Politik

Italien debattiert über Hacker-Brigade – ein Modell für Deutschland?

Rom plant die Militarisierung des Cyberspace: Hacker sollen künftig im Auftrag der Armee agieren. Ein Schritt, der Signalwirkung für Europa haben könnte – und Deutschland vor die Frage stellt, ob es dem Beispiel folgt.
26.09.2025 11:03
Lesezeit: 2 min

Cyber-Frontlinie: Wenn Soldaten zu Hackern werden

Die italienische Regierung hat mit dem Gesetz zur Cybersicherheit bereits im vergangenen Jahr einen wichtigen Schritt zum Schutz der digitalen Infrastruktur getan. Nun bereitet sie eine Änderung vor, die auch Hacker in das nationale Sicherheitssystem einbindet. Das berichtet das Wirtschaftsportal Finance.si. Das Grundgesetz wurde im Juni vergangenen Jahres verabschiedet und verschaffte Italien einen umfassenden Rahmen zum Schutz vor Cyber-Bedrohungen. Es schreibt unter anderem Pflichten für die öffentliche Verwaltung vor, verschärfte Strafen für IT-Verbrechen und eine Stärkung der Rolle der zuständigen Agentur für nationale Cybersicherheit.

Neue Paradigma: Armee im digitalen Krieg?

Vor kurzem wurde nun ein Vorschlag in das parlamentarische Verfahren eingebracht, der die bestehende Regelung ausweitet und die Rolle des Militärs in der Cyberabwehr formalisiert. Künftig soll die Armee spezielle Hacker-Einheiten erhalten, die in Zusammenarbeit mit der ACN und den Geheimdiensten agieren. Italienische Medien sprechen daher bereits von besonderen militärischen „cyber silah“ (it. forza dedicata), die auch außerhalb klassischer Konflikte, sogar in Friedenszeiten, an Cyber-Operationen beteiligt werden könnten. Ziel des Regierungsplans ist es, dass Italien Angriffe aus dem Ausland, die Merkmale staatlicher Cyberkriegsführung tragen, wirksamer abwehren kann.

Was das für die Sicherheit bedeutet

Mit der Einbindung der Armee in die Cyberverteidigung folgt Italien einem Trend, den man bereits aus den USA, Israel und einigen anderen Ländern kennt. Militärische Hacker sollen defensive und möglicherweise auch offensive Operationen durchführen können, was neue Fragen zu Zuständigkeiten, Kontrolle und Völkerrecht aufwirft. Obwohl der Vorschlag von der Regierungsmehrheit getragen wird, haben Oppositionsparteien Bedenken hinsichtlich Transparenz, Kontrolle militärischer Einsätze und möglicher Missbräuche geäußert. Kritiker verweisen darauf, dass die Rolle der Armee im digitalen Raum streng reguliert und unter parlamentarischer Aufsicht stehen müsse.

Deutschland im Vergleich

Auch in Deutschland ist die militärische Cyberabwehr längst Realität. Mit dem Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR) hat die Bundeswehr eine eigene Teilstreitkraft geschaffen, die auf digitale Kriegsführung spezialisiert ist. Doch während Italien den militärischen Zugriff offen ausweitet, bleibt die Lage in Deutschland von institutionellen Reibungen geprägt. Zwischen Bundeswehr, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und den Nachrichtendiensten herrscht ein Machtkampf um Kompetenzen. Das CIR beansprucht, auch offensive Operationen durchführen zu können – offiziell als Abschreckung. Kritiker warnen jedoch, dass die Grenze zwischen Abwehr und Angriff zunehmend verschwimmt und damit die parlamentarische Kontrolle unterlaufen werden könnte. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung einerseits auf die zivile Cyber-Sicherheitsarchitektur setzt, andererseits aber den Druck aus NATO-Partnerstaaten spürt, ihre militärischen Fähigkeiten im digitalen Raum auszubauen. Damit wächst die Gefahr, dass Deutschland in eine Grauzone abgleitet, in der militärische Hacker im Hintergrund operieren, ohne klare demokratische Legitimation. Die italienische Initiative zeigt, wie schnell die Schwelle zu einer Militarisierung des Cyberspace überschritten werden kann – ein Szenario, das auch in Berlin bald Realität werden könnte.

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