Wirtschaft

Öl in der Nordsee: Internationale Konzerne erzielen Milliardenumsätze

Die Nordsee ist ein wichtiger Schauplatz der globalen Energiebranche, in dem internationale Konzerne hohe Umsätze erzielen und zugleich mit großen wirtschaftlichen Risiken umgehen. Die Entwicklungen werfen Fragen zur Kontrolle über Rohstoffe, zur Rentabilität der Förderung und zur Rolle multinationaler Unternehmen auf.
15.10.2025 11:03
Lesezeit: 3 min
Öl in der Nordsee: Internationale Konzerne erzielen Milliardenumsätze
Internationale Konzerne verdienen Milliarden mit Öl aus der Nordsee (Foto: dpa) Foto: Carina Johansen

Internationale Energieriesen übernehmen das Ruder in der Nordsee

Einst kontrollierten der dänische Staat und dänische Unternehmen die Ölreserven der Nordsee und die damit verbundenen Einnahmen, die aus der reichen Untergrundförderung stammten. Diese Zeit ist vorbei, nachdem sowohl Dong Energy, heute Ørsted, als auch die Ölaktivitäten von Mærsk verkauft wurden. Heute sind internationale Konzerne wie der britische Energieriese Ineos und das französische Unternehmen Total Energies für die Förderung von Öl und Gas aus der dänischen Untersee verantwortlich und erzielen damit Milliardenumsätze. Die jährliche Top-1000-Liste der dänischen Börse verdeutlicht, dass die Ölbranche in der Nordsee weiterhin ein Milliardengeschäft ist. Ineos stieg im Ranking um 193 Plätze und belegte im vergangenen Jahr Platz 503, nachdem das Unternehmen einen Umsatz von rund 169 Millionen Euro vorweisen konnte. Total Energies erzielte 2024 einen Umsatz von etwa 505 Millionen Euro und belegte damit Platz 156 der Rangliste. Gleichzeitig wies Total Energies einen Gewinn von rund 741 Millionen Euro aus, womit das Unternehmen den neunten Platz unter den höchsten Unternehmensgewinnen Dänemarks einnahm.

Trotz des gestiegenen Umsatzes von Ineos, das unter der Leitung von Sir Jim Ratcliffe, Miteigentümer von Manchester United, steht, fällt die Bilanz gemischt aus. Das Unternehmen schloss das Jahr 2024 mit einem Vorsteuerverlust von etwa 169 Millionen Euro ab. Laut Ineos resultierte der Rückgang vor allem aus Abschreibungen auf die Felder Syd Arne und Siri aufgrund niedrigerer als erwarteter Reserven. Dies verdeutlicht, dass hohe Umsätze nicht automatisch zu hohen Gewinnen führen und dass die Förderung in der Nordsee weiterhin mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Hinzu kommen steigende Betriebskosten und sinkende Ölpreise, die die Rentabilität zusätzlich belasten und Ineos zu einem der Verlierer des Jahres 2024 in der Region machten.

Ausländische Kontrolle über dänisches Öl

Dass heute ausländische Unternehmen Milliarden mit dänischem Öl umsetzen, geht auf Entscheidungen aus dem Jahr 2017 zurück. Dong Energy verkaufte damals seine gesamte Ölgeschäftssparte an Ineos für rund 1,04 Milliarden Euro, um sich stärker auf grüne Energie zu konzentrieren. Im selben Jahr veräußerte A.P. Møller-Mærsk seine Öl- und Gasaktivitäten an Total Energies für über 5,85 Milliarden Euro. Mit diesen Verkäufen zogen sich Dong und Mærsk weitgehend aus der Nordsee zurück, sodass das dänische Engagement auf ein Minimum reduziert wurde. Der Staat profitiert weiterhin von Einnahmen durch die Nordseefondsgesellschaft, die 20 Prozent an zwölf Feldern hält, sowie über Steuern und Abgaben. Die eigentliche Förderung liegt jedoch in den Händen weniger Akteure, wobei ein britischer Milliardär aus dem Fußballgeschäft und ein französisches Ölunternehmen die größten Player sind. Diese Entwicklung zeigt, wie nationale Ressourcen zunehmend in internationale Hände geraten, während der Staat weiterhin Einnahmen erzielt, aber die Kontrolle über die Förderung reduziert wurde.

Ineos als Verlierer der Nordsee

Die Bilanz der dänischen Tochtergesellschaft von Ineos vermittelt zunächst ein positives Bild, da das Unternehmen von einer Steigerung der Öl- und Gasproduktion um 72 Prozent berichtet. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch erhebliche Probleme, die den Gewinn stark belasten. 2021 erwarb Ineos das Öl- und Gasfeld Syd Arne von dem amerikanischen Unternehmen Hess, das über Jahre Verluste auf dem Feld verzeichnete. Während Hess rote Zahlen schrieb, sah Ineos das Feld als Chance, die letzten Reserven zu fördern. Diese Strategie war jedoch nicht erfolgreich. Syd Arne konnte nur geringe Mengen fördern, was zu Abschreibungen von rund 114 Millionen Euro führte. Auch das Siri-Gebiet, bestehend aus mehreren kleineren Plattformen, musste 2024 mit etwa 35 Millionen Euro abgeschrieben werden. Zusätzlich belasteten niedrigere Ölpreise und gestiegene Betriebskosten die Rentabilität. Insgesamt betreibt Ineos neun aktive Öl- und Gasfelder in der dänischen Nordsee, und die Probleme auf mehreren Feldern verdeutlichen die Risiken einer Investition in diesen Sektor.

Total Energies: Gewinne trotz sinkender Umsätze

Bei Total Energies ergibt sich ein anderes Bild. Der Umsatz ging im Vergleich zu 2022 fast um die Hälfte zurück, was vor allem auf die Renovierung des großen Gasfeldes Tyra zurückzuführen ist. Dennoch erzielte das Unternehmen 2024 einen Gewinn von rund 754 Millionen Euro, 4,5 Milliarden DKK über den eigenen Erwartungen. Dieser Erfolg ist insbesondere auf Einnahmen aus dem alten Mærsk-Feld in Algerien zurückzuführen, das 2023 rund 559 Millionen Euro an die dänische Tochtergesellschaft überwies. Nach Vorlage des Jahresabschlusses wurden insgesamt, 829 Millionen Euro an das Mutterunternehmen in Paris weitergeleitet. In Dänemark setzt Total Energies weiterhin auf das Gasfeld Tyra, das nach fünf Jahren umfassender Sanierung im März 2024 wieder in Betrieb genommen wurde. Die Produktion erreicht jedoch noch nicht das volle Niveau, was sich auch 2024 negativ auf die Ergebnisse auswirkte. Die Bilanz zeigt, dass trotz sinkender Umsätze internationale Ölkonzerne weiterhin stabile Gewinne erzielen können, wenn ihre globalen Aktivitäten gut gesteuert werden.

Entwicklungen in der dänischen Nordsee verdeutlichen, dass nationale Ölressourcen zunehmend von internationalen Konzernen kontrolliert werden. Für Deutschland zeigt dies, wie wichtig strategische Autarkie und Investitionen in Energiesicherheit sind. Während deutsche Unternehmen nur indirekt über Energieimporte profitieren, kann eine Beteiligung an solchen Projekten oder langfristige Investitionen in stabile Energiequellen die Position Deutschlands auf dem europäischen Energiemarkt stärken. Gleichzeitig wird deutlich, dass eine Balance zwischen nationalen Interessen, globalen Investoren und strategischer Kontrolle über Ressourcen entscheidend ist, um langfristige Stabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

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