Politik

Nato-Manöver: Deutschland entsendet Bundeswehr-Tornados zur Atomwaffenübung der Nato

Die Atomwaffenübung der Nato sorgt für Aufmerksamkeit: Deutschland entsendet Tornados und beteiligt sich am jährlichen Nato-Manöver „Steadfast Noon“. Doch was bedeutet die nukleare Teilhabe wirklich – und wie glaubwürdig ist die Abschreckungspolitik des Bündnisses in Zeiten wachsender Spannungen mit Russland?
10.10.2025 12:02
Lesezeit: 2 min

Deutschland entsendet Tornados zur Atomwaffenübung der Nato

Die deutsche Luftwaffe wird ab kommender Woche mit mehreren Kampfjets an einem Nato-Manöver teilnehmen, das der Verteidigung des Bündnisgebiets mit Atomwaffen dient. Wie ein Verantwortlicher im militärischen Nato-Hauptquartier im belgischen Mons der Deutschen Presse-Agentur erklärte, habe die Bundeswehr drei für den Einsatz von US-Atombomben vorbereitete deutsche Tornados sowie vier Eurofighter für die am Montag beginnende Atomwaffenübung der Nato „Steadfast Noon“ gemeldet.

An dem Nato-Manöver sollen insgesamt rund 2.000 Soldaten aus 14 Bündnisstaaten und mehr als 70 Flugzeuge teilnehmen, wie Chefplaner Daniel Bunch sagte. Neben den deutschen Tornados und Eurofightern gehören auch amerikanische F-35, Überwachungs- und Tankflugzeuge dazu. Das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte die Teilnahme Deutschlands, verzichtete jedoch auf Details.

Nato betont Routinecharakter: Übung in den Niederlanden und weiteren Standorten

Der zentrale Stützpunkt der jährlichen Atomwaffenübung der Nato ist diesmal die niederländische Luftwaffenbasis Volkel. Weitere Einsätze finden in Kleine-Brogel in Belgien, Lakenheath in Großbritannien und Skrydstrup in Dänemark statt.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte am Freitag in einer Videobotschaft, Steadfast Noon sei Routine und keine Reaktion auf jüngste russische Luftraumverletzungen oder andere Provokationen. Dennoch sende das Nato-Manöver ein deutliches Signal an Moskau, dass das Bündnis im Ernstfall bereit sei, sich mithilfe von Nuklearwaffen zu verteidigen. Die Atomwaffenübung der Nato sei erforderlich, um sicherzustellen, dass die nukleare Abschreckung glaubwürdig und wirksam bleibe, betonte Rutte.

Übungsflüge ohne scharfe Waffen

Dass Deutschland als Land ohne eigene Atomwaffen an der Atomwaffenübung der Nato teilnimmt, liegt an der sogenannten nuklearen Teilhabe des Bündnisses. Sie besagt, dass in Europa stationierte US-Atomwaffen des Typs B61 im Ernstfall auch von Flugzeugen anderer Partnerstaaten eingesetzt werden können, um gegnerische Streitkräfte auszuschalten. Unbestätigten Berichten zufolge lagern US-Atomwaffen unter anderem in Norditalien, Belgien, den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel.

Zum Ablauf des Nato-Manövers machte das Bündnis keine Angaben. Experten erklären, dass bei den regelmäßig im Oktober abgehaltenen Übungen trainiert wird, wie die US-Atomwaffen sicher aus unterirdischen Depots zu den Flugzeugen gebracht und dort montiert werden. Sowohl beim Transport als auch bei den anschließenden Angriffsflügen kommen ausschließlich Übungsbomben ohne echten Atomsprengkopf zum Einsatz.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Ein weiteres systemisches Risiko: Fed schlägt Senkung der Kapitalanforderungen für Banken vor
23.03.2026

Milliarden Dollar könnten für Kredite, Dividenden und Aktienrückkäufe freigesetzt werden. Kritiker warnen jedoch, dass niedrigere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eli Lilly-Aktie: Dieser Wirkstoff könnte den Milliardenmarkt neu ordnen
23.03.2026

Ein neuer Wirkstoff von Eli Lilly sorgt für Unruhe im globalen Pharmamarkt. Retatrutid liefert Ergebnisse, die bisherige Medikamente klar...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steigende Energiepreise: Weltwirtschaft steuert auf Rezession zu
23.03.2026

Die zunehmenden Verwerfungen im Energiesektor infolge des Iran-Kriegs belasten bereits Unternehmen, Verbraucher und Finanzmärkte und...

DWN
Politik
Politik SPD in der Krise: Führung bleibt – Merz bremst Reformen
23.03.2026

Die SPD kämpft nach Rückschlägen um Stabilität, während Kanzler Merz vor übereilten Entscheidungen warnt. Reformen stehen an, doch...

DWN
Politik
Politik Trump will gigantischen Milliardenbetrag für den Krieg in Iran fordern
23.03.2026

Die Kosten für den Krieg gegen Iran steigen rasant. Nun will Donald Trump weitere 200 Milliarden Dollar vom Kongress fordern. Die Debatte...

DWN
Finanzen
Finanzen Volatile Siemens Energy-Aktie: Kurssprung nach schwachem Start – was Anleger jetzt wissen müssen
23.03.2026

Ein turbulenter Handelstag bringt die Siemens Energy-Aktie erneut in den Fokus. Zwischen Kursverlusten und kräftiger Erholung schwankt der...

DWN
Politik
Politik Von der Leyen will Wege finden, Ukraine-Kredit trotz Ungarn auszuzahlen
23.03.2026

Die EU sucht nach Lösungen, um die zugesagten 90 Milliarden Euro an die Ukraine auszuzahlen, obwohl Ungarn weiterhin blockiert.

DWN
Panorama
Panorama Hybride Angriffe: Kein Strom, kein Geld, kein Arzt – was Menschen Sorgen bereitet und was hilft
23.03.2026

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen rechnet mit schweren Krisen durch hybride Angriffe. Dennoch fühlen sich nur 15 Prozent der Haushalte...