Wirtschaft

Duolingo-Aktie: Fliegt die Eule in den KI-Himmel – oder stürzt sie ins Bodenlose?

Die Duolingo-Aktie lockt mit 46 Prozent Kurspotenzial – doch Künstliche Intelligenz könnte den gefeierten Sprachlern-Pionier ebenso gut zerstören wie beflügeln. Analysten sind gespalten: Steht der Eulen-Konzern vor dem großen Höhenflug oder vor dem Absturz?
26.09.2025 10:27
Lesezeit: 3 min
Duolingo-Aktie: Fliegt die Eule in den KI-Himmel – oder stürzt sie ins Bodenlose?
Luis von Ahn, Gründer von Duolingo: Vom Erfinder von CAPTCHA zum Börsenstar – und nun im Schatten der KI-Bedrohung. (Foto: dpa | Jeon Heon-Kyun) Foto: Jeon Heon-Kyun

Zwischen KI-Hype und Absturzgefahr: Wohin steuert die Duolingo-Aktie?

Wie viele Sprachen werden gesprochen? Deutsch ist in Mitteleuropa etabliert, für die Beobachtung der Börsen dominiert Englisch. Estland wiederum beeindruckte in den vergangenen Jahren mit einer stark gewachsenen Anlegerszene. Um die Kommunikation mit estnischen Partnern zu erleichtern, rückt zunehmend auch die estnische Sprache in den Fokus – eine finnougrische Sprache, die vielen fremd erscheint.

Die weltweit meistgenutzte Sprachlern-App Duolingo bietet Estnisch jedoch nicht an. Auch Sprachen, wie zum Beispiel Slowenisch fehlen. Sprachen mit geringer Sprecherzahl oder niedriger Popularität sind im Programm nicht vertreten. Kritiker werfen Gründer Luis von Ahn vor, die Community – deren Symbol die grüne Eule ist – zu vernachlässigen und den Fokus einseitig auf Profit zu legen. Eine entscheidende Rolle in der aktuellen Entwicklung spielt Künstliche Intelligenz (KI). Für Duolingos Eule ist 2025 kein Jahr ruhigen Schlafs.

Ein Informatikstudent, der Spam verhinderte

Als Yahoo der führende Browser war, richteten Millionen Menschen E-Mail-Adressen ein. Viele nutzten dies, um massenhaft Profile zu erstellen und Postfächer mit Werbung zu überfluten. Luis von Ahn entwickelte während seiner Promotion die Idee zu CAPTCHA – einer Methode, die prüft, ob ein Nutzer Mensch oder Maschine ist. Damit legte er den Grundstein für einen Standard, der weltweit Anwendung fand. Einnahmen erzielte er mit der Erfindung zunächst jedoch nicht. »Ich wusste nicht, wie diese Dinge funktionieren. Rückblickend frage ich mich, was sonst passiert wäre. Ich bereue es nicht«, erklärte er 2020 in einem Interview mit NPR.

Er lehnte Bill Gates ab – und wurde später Millionär

Nach der Promotion lehrte von Ahn als Professor an der Carnegie Mellon University. Microsoft-Gründer Bill Gates versuchte ihn persönlich für sein Unternehmen zu gewinnen – ohne Erfolg. »Ich wollte damals einfach nur Professor werden und mein eigenes Ding machen,« sagte er NPR. Aus CAPTCHA entwickelte er reCAPTCHA: Nutzer digitalisierten durch ihre Eingaben alte Druckwerke. Eine der ersten Kundinnen war die New York Times, deren Archiv mit Hilfe der Technologie aufbereitet wurde. 2009 verkaufte von Ahn die Lösung an Google.

Von Übersetzungen zum globalen Namen

Später gründete er gemeinsam mit Severin Hacker die Plattform Duolingo. Anfangs stand die Übersetzung von Texten im Vordergrund, dann der Übergang zu einem Abo-Modell. Heute lernen über 47 Mio. Menschen täglich in 40 Sprachen, mehr als 10 Mio. davon zahlen für die Nutzung. Inzwischen wurde das Angebot auf andere Lernfelder wie Schach ausgeweitet. Seit dem Börsendebüt 2021 verzeichnete die Aktie deutliche Schwankungen. Anleger, die beim IPO einstiegen, erreichten bislang rund 120 Prozent Rendite. Anders als andere Tech-Werte stieg die Aktie kontinuierlich, bevor 2024 starke Ausschläge folgten. Im Februar kletterte der Kurs nach positiven Quartalszahlen, getragen von KI-Umsätzen. Die Euphorie verflog schnell: Hohe Kosten belasteten Margen und Gewinn. Im Mai erreichte die Aktie ein Rekordhoch, Umsätze stiegen um 38 Prozent, die Zahl der Abonnenten überstieg 10 Mio. Doch im Sommer setzte erneut eine Abwärtsbewegung ein.

KI ersetzt zuerst Menschen, nun womöglich das Unternehmen

Analysten warnen vor Wachstumsabkühlung. Zudem droht Konkurrenz durch simultane Übersetzung, wie sie Apple mit den AirPods vorstellte. »KI ist derzeit sehr gut im Übersetzen, daher ist Duolingo für viele Menschen leicht austauschbar,« erklärte Dave Mazza von Roundhill Investments gegenüber Bloomberg. Besonders kritisch wurde aufgenommen, dass Duolingo sich selbst als KI-Unternehmen definierte und gleichzeitig Vertragskräfte entließ, die Sprachprogramme entwickelten. Für 2024 werden Umsätze zwischen 1,01 und 1,02 Mrd. Dollar prognostiziert, höher als zuvor erwartet. Die Bruttomarge sank im Quartal leicht auf 72,4 Prozent. Im August kündigte Duolingo zudem den Kauf des Musik-Gaming-Startups NextBeat an. Die Zahl der täglichen Nutzer stieg im zweiten Quartal um fast 40 Prozent, stagnierte jedoch. Der Umsatz je Nutzer legte um sechs Prozent zu, getragen von teureren Abos. Bewertungskennzahlen wie KGV (119) und EV/EBITDA (123) bleiben außergewöhnlich hoch.

Was Analysten sagen

Einige Analysten zeigen sich skeptisch. Alec Brondolo von Wells Fargo senkte die Zielmarke auf 239 Dollar: »Negative Kommentare zur KI haben zu einer allgemeinen Apathie gegenüber der Marke Duolingo geführt« Wyatt Swanson von D.A. Davidson reduzierte ebenfalls seine Einschätzung auf 300 Dollar. Andere Banken äußern sich optimistischer. Crystal Li von China Merchant Securities sieht die Aktie bei 600 Dollar. JP Morgan und Morgan Stanley setzten das Kursziel auf 500 Dollar. Im Schnitt liegt die Erwartung für die kommenden 12 Monate bei 438 Dollar – was einem Wachstumspotenzial von 46 Prozent entspricht.

Perspektiven für die Aktie

Das Unternehmen wächst kontinuierlich, Gewinne übertrafen in drei der letzten vier Quartale die Prognosen. Entscheidend wird sein, ob Kosten gesenkt und Margen gehalten werden können. Gelingt dies, könnte die Aktie deutlich steigen. Scheitert es, droht Druck von Anlegerseite.

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