Wirtschaft

Silicon Saxony: Mikroelektronik-Chip-Standort in Dresden wächst weiter - Sachsens enge Verbindung zu Taiwan

Wer bei KI und Computerchips am Ball bleiben will, braucht Halbleiter. Das Hightech-Land Taiwan sucht die Zusammenarbeit mit Deutschland, denn Taiwan steht unter Druck, weshalb Präsident Lai Ching-te verstärkt Kooperationen sucht. Warum Sachsen als Europas größter Mikroelektronik-Standort dabei eine entscheidende Rolle spielt.
12.09.2025 21:19
Lesezeit: 3 min
Silicon Saxony: Mikroelektronik-Chip-Standort in Dresden wächst weiter - Sachsens enge Verbindung zu Taiwan
Frank Bösenberg, Geschäftsführer Silicon Saxony e.V., Dirk Panter, sächsischer Wirtschaftsminister und Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, am deutschen Pavillon auf der Halbleitermesse Semicon. (Foto: dpa) Foto: Yu-Tzu Chiu

Sachsen wirbt auf Fachmesse für Halbleiterstandort Dresden

Der Freistaat Sachsen wirbt auf Taiwans Fachmesse Semicon um eine engere Zusammenarbeit mit dem Inselstaat und dessen Hightech-Bereich. Die Semicon ist eine jährliche Messe für Halbleitertechnologie. In diesem Jahr sind 1.200 Unternehmen aus 56 Ländern vertreten. Die Messe sei die „perfekte Bühne“, um Sachsen als Europas führenden Halbleiterstandort zu präsentieren, sagte der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter, der mit einer Delegation nach Taipeh kam. „Es gehe um Kooperation. Wir wollen Unternehmen nach Deutschland holen und deutsche Firmen hier unterstützen“, sagte er der DPA.

Im deutschen Pavillon auf der Semicon zeigen 18 Unternehmen Produkte aus den Bereichen Fertigung, Verpackung, Nachhaltigkeit und Präzisionssensorik. Besonders der Freistaat baut seit einigen Jahren seine Zusammenarbeit mit Taiwans Hightech-Industrie aus.

ESMC baut Halbleiterfabrik in Sachsen

Das sogenannte Silicon Saxony ist Europas größter Mikroelektronik-Standort und gehört bereits zu den fünf wichtigsten Halbleiter-Regionen der Welt. 2023 gründeten die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), Bosch, Infineon und NXP das Gemeinschaftsunternehmen ESMC für den Bau einer Halbleiterfabrik. 2027 sollen dort Chips für die Autoindustrie gefertigt werden. Mit einem geplanten Investitionsvolumen von rund zehn Milliarden Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition eines Unternehmens in Sachsen seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990.

Damit nimmt der Freistaat bei der Umsetzung des European Chips Act (ECA) der EU eine strategische Schlüsselrolle ein. Über den ECA sollen in den nächsten Jahren rund 45 Milliarden Euro generiert und damit die Halbleiterproduktion in ganz Europa stark ausgebaut werden. Die EU möchte ihren Anteil am weltweiten Mikrochip-Markt von aktuell unter zehn auf 20 Prozent erhöhen.

„Silicon Saxony“ – mehr als nur Chips

Dresden biete Stabilität, Verlässlichkeit und gute Chancen für internationale Partner, sagte Panter. Die deutsche Industrie sehe Taiwan als einen globalen Schlüsselspieler, sagte der Leiter der sächsischen Wirtschaftsförderung, Thomas Horn. Zudem hätten Gespräche in Taipeh, auch mit TSMC, die Partnerschaft weiter gestärkt, sagte der Chef von Silicon Saxony, Frank Bösenberg.

Durch den Austausch im deutschen Pavillon wolle man die Zusammenarbeit in den Bereichen Halbleiter und Künstliche Intelligenz vertiefen, sagte Eva Langerbeck, Geschäftsführerin des Deutschen Handelskammer in Taipeh. Eine Ansiedelung in Sachsen plant etwa die Firma Topco Scientific Co., ein Zulieferer von TSMC. Geschäftsführer Charles Lee sagte, das Unternehmen werde Mitte 2026 seine erste europäische Niederlassung in Dresden eröffnen, um ESMC und andere Kunden zu unterstützen. Deutschland habe während des Evaluierungsprozesses starke Unterstützung geboten, sagte er der dpa.

Taiwan will Lieferketten für Chiphersteller sicherer machen

Der ostasiatische Inselstaat Taiwan setzt angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen auf mehr Kooperation für robuste Lieferketten im Halbleiterbereich. „Taiwan ist ein zuverlässiger Partner, und mit unserer technologischen Basis und unserem kooperativen Geist werden wir mit demokratischen Partnern weltweit zusammenarbeiten“, sagte Präsident Lai Ching-te vor Eröffnung der Halbleitermesse Semicon in der Hauptstadt Taipeh.

Der rasante Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz (KI) habe zudem den globalen Wettbewerb verschärft, sagte Lai. „Kein einzelnes Land kann diese Herausforderungen allein bewältigen“, betonte er. Lai verwies auf Taiwans wachsende Präsenz in der Hightech-Industrie und auf Investitionen in den USA, Europa, Japan und Südostasien.

Enge Verbindungen nach Sachsen

In Dresden etwa baut Taiwans Chip-Gigant TSMC mit Bosch, Infineon und NXP eine Halbleiterfabrik. Das erste europäische Chipwerk der Taiwaner soll auch europäische Lieferkette widerstandsfähiger machen. Denn Taiwan, welches von China als Teil seines Territoriums angesehen wird, liegt an einer wichtigen Seefahrtroute. Ein Konflikt in der Region hätte gravierende Auswirkungen auf globale Lieferketten.

Für Taiwan kündigte Lai Investitionen von mehr als 100 Milliarden Taiwan-Dollar (rund 2,8 Mrd. Euro) an, um etwa KI-Infrastruktur zu verbessern. Taiwan wolle Forschung in den Bereichen Quantencomputing oder Robotik priorisieren, aber auch internationale Firmen anlocken, die Forschungs- und Entwicklungszentren auf der unabhängig regierten Insel einrichten.

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Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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