Wirtschaft

Energiepreis-Entlastung: Streit in der Koalition verschärft sich

Die Hoffnung auf sinkende Energiepreise nach geopolitischer Entspannung erfüllt sich bislang nicht. Stattdessen rückt die Energiepreis-Entlastung stärker in den Fokus der Politik. Doch zwischen Union und SPD herrscht Streit über den richtigen Weg – droht Stillstand?
08.04.2026 17:57
Lesezeit: 3 min

Koalition: Energiepreis-Entlastung bleibt trotz Waffenruhe notwendig

Union und SPD planen, selbst bei einer Waffenruhe im Nahen Osten und einer möglichen Öffnung der Straße von Hormus weiterhin über eine Energiepreis-Entlastung für Bürger angesichts der hohen Spritpreise zu beraten. "Wir sehen natürlich die aktuellen Belastungen der Unternehmen und vieler Bürgerinnen und Bürger, und wir prüfen auch weiterhin Maßnahmen, wie wir möglichst zielgenau entlasten können", hieß es aus dem Finanzministerium. Eine Energiepreis-Entlastung bleibt damit politisch zentral.

Eine rasche Entspannung an den Tankstellen erwartet die Bundesregierung nicht. Ein Tanker benötige drei bis sechs Wochen von der Meerenge von Hormus bis nach Europa, erklärte ein Regierungssprecher. "Dementsprechend wird es auch dauern, bis deutliche Preissenkungen bei uns ankommen." Eine kurzfristige Energiepreis-Entlastung sei daher unwahrscheinlich.

Vizekanzler Lars Klingbeil hat Vertreter von Wirtschaft und Gewerkschaften für Freitag zu einem Energiepreis-Gipfel eingeladen. Der SPD-Vorsitzende hatte zuletzt vorgeschlagen, Bürgerinnen und Bürger gezielt zu unterstützen, etwa über eine Mobilitätsprämie, und dies über eine Übergewinnsteuer von Energiekonzernen zu finanzieren. Zusätzlich setzt er sich für einen flexiblen Preisdeckel für Sprit ein, um eine nachhaltige Energiepreis-Entlastung zu erreichen.

Taskforce hält Kurs bei Energiepreis-Entlastung

Auch die von der Koalition eingesetzte Taskforce will weiterhin Optionen prüfen. In einer derart volatilen Lage gebe es "keinen Grund für voreilige Kurskorrekturen", sagte Unionsfraktionsvize Sepp Müller der Deutschen Presse-Agentur. "Unser erklärtes Ziel bleibt das nachhaltige Abfedern der Preisexplosion für diejenigen, die Hilfe benötigen." Eine gezielte Energiepreis-Entlastung stehe weiterhin im Fokus.

Schon ein einzelner Zwischenfall wie ein Angriff auf einen Tanker könne genügen, um die mühsam erreichte Stabilität zu gefährden. Beim Ölpreis seien jederzeit neue Ausschläge nach oben möglich. Zudem werde der Markt Schäden an Raffinerien und Hafenanlagen vermutlich einpreisen - ebenso wie die weiterhin unklaren Bedingungen für die Passage durch die Straße von Hormus. All dies könne sich unmittelbar auf die Preise und damit auf die notwendige Energiepreis-Entlastung auswirken.

Scharfe Kritik an Reiche und fehlender Energiepreis-Entlastung

SPD-Fraktionsvize Armand Zorn, der gemeinsam mit Müller die Taskforce leitet, betonte, dass die Preise bislang nicht auf das Vorkrisenniveau gesunken seien. "Wir müssen auf alle Szenarien vorbereitet sein." Wie eine wirksame Energiepreis-Entlastung konkret aussehen soll, ist zwischen Union und SPD weiterhin umstritten.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat nahezu alle auch von Experten vorgeschlagenen Maßnahmen zurückgewiesen: sowohl einen Tankrabatt als auch eine Senkung der Kfz-Steuer sowie ein Tempolimit zum Spritsparen und autofreie Sonntage, wie sie während der Ölkrise der 1970er-Jahre praktiziert wurden. Damit blockiert sie nach Ansicht der SPD zentrale Ansätze zur Energiepreis-Entlastung.

Die von Reiche favorisierte Erhöhung der Pendlerpauschale wiederum stößt bei der SPD auf Ablehnung. Diese bringe den Bürgern erst mit der Steuererklärung im Jahr 2027 eine Entlastung, kritisierte der Koalitionspartner und stellte die Wirksamkeit dieser Form der Energiepreis-Entlastung infrage.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, übte deutliche Kritik an Reiche. Er habe ehrlicherweise manchmal den Eindruck, Katherina Reiche lasse hier die Bürgerinnen und Bürger im Stich, sagte Wiese. Sie komme nicht ins Handeln und schalte nicht in den Krisenmodus. Stattdessen sei es Klingbeil, der die Debatte über Energiepreis-Entlastung und eine Begrenzung der Spritpreise vorantreibe.

SPD fordert Preisdeckel für Energiepreis-Entlastung

Die SPD setzt sich insbesondere für einen flexiblen Spritpreisdeckel nach Luxemburger Vorbild ein. "Auch direkte Entlastungen sind weiterhin auf dem Tisch - wir erwarten die Ergebnisse der Prüfaufträge aus den Ministerien und werden dann ein wirksames und gerechtes Maßnahmenpaket schnüren", kündigte Zorn an. Eine umfassende Energiepreis-Entlastung sei das Ziel.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erklärte: "Ich habe eine klare Erwartung an die Mineralölkonzerne und die Tankstellenbetreiber: So wie sie die Spritpreise mit Beginn des Iran-Kriegs stark angehoben haben, müssen sie sie mit der Waffenruhe nun auch wieder senken", sagte der SPD-Politiker. "Jetzt muss Schluss sein mit der Abzocke an den Zapfsäulen. Die Spritpreise müssen runter, und zwar spürbar und zügig." Auch dies zielt auf eine schnelle Energiepreis-Entlastung ab.

Energiepreis-Entlastung bleibt zentrale Herausforderung

Die Diskussion um eine wirksame Energiepreis-Entlastung zeigt, wie komplex die Lage für Politik und Wirtschaft bleibt. Trotz geopolitischer Entspannung sind die Preise weiterhin hoch, und kurzfristige Entlastungen erscheinen unwahrscheinlich. Innerhalb der Koalition bestehen erhebliche Differenzen über geeignete Maßnahmen, was schnelle Entscheidungen erschwert. Während die SPD auf direkte Eingriffe wie Preisdeckel und gezielte Zahlungen setzt, verfolgt die Union teilweise andere Ansätze. Klar ist jedoch, dass der Handlungsdruck wächst. Ohne konkrete und zeitnahe Lösungen droht die Belastung für Verbraucher und Unternehmen weiter anzuhalten und das Vertrauen in politische Maßnahmen zu schwächen.

Auch weitere Schritte zur Entlastung beim Spritpreis hält Lies für erforderlich. Ein Preisdeckel, wie er in Luxemburg existiert, habe dabei Vorrang. Doch auch über eine Übergewinnsteuer müsse gesprochen werden, um eine nachhaltige Energiepreis-Entlastung sicherzustellen. DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht ebenfalls weiterhin politischen Handlungsbedarf. "Die wirtschaftlichen Schäden sind bereits jetzt erheblich, und auch die stark verflochtene deutsche Volkswirtschaft wird die Folgen deutlich zu spüren bekommen", erklärte er.

Fratzscher spricht sich für Direktzahlungen statt steuerlicher Maßnahmen aus. Letztere seien wenig zielgenau und sozial unausgewogen, da sie vor allem höhere Einkommen begünstigten. Ein Tempolimit oder autofreie Sonntage könnten zusätzlich Anreize schaffen, den Verbrauch fossiler Energieträger zu senken und damit langfristig zur Energiepreis-Entlastung beitragen.

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