Politik

Russland: Angriff auf Ukraine zerstört Hoffnung auf Friedensgespräche

Ein russischer Luftangriff erschüttert die fragile Hoffnung auf Frieden im Ukraine-Krieg. Während in Kiew zahlreiche Opfer beklagt werden, warnen internationale Stimmen vor weiteren Eskalationen.
29.08.2025 12:41
Aktualisiert: 29.08.2025 12:41
Lesezeit: 3 min

Russischer Luftangriff zerstört Hoffnung auf Friedensgespräche

Die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs haben nach einem verheerenden russischen Luftangriff mit über 20 Todesopfern in Kiew einen schweren Schlag erlitten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach Moskau jede Absicht für Frieden ab. "Dieser Schlag zeigt ganz klar, dass sich die Ziele Russlands nicht geändert haben", erklärte er in Kiew.

"Russland greift derzeit alle Menschen auf der Welt an, die sich nach Frieden sehnen. Dies ist ein Schlag gegen die Ukraine. Dies ist ein Schlag gegen Europa", sagte der ukrainische Staatschef. Zudem sei es "auch ein Schlag Russlands gegen Präsident (Donald) Trump und andere globale Akteure". Mit solchen Taten mache Moskau Staaten wie China oder Indien zu Mitverantwortlichen.

Opfer in Kiewer Wohnhaus erwartet

Nach dem Luftangriff in der Nacht zu Donnerstag, einem der heftigsten in dreieinhalb Jahren Ukraine-Krieg, wurden in Kiew bis zum Abend 22 Todesopfer bestätigt. Nach Angaben der Militärverwaltung sind unter den Trümmern eines Wohngebäudes noch weitere Menschen verschüttet.

Russland setzte bei dem Angriff rund 600 Kampfdrohnen sowie mehr als 30 Raketen und Marschflugkörper ein. Auch in der Nacht auf Freitag herrschte in Teilen der Ostukraine erneut Luftalarm. Die ukrainische Luftwaffe meldete wieder russische Drohnen am Himmel, diesmal jedoch in geringerer Zahl.

UN-Generalsekretär kritisiert Angriff auf Zivilisten

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den russischen Luftangriff. "Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur sind inakzeptabel und müssen sofort beendet werden", schrieb er auf der Plattform X. Er forderte eine sofortige, bedingungslose und vollständige Waffenruhe, "die zu einem gerechten, umfassenden und nachhaltigen Frieden in der Ukraine führt". Selenskyj dankte dem UN-Generalsekretär für dessen Worte.

Trump-Sprecherin: Kriegsparteien müssen bereit sein

US-Präsident Trump sei betroffen über die Eskalation, jedoch nicht überrascht, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Trump wolle ein Ende des Krieges erreichen. Doch beide Seiten müssten dies wollen. Obwohl Russland den Krieg begonnen hat, stellte Leavitt die Handlungen gleich: "Russland hat Kiew attackiert, und genauso hat die Ukraine unlängst einen Schlag gegen russische Raffinerien geführt." Zuletzt hatte das ukrainische Militär vermehrt Angriffe auf Raffinerien durchgeführt. Dabei kam die neuartige Flamingo-Rakete zum Einsatz, die laut einiger Militärexperten zum Gamechanger im Ukraine-Krieg werden könnte.

Der US-Präsident hatte Mitte des Monats erst Kremlchef Wladimir Putin in Alaska und später Selenskyj sowie europäische Verbündete in Washington getroffen. Er sprach von einer angeblichen Bereitschaft Putins, Selenskyj zu treffen. Moskau betonte jedoch lediglich, man wolle die bisherigen bilateralen Gespräche auf höherer Ebene weiterführen. Ein Treffen der Präsidenten hält der Kreml nur am Ende von Verhandlungen für möglich, wenn es um die Unterzeichnung einer Vereinbarung gehe.

Merz skeptisch bezüglich Gipfeltreffen

Da eine Annäherung nicht erkennbar ist, beriet Bundeskanzler Friedrich Merz mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über diplomatische Wege. "Wir müssen uns mit diesem Thema heute erneut beschäftigen und dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es offensichtlich nicht zu einem Treffen zwischen Präsident Selenskyj und Präsident Putin kommen wird", sagte Merz bei einem Besuch in Macrons Sommerresidenz an der Côte d’Azur.

USA genehmigen Waffenverkauf: Treffen in Kopenhagen und New York

Das US-Außenministerium hat den Verkauf von Waffen im Wert von geschätzt 825 Millionen US-Dollar (rund 710 Millionen Euro) an die Ukraine freigegeben. Dabei gehe es um Raketen mit größerer Reichweite und ergänzende Ausrüstung, die die Ukraine angefragt habe, teilte die zuständige Behörde Defense Security Cooperation in Washington mit. Die Finanzierung erfolgt den Angaben zufolge durch die USA, Dänemark, die Niederlande und Norwegen.

Die westlichen Partner der Ukraine beraten weiter über Sicherheitsgarantien nach einem möglichen Kriegsende. Heute kommen dazu unter anderem die Außen- und Verteidigungsminister der EU-Staaten in Kopenhagen zusammen. Zudem kündigte Selenskyj an, dass seine Verhandlungsführer Andrij Jermak und Rustem Umjerow in New York mit Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff über künftige Sicherheitsgarantien sprechen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik EU-Mercosur-Abkommen: Vorläufiger Start trotz juristischer Unsicherheit
27.02.2026

Das EU-Mercosur-Abkommen steht vor der vorläufigen Anwendung – trotz juristischer Prüfung in Luxemburg. Während Unternehmen auf neue...

DWN
Finanzen
Finanzen Nordex-Aktie auf Höhenflug: Analysten heben Kursziele und Nordex-Einstufung an – droht eine Übertreibung?
27.02.2026

Die Nordex-Aktie kennt derzeit scheinbar nur eine Richtung: nach oben. Rekordzahlen, optimistische Analysten und neue Dividendenfantasien...

DWN
Finanzen
Finanzen BFH-Urteil: Keine Steuer auf Abschiedsfeiern – worauf Sie achten müssen
27.02.2026

Wenn langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet werden, geht es oft feierlich zu. Doch wer trägt die steuerliche Last einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie: Warum die Tesla-Betriebsratswahl in Grünheide Elon Musk bewegt
27.02.2026

Im Tesla-Werk Grünheide entscheidet sich bei der Tesla-Betriebsratswahl mehr als nur die Zusammensetzung des Tesla-Betriebsrats. Aussagen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 09: Die wichtigsten Analysen der Woche
27.02.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 09 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Afghanistan-Pakistan-Krieg: Gefechte zwischen Pakistan und Taliban – China zeigt sich besorgt
27.02.2026

Beginnt gerade ein Afghanistan-Pakistan-Krieg? Gefechte zwischen Pakistan und den Taliban in Afghanistan spitzen sich dramatisch zu,...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Treffen in Abu Dhabi: Sicherheitsfragen und Wirtschaft im Fokus
27.02.2026

Ein weiteres Ukraine-Treffen steht bevor – und die Erwartungen sind hoch. Während die USA auf Fortschritte drängen, fordert Kiew...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitslosenzahl sinkt leicht: Niveau bleibt hoch und über Drei-Millionen-Schwelle
27.02.2026

Die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosenzahl sorgt für neue Diskussionen über die Stabilität des deutschen Arbeitsmarkts. Zwar zeigt...