bleibt die Branche dank höherer Gewinnschätzungen interessant, auch wenn Vorsicht geboten ist.

Am 18. August hat Deutsche Bank Research die Commerzbank von „Buy“ auf „Hold“ herabgestuft, das Kursziel jedoch von 33 auf 35 Euro angehoben. Analyst Benjamin Goy verwies auf die gestiegene Bewertung, betonte aber die weiterhin positive Aktienstory. Bereits am 14. August erhöhte RBC ihr Kursziel von 28 auf 33 Euro und bestätigte „Sector Perform“. Die Analystin sieht weiteres Potenzial europäischer Banken, warnt jedoch vor Risiken durch geopolitische Unsicherheiten. Am 08. August hob RBC das Ziel zuvor von 27 auf 28 Euro an und revidierte Prognosen leicht nach oben.

Insgesamt zeigen die Einschätzungen eine vorsichtige Haltung gegenüber der Commerzbank-Aktie. Während mittelfristig Aufwärtspotenzial besteht, mahnen die Experten zur Zurückhaltung. Positive Faktoren wie Kapitalrückflüsse und steigende Profitabilität stehen Unsicherheiten gegenüber, was eine differenzierte Betrachtung für Investoren unverzichtbar macht. Für Anleger bleibt die Lage rund um die Commerzbank-Aktie angespannt. Einerseits sprechen die soliden Geschäftszahlen und die erhöhte Gewinnprognose für Vertrauen in die Eigenständigkeit. Andererseits sorgt der Einstieg von UniCredit für anhaltende Übernahmefantasie. Diese Gemengelage kann den Commerzbank-Aktienkurs auch künftig stark bewegen. Klar ist: Die Commerzbank-Kursentwicklung hängt nicht nur von fundamentalen Faktoren ab, sondern auch vom politischen Druck und den strategischen Zielen der Italiener. Anleger sollten den DAX-Wert daher genau im Blick behalten – die kommenden Monate versprechen Spannung.

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Markus Gentner

Zum Autor:

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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