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Kontrolle von Krankschreibungen: Wie Unternehmen Fehlzeiten effektiv prüfen

Die Kontrolle von Krankschreibungen wird für Unternehmen zunehmend wichtiger, um Fehlzeiten und Missbrauch effektiv zu managen. Doch wie erkennen Arbeitgeber, wann eine Krankmeldung tatsächlich gerechtfertigt ist und wann sie für private Zwecke genutzt wird?
12.11.2025 13:34
Aktualisiert: 12.11.2025 14:34
Lesezeit: 4 min
Kontrolle von Krankschreibungen: Wie Unternehmen Fehlzeiten effektiv prüfen
Effektive Kontrolle von Krankschreibungen hilft Unternehmen, Missbrauch zu erkennen und Fehlzeiten gezielt zu reduzieren (Foto: dpa)

Kontrolle von Krankschreibungen: Wie Firmen Abwesenheiten überprüfen können

Bernarda Škrabar Damnjanović ist Detektivin und Geschäftsführerin der Detektiv- und Sicherheitsagentur. Ihr Unternehmen ist auf Unternehmensuntersuchungen und die Kontrolle von Krankschreibungen spezialisiert. In fast zwei Jahrzehnten Tätigkeit hat ihr Team vor Ort zahlreiche Fälle erlebt.

Wir sprachen mit ihr über die Erkenntnisse aus Kontrollen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei Krankmeldungen, typische Muster, Zeitpunkte mit den meisten Verstößen, wer die Täter sind und auf welche besonders dreisten Fälle sie gestoßen sind.

Die Auftraggeber ihres Unternehmens sind überwiegend mittelständische und große Unternehmen aus Produktion, Logistik, Bauwesen, Handel, Gesundheitswesen und Dienstleistungen. Gelegentlich arbeitet die Agentur auch mit öffentlichen Institutionen zusammen, darunter Gemeinden, staatliche Einrichtungen und Gesundheitseinrichtungen.

Diese Auftraggeber haben erkannt, dass Missbrauch von Krankmeldungen auch eine Form ineffizienter Verwaltung öffentlicher Mittel darstellt. Immer mehr verantwortungsbewusste Arbeitgeber setzen daher nicht nur auf Kontrollen, sondern auf umfassende Programme zur Abwesenheitsbewältigung, die Beratung, Reorganisation und Prävention beinhalten.

Erste Erkenntnisse zur Kontrolle von Krankschreibungen

Am häufigsten stellt das Team fest, dass Arbeitnehmer ihren Wohnort ohne ärztliche Genehmigung verlassen, Erwerbsarbeit ausüben oder körperlichen Aktivitäten nachgehen, die nicht mit der Diagnose vereinbar sind. Dazu zählen Sport, Bauarbeiten, Weinlese oder Reisen während der Krankmeldung.

In seltenen Fällen arbeiten Beschäftigte sogar für die Konkurrenz, was als wirtschaftlicher Betrug gilt. Zwischen den Sektoren zeigen sich Unterschiede: Im privaten Bereich dominiert ein finanzielles Motiv, etwa Schwarzarbeit oder selbstständige Tätigkeiten während der Krankmeldung.

Im öffentlichen Sektor hingegen sind psychische oder soziale Gründe häufiger, wie Burnout, Konflikte oder Stress. Diese Unterschiede spiegeln die verschiedenen Anreize und Belastungen in den einzelnen Branchen wider.

Saisonale Spitzen und Kurzzeiterkrankungen

Die Kontrollen zeigen deutliche saisonale Muster. Besonders häufig werden sie rund um Feiertage, nach Urlauben sowie im Herbst und Frühling durchgeführt, wenn saisonale Arbeiten wie Weinlese oder Feldarbeiten anstehen. In den letzten Jahren zeigt sich ein Trend zu kurzfristigen Krankmeldungen direkt vor oder nach dem Urlaub, oft aus Stress oder Erschöpfung, um die Freizeit zu verlängern.

Auch Krankmeldungen an Wochenenden sind verbreitet, um einen „Mini-Urlaub“ zu schaffen. Ein Anstieg der Abwesenheiten tritt zudem bei Umstrukturierungen oder personellen Veränderungen auf, bedingt durch Unsicherheit oder Angst vor der Zukunft.

Dreiste Missbrauchsfälle bei Krankmeldungen

Die Bandbreite der beobachteten Fälle ist groß. Beispiele reichen von einem Arbeitnehmer, der während der Krankmeldung einem Nachbarn beim Hausbau half, über Reisen nach Ägypten oder Skiurlaube im Ausland, bis zu einem Mitarbeiter, der während seiner Krankmeldung eine Hausfassade errichtete.

In einem weiteren Fall arbeitete ein Angestellter für die Konkurrenz, ein anderer unternahm eine Pilgerreise auf einen anderen Kontinent. Ein Vater baute während einer ärztlich diagnostizierten Schulterverletzung ein Baumhaus für sein Kind. Die Erfahrungen zeigen die Vielfalt der Abweichungen vom Krankheitsstatus.

Ein typisches Täterprofil gibt es nicht. Betroffene können jung oder alt, städtisch oder ländlich, hoch- oder niedrig gebildet sein. Gemeinsam ist meist ein bestimmtes Verhaltensmuster: wiederkehrende Kurzzeiterkrankungen, Krankmeldungen an Freitagen und Montagen, Vermeidung von Kommunikation und Leugnung der Probleme.

Ärztliche Rolle und gesetzliche Rahmenbedingungen

Ärzte spielen eine zentrale Rolle im System. Die Mehrheit handelt gewissenhaft, doch Unterschiede entstehen durch Patientendruck oder Zeitmangel. Eine konsequente Dokumentation der ärztlichen Anweisungen schafft rechtliche Sicherheit und klare Vorgaben für alle Beteiligten.

Änderungen in den Vorschriften, die konkrete Handlungsanweisungen während der Krankmeldung verlangen, könnten zu faireren Prozessen führen. Die Daten zeigen, dass bei etwa sechs Prozent der zufälligen Kontrollen Verstöße bestätigt werden. Bei gezielten Untersuchungen mit konkreten Hinweisen liegt die Quote zwischen 25 und 30 Prozent.

Auch wenn kein Missbrauch nachgewiesen wird, hat die Arbeit der Detektive einen präventiven Wert, da sie Zweifel beseitigt, Konflikte im Team reduziert und Vertrauen in die Fairness des Systems stärkt. Die Kontrolle von Krankschreibungen wirkt somit auch präventiv auf die Unternehmenskultur.

Abwesenheitsprobleme in Slowenien

Slowenien leidet unter einer hohen Abwesenheitsrate und entsprechend vielen verlorenen Arbeitstagen. Die Gründe sind vielfältig. Demografische Veränderungen führen zu mehr chronischen Krankheiten und längeren Krankheitszeiten.

Lange Wartezeiten für Diagnosen und Therapien verlängern die Abwesenheit. Verzögerte Verfahren bei Invaliditätsfällen halten Arbeitnehmer ebenfalls länger vom Arbeitsplatz fern. Gleichzeitig kommt es zu Missbrauch von Krankmeldungen für private Zwecke, Reisen oder Schwarzarbeit.

Die Herausforderung liegt sowohl in der Krankheit als auch in der ineffizienten Verwaltung der Krankheitsabwesenheiten. Ein ganzheitlicher Ansatz ist notwendig: schnellere medizinische Versorgung, transparentere Verfahren und mehr Verantwortlichkeit aller Beteiligten.

Detektivische Methoden und Kontrolle von Krankschreibungen

Detektive handeln auf Basis schriftlicher Aufträge der Auftraggeber, wobei Zweck, Gegenstand und Befugnisse klar definiert sind. Sie dürfen beobachten, Informationen sammeln und Bildmaterial von öffentlichen Orten dokumentieren, jedoch nicht private Räume betreten oder verdeckte Technik einsetzen.

Auch grenzüberschreitende Kontrollen gehören zu ihren Aufgaben. Detektive haben keinen Zugriff auf Krankengeschichten, können aber unter Auftrag des Arbeitgebers Informationen zu erlaubten Aktivitäten während der Krankmeldung einholen. Die erfassten personenbezogenen Daten werden ausschließlich im gesetzlich zulässigen Umfang verarbeitet.

Es gibt zwei Hauptformen der Kontrolle: die Überprüfung der Anwesenheit zu Hause sowie eine mehrtägige Beobachtung, wenn konkrete Hinweise auf Missbrauch bestehen. Die Kombination beider Methoden ist häufig am effektivsten.

Kosten und Nutzen der Kontrollen

Detektivberichte enthalten detaillierte Beschreibungen und Bildmaterial und können rechtlich als Beweismittel genutzt werden, falls gesetzeskonform gesammelt. Arbeitgeber nutzen diese Berichte für arbeitsrechtliche Maßnahmen. Die Kosten hängen vom Aufwand ab, etwa, ob ein einmaliger Besuch oder eine mehrtägige Beobachtung erfolgt, wie viele Personen beteiligt sind und ob die Kontrolle im Inland oder Ausland stattfindet.

Im Durchschnitt kosten die meisten Kontrollen einige hundert bis mehrere tausend Euro. Die Investition lohnt sich, da Missbrauch verhindert und unrechtmäßige Kosten reduziert werden. Eine Kontrolle von Krankschreibungen ist somit langfristig wirtschaftlich sinnvoll.

Welche Lehren Deutschland daraus ziehen kann

Die Erfahrungen aus Slowenien zeigen, dass ein effektives Abwesenheitsmanagement wirtschaftlich und organisatorisch relevant ist. Auch in Deutschland könnte der gezielte Einsatz von Kontrollen und Präventionsprogrammen helfen, Fehlzeiten zu reduzieren, Vertrauen im Team zu stärken und Kosten für Unternehmen und Sozialkassen zu senken.

Wichtig ist, dass rechtliche Rahmenbedingungen, ärztliche Richtlinien und transparente Prozesse klar definiert sind. Die Kontrolle von Krankschreibungen verhindert Missbrauch, während echte Krankheitsfälle angemessen berücksichtigt werden.

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