Wirtschaft

Chinas Wirtschaft verlangsamt sich weiter – Regierung prüft Kursanpassungen

Das Wirtschaftswachstum in China hat sich im dritten Quartal auf 4,8 Prozent abgeschwächt, nach 5,4 Prozent und 5,2 Prozent in den beiden vorangegangenen Quartalen. Experten hatten mit einem Rückgang auf 4,7 Prozent gerechnet. Vor diesem Hintergrund berät die Kommunistische Partei über mögliche wirtschaftspolitische Maßnahmen.
20.10.2025 16:57
Lesezeit: 2 min
Chinas Wirtschaft verlangsamt sich weiter – Regierung prüft Kursanpassungen
Menschen kaufen in einem Supermarkt in der Stadt Binzhou in der ostchinesischen Provinz Shandong ein. Die chinesische Wirtschaft kämpft mit Immobilienkrise und verhaltener Konsumstimmung (Foto: dpa). Foto: Chen Bin

Immobilien- und Konsumkrise

Ökonomen machen für den nachlassenden Schwung vor allem anhaltende Probleme im Inland verantwortlich, etwa die Immobilienkrise und eine verhaltene Konsumstimmung. Der Export bleibt eine wichtige Stütze. Doch die Handels-Spannungen mit Washington drücken auf die Stimmung.

Ein Sprecher des Statistikamts erklärte, dass sich die Wirtschaft in einem schwierigen Umfeld behauptet habe: Sie habe "dem Druck standgehalten und schwer errungene Fortschritte erzielt".

Wichtiges Treffen beginnt in Peking

Fachleute verweisen darauf, dass das Wachstum zu einem nicht unerheblichen Teil von staatlich finanzierten Investitionen getragen wird. Auffällig ist dabei, dass trotz einer immer noch relativ hohen Wachstumsrate die Preise sinken. Eine solche Deflation gilt als Zeichen für Zurückhaltung der Verbraucher und Überkapazitäten in der Industrie. Für das Gesamtjahr hat China ein Wachstumsziel von rund fünf Prozent festgelegt.

Weitere am Montag veröffentlichte Konjunkturdaten zeichneten ein durchwachsenes Bild. So fiel im September das Umsatzwachstum im Einzelhandel mit drei Prozent im Jahresvergleich so niedrig aus wie zuletzt im November. Zudem kam es bei den seit Jahresbeginn erfassten Investitionen in Sachanlagen außerhalb der Landwirtschaft zum ersten Mal seit 2020 zu einem Rückgang im Jahresvergleich. Die Produktion der Industriebetriebe aber stieg im abgelaufenen Monat im Vergleich zum September 2024 unerwartet und deutlich. "Das Wachstum in China verlangsamt sich, allerdings mit enormen Unterschieden", sagte Ning Zhang, leitender Ökonom für das Land bei der Bank UBS.

Die neuen Konjunkturdaten wurden am selben Tag veröffentlicht, an dem sich in Peking das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei trifft. Auf dem sogenannten vierten Plenum sollen bis Donnerstag die wirtschaftlichen Leitlinien für die kommenden Jahre festgelegt werden. Diese münden schließlich in einen neuen Fünfjahresplan, der im März auf dem Volkskongress verabschiedet werden soll.

Technologische Eigenständigkeit im Fokus

Die derzeitigen Herausforderungen deuteten darauf hin, dass der Schwerpunkt des neuen Fahrplans weiter "auf wirtschaftlicher und technologischer Eigenständigkeit und Führungsanspruch" liegen werde, so eine Einschätzung des China-Instituts Merics in Berlin.

Innovation und Versorgungssicherheit in strategischen Branchen stünden für die Parteiführung stärker im Vordergrund als Maßnahmen zur Stärkung der Einkommen und zur Förderung des Konsums. Das sind jedoch Themen, die in der Planung auch eine wichtige Rolle spielen dürften.

Neue Zukunftsbranchen aufbauen

Peking hatte bereits die letzten beiden Fünfjahrespläne genutzt, um strategische Branchen gezielt voranzubringen. Die Führung sieht sich in dieser Strategie bestätigt, seit Washington zunehmend aggressiv gegen Chinas Technologiebranche vorgeht.

Nun dürfte Peking nachlegen und weitere Schritte beschließen, um die technologische Unabhängigkeit voranzutreiben. Wie bereits etwa bei Elektroautos und erneuerbaren Energien könnte China so in weiteren Zukunftsbranchen Weltmarktführer formen.

So habe China bereits weltweit den höchsten Anteil am Abbau von seltenen Erden und sei führend in der Weiterverarbeitung, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. China werde auch gegenüber der europäischen Politik die Karte "seltene Erden" spielen und diese unter Druck setzen, um Importzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge zu senken.

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