Wall Street setzt auf Goldkauf und warnt vor Kryptowährungen
An der Wall Street richtet sich der Blick weiterhin auf Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, wobei die Diskussion längst nicht mehr allein unter Privatanlegern stattfindet, sondern auch Zentralbanken und große institutionelle Investoren ihre Einschätzungen öffentlich machen. In diesem Umfeld beobachten Marktteilnehmer mit wachsender Aufmerksamkeit, wie sich Bewertungen, Unternehmensgewinne und makroökonomische Indikatoren zueinander verhalten, denn aus dieser Wechselwirkung ergeben sich Konsequenzen für die Allokation von Vermögensklassen in Portfolios unterschiedlicher Größe und Zielsetzung.
Trotz des starken Interesses an Technologieanlagen liegt spürbare Unsicherheit in der Luft, die sich in Stimmen äußert, die für eine defensive Positionierung werben. Mehrere einflussreiche Akteure aus dem Finanzsektor sprechen sich daher dafür aus, den Goldanteil in Portfolios zu erhöhen und dadurch potenzielle Risiken eines breiten Marktumbruchs zu dämpfen. Parallel dazu warnen Analysten und Plattformbetreiber davor, dass Kryptowährungen, obwohl sie für Privatanleger zunehmend leichter zugänglich werden, nicht die Eigenschaften einer klassischen Anlageklasse aufweisen und deshalb kritisch hinterfragt werden sollten, bevor sie in wachstums- oder einkommensorientierte Portfolios aufgenommen werden.
Ray Dalio empfiehlt höhere Goldquote
Ray Dalio, Gründer des weltweit bedeutenden Hedgefonds Bridgewater Associates, zieht einen Vergleich zur wirtschaftlichen Lage zu Beginn der 1970er Jahre und empfiehlt Anlegern, rund 15 Prozent ihres Portfolios in Gold zu halten. Gold sei eine sehr geeignete Möglichkeit, ein Portfolio zu diversifizieren, erklärte Dalio. Betrachtet man die strategische Vermögensaufteilung, sollte ein Portfolio etwa 15 Prozent Gold enthalten, da es sich um jene Anlageklasse handelt, die dann an Wert gewinnt, wenn traditionelle Anlageformen an Attraktivität verlieren. Die aktuelle Situation ähne stark den frühen 1980er Jahren, als Inflation, hohe Staatsausgaben und steigende Schulden das Vertrauen in papierbasierte Vermögenswerte und Währungen erschütterten. Lege man Geld in Schuldtiteln an, während Angebot und Verschuldung so stark steigen, sei dies kein effizienter Weg, um Wert zu erhalten, betonte Dalio.
Peter Lynch mahnt zu Verständnis der eigenen Investments
Peter Lynch, legendärer Investor und bekannt für die überdurchschnittliche Performance des von ihm geleiteten Fidelity Magellan Fund in den 1980er Jahren, richtet seine Worte an eine neue Generation von Anlegern. Er erklärte in einem Podcast, dass er keine einzige Aktie aus dem Bereich Künstliche Intelligenz halte und erst vor wenigen Monaten gelernt habe, den Namen Nvidia korrekt auszusprechen. Auf die Frage, ob das Thema KI überbewertet werde, entgegnete Lynch, er habe nicht den geringsten Ansatz einer Meinung. Ohne die Technologie zu verstehen, könne er nicht seriös beurteilen, ob der Markt überzogen sei. Er bezeichnete sich selbst als technologisch wenig versiert und betonte, dass er lediglich mit gelben Notizblöcken arbeite. Investoren müssten genau wissen, in welche Unternehmen sie investieren.
Wer nicht verstehe, was er besitze, werde scheitern, so Lynch. Er warnte davor, den Markt schlagen zu wollen, da dies eine gefährliche Denkweise sei. Anleger sollten nur kaufen, was sie wirklich verstehen. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Volatilität von rund 100 Prozent an der New Yorker Börse müsse man wissen, wie man auf starke Marktbewegungen reagiert. Auch ein späterer Einstieg könne erfolgreich sein. Als Beispiel nannte Lynch McDonald's, dessen Wachstum bereits als abgeschlossen galt, bevor das Unternehmen international stark expandierte.
Mohamed El-Erian sieht Goldpreisbewegung nicht nur als Krisensignal
Mohamed El-Erian, Wirtschaftsberater der Allianz, weist darauf hin, dass der Anstieg des Goldpreises nicht ausschließlich auf Risikoaversion zurückzuführen sei. Er betont, dass der Goldpreisanstieg zur gleichen Zeit stattfindet, da Indizes wie der S&P 500, der Nasdaq 100 oder der Russell 2000 neue Höchststände erreichen oder diesen nahekommen, und dass diese Gleichzeitigkeit die Interpretation des Goldpreisanstiegs komplexer macht. Anleger reagierten demnach nicht nur auf unmittelbare Angst, sondern auch auf die Wahrnehmung einer fortschreitenden Fragmentierung der weltwirtschaftlichen und finanziellen Ordnung, weshalb Gold als Reaktion auf strukturelle Veränderungen und nicht nur als kurzfristiger Fluchtanker zunehme. El-Erian unterstreicht damit, dass hinter der Preisbewegung unterschiedliche Motive stehen, die von makroökonomischen Anpassungen über geopolitische Entwicklungen bis hin zu Veränderungen in der Kapitalallokation reichen können, und dass ein isoliertes Lesen des Goldpreises als reines Stimmungsbarometer die Vielschichtigkeit der Marktreaktionen unterschätzen würde.
Goldman Sachs rät zu Differenzierung bei KI-Bewertung
Peter Oppenheimer, Stratege bei Goldman Sachs, warnt in einer Analyse davor, vorschnell von einer Blase im Bereich der KI-Aktien zu sprechen. Solange die Kursanstiege durch steigende Unternehmensgewinne gestützt würden, sei Vorsicht angebracht. Die Bewertungen im Technologiesektor seien zwar hoch, befänden sich aber noch nicht auf dem Niveau vergangener Blasenphasen. Blasen entstünden in der Regel, wenn Unternehmensbewertungen schneller stiegen als die erwarteten Cashflows. In diesem Fall basiere der Bewertungsanstieg jedoch vor allem auf realen Wachstumsperspektiven. Zudem verfüge die führenden KI-Unternehmen über eine ungewöhnlich starke finanzielle Basis. Der KI-Sektor sei derzeit fest in den Händen weniger etablierter Unternehmen, während frühere Blasen durch eine Vielzahl neuer Marktteilnehmer geprägt gewesen seien. Dennoch empfiehlt er Anlegern eine breite Diversifikation, um Risiken durch die starke Konzentration auf einige US-Titel und die zunehmende Konkurrenz im KI-Sektor zu vermeiden.
Bank of England warnt vor Marktkonzentration und Korrekturen
Auch die Bank of England äußert sich besorgt über gestiegene Risiken einer plötzlichen Marktkorrektur, insbesondere im Technologiesektor. In der Zusammenfassung der jüngsten Zinssitzung wird darauf hingewiesen, dass die fünf größten Unternehmen im S&P-500-Index inzwischen rund 30 Prozent des Index ausmachen und dieser Anteil so hoch sei wie seit fünf Jahrzehnten nicht mehr. Steigende geopolitische Spannungen, brüchiger Welthandel, hohe Staatsverschuldung und die starke Konzentration in den Börsenindizes könnten die Märkte anfällig machen. Sollten die Erwartungen an die Zukunftserträge im KI-Bereich nachlassen, könne das erhebliche Folgen nach sich ziehen.
Hargreaves Lansdowne sieht Kryptowährungen nicht als Anlageklasse
Hargreaves Lansdowne, die größte Investmentplattform für Privatanleger im Vereinigten Königreich, warnt, dass Bitcoin keine Anlageklasse sei und daher keinen Platz in wachstums- oder dividendenorientierten Portfolios haben sollte. Man sehe keine Eigenschaften, die Kryptowährungen geeignet erscheinen lassen, um Anlegern zuverlässig beim Erreichen ihrer finanziellen Ziele zu helfen, erklärte das Unternehmen. Hintergrund der Stellungnahme ist die Aufhebung des Verbots für Privatanleger in Großbritannien, in Kryptowerte zu investieren. Die Kursbewegungen von Kryptowährungen seien nicht analysierbar und im Gegensatz zu anderen alternativen Vermögenswerten fehle ihnen ein intrinsischer Wert. Dennoch werde man Anlegern ab Anfang 2026 die Möglichkeit eröffnen, mit Kryptowerte zu spekulieren, da ein entsprechendes Kundeninteresse bestehe.
Für deutsche Anleger zeigen die Aussagen der internationalen Finanzelite zwei zentrale Entwicklungen. Einerseits bleibt Gold in Zeiten hoher Verschuldung, geopolitischer Spannungen und möglicher Marktübertreibungen eine relevante Absicherungskomponente im Portfolio. Andererseits mahnen die Warnungen vor überhitzten Segmenten wie KI-Aktien oder Kryptowährungen zu einer nüchternen Bewertung und einer klaren Anlagestrategie. Auch für den deutschen Markt, der stark von internationalen Kapitalströmen abhängig ist, dürften Diversifikation, solides Verständnis der eigenen Anlagen und ein vorsichtiger Umgang mit spekulativen Trends entscheidend bleiben, um langfristig Stabilität und Rendite zu sichern.


