Unternehmensporträt

Start-up: Die Blaupause – der Siegeszug der LAP-Coffee-Shops

In nur zwei Jahren hat die Marke LAP zwanzig Coffee-Shops in Deutschland eröffnet. Mit Preisen bis zu unter zwei Euro lockt das Start-up junge Großstädter in die blau gestrichenen Filialen. Bislang geht die Strategie von Gründer Ralph Hage auf – trotz Vandalismus und Protesten gegen LAP.
10.10.2025 16:45
Lesezeit: 4 min
Start-up: Die Blaupause – der Siegeszug der LAP-Coffee-Shops
Im Eiltempo eröffnet LAP Coffee-Shops in Großstädten (Foto: dpa).

LAP-Coffee-Shops: 20 Filialen in zwei Jahren

Es ist ein kräftiges, gesättigtes Blau. Royal Blau oder Königsblau nennt es sich. Ein unaufdringlicher Farbton, der dennoch auffällt.

Auf dieses Blau stößt man immer häufiger, wenn man durch die Straßen von Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Neukölln in Berlin läuft. Aber auch in München und zuletzt in Hamburg kann man die blauen Markisen und Schriftzüge vor Ladenflächen entdecken.

Das Blau weist den Kunden den Weg in einen der Coffee-Shops von LAP. Die Abkürzung steht für Life Among People – Leben unter Menschen. Die Community und Influencer teilen ihr LAP-Erlebnis in sozialen Medien, Kooperationen von LAP mit Marken wie Adidas und Uniqlo befeuern den Hype. In atemberaubender Geschwindigkeit haben innerhalb von nur zwei Jahren 20 Filialen in deutschen Großstädten eröffnet.

Gründer Ralph Hage legt ein hohes Tempo vor – nicht nur bei der Eröffnung einer Filiale nach der anderen, sondern auch beim Erläutern der Strategie hinter der Marke LAP. Er redet schnell, sagt von sich selbst: „Ich bin ein leidenschaftlicher Kaffee-Trinker. Jeden Tag trinke ich vier Tassen kaltgebrühten Kaffee. Für mich ist Kaffee Alltag, nicht Statussymbol.

Das Blau, der Schriftzug, die Standorte, ja sogar das Produkt Kaffee sind bewusst gewählt und Teil eines Konzepts, mit dem Ralph Hage sich an den Großen der Branche orientiert – trotz aller Widerstände und Proteste.

Kaffee aus Vollautomaten und in Pappbechern

Der Wiedererkennungswert ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Komponenten seines Konzepts: Das Blau, das Ralph Hage an die Schirme in den Straßen von Beirut im Libanon erinnert, wo er aufgewachsen ist. Der Schriftzug von LAP, der wie von Hand geschrieben und spielerisch wirken soll. Er greift im „A“ das naturwissenschaftliche Zeichen Lambda auf. „Lambda steht im französischen Schulsystem für den Durchschnitt”, erklärt Ralph Hage. „Und für uns repräsentiert dieses Symbol Alltag und Normalität. Genau dort will LAP sein: bei den ganz normalen Leuten.

Ralph Hage hat bereits Erfahrungen in der Start-up-Szene gesammelt, zuletzt bei Delivery Hero. Sein Geschäftspartner Tonalli Arreola war in leitender Position beim E-Scooter-Anbieter Lime tätig. Zu den Investoren von LAP gehören die Influencerin Diana zur Löwen sowie die Venture-Capital-Firmen Insight Partners und HV Capital.

Korrespondierend zum Markenauftritt ist auch das Angebot in allen Filialen einheitlich. „Wir bieten Special‑Drinks, die man in Deutschland kaum findet – Protein Coffee, funktionale Varianten, neue Zutaten wie Ube und Yuzu“, so der Ralph Hage. Das Alter der Zielgruppe definiert der Gründer zwischen 20 und Mitte 40. „Die Generation ist mobil, immer in Bewegung“, sagt Ralph Hage. „Wo man arbeitet, wo man Freunde trifft, wo man ausgeht – alles findet woanders statt.“ Diesen Drang nach Mobilität setzt Hage in den Shops konsequent um: Der Kunde kann den Kaffee per App vorbestellen und lange Wartezeiten vermeiden. Die wenigen Stühle laden eher für den schnellen Konsum als zum Verweilen ein. Statt in Tassen kommt der Kaffee in Pappbechern. „Etwa sieben von zehn Tassen sind zum Mitnehmen“, weiß Ralph Hage.

Die moderne Version des Einzelhandels: Micro Retail

Seit der Corona-Pandemie 2020 sind die Preise für Rohkaffee um 247 Prozent gestiegen, im Februar dieses Jahres erreichte der Preis sogar einen historischen Höchststand. Grund sind unter anderem Ernteausfälle in den Anbauländern nach Extremwettern. Umso erstaunlicher ist die Kampfansage von LAP an die Coffee-Shops von München bis Hamburg, wo man mittlerweile nicht selten über 5 Euro für einen Latte Macchiato zahlt. Bei LAP kostet ein Latte 3 Euro, ein Espresso 1,50 Euro. Bei der Qualität der Kaffeebohnen macht das Unternehmen keine Abstriche und setzt auf hochwertigen Spezialitätenkaffee aus der Berliner Rösterei 19grams.

Die Preise sind das Ergebnis einer präzisen Prozessoptimierung. „Wenig Platz und eine effiziente Gestaltung des Innenraums reduzieren die Kosten für die Einrichtung. Automatisierte Siebträgermaschinen und Vorbestellungen verringern die Fehlerquote und liefern schnelleren Service, erklärt Ralph Hage. Bezahlt wird bargeldlos. Dieses Prinzip des Micro Retail ist eine moderne Version des Einzelhandels, die Fläche und Kosten mit Hilfe digitaler Technologie einspart. Hage hat so erreicht, dass jede Filiale profitabel ist.

LAP-Coffee-Shops: Vandalismus in Berlin, Aufruf zum Protest in Hamburg

Die Strategie hat LAP zuletzt viel Kritik eingebracht. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen die Verdrängung unabhängiger Coffee-Shops, die mit den LAP-Preisen nicht mithalten können. In Berlin kämpft das Start-up gegen Vandalismus, in Hamburg gab es Aufrufe zum Protest. Ralph Hage hält die Kritik für unberechtigt: „Mehr Kaffeekonsum ist kein Schaden für andere – im Gegenteil, sogar gut für alle Café-Betreiber. LAP bringt mehr Menschen aus dem Zuhause heraus auf die Straßen in der Nachbarschaft.” Gemäß der sogenannten Latte-Ökonomie können kleine Ausgaben eine große Wirkung haben: „Alltägliche Ausgaben zirkulieren im Kiez und stützen alle Geschäfte, erklärt Ralph Hage. „Wenn zehn Leute zehn Euro haben, können sie zehn Kaffees kaufen. Wenn eine Person tausend Euro hat, kauft sie vielleicht zwei Kaffees. Mehr Menschen den Kauf erschwinglichen Kaffees ermöglichen ist das, was die Wirtschaft in Bewegung hält.

Die rasante Ausbreitung der Marke LAP wirft die Frage nach dem Vergleich mit den Global Playern der Branche auf. Ralph Hage nennt McCafé als Vorbild für sein eigenes Unternehmen: „McCafé ist aus drei Gründen beliebt bei den Deutschen: Verfügbarkeit, erschwingliche Preise und Markenvertrauen. Genau diese drei Dinge suchen Kund:innen – wir orientieren uns daran und setzen Spezialitäten‑Qualität, Menü‑Innovation und Community on top.

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Cristina Prinz

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Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

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