Wirtschaft

"Wirtschaftsweise": Auch 2026 kein spürbarer Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft kommt auch 2026 kaum voran. Der Sachverständigenrat warnt vor fehlendem Aufschwung, kritisiert den Einsatz des Sondervermögens und fordert Reformen bei der Erbschaftsteuer. Für Unternehmen bedeutet das strategische Entscheidungen bei Investitionen, Steuerplanung und Innovationsförderung. Wer frühzeitig handelt, sichert sich Wettbewerbsvorteile und Zukunftsfähigkeit.
12.11.2025 15:01
Lesezeit: 2 min

Konjunkturprognosen für 2026

Die "Wirtschaftsweisen" erwarten auch im kommenden Jahr keinen breit angelegten Aufschwung in Deutschland. Der Sachverständigenrat korrigierte seine Erwartungen für 2026 leicht nach unten und rechnet nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent. Im Frühjahr hatten die Ökonomen für 2026 ein Plus von 1,0 Prozent erwartet. Die Bundesregierung kalkuliert mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Für das laufende Jahr prognostizieren die Experten ein Plus von 0,2 Prozent. Deutschland befinde sich weiterhin in einer Schwächephase, betonen die "Wirtschaftsweisen".

Strukturelle Herausforderungen der deutschen Wirtschaft

Die deutschen Wirtschaftsverbände sehen zahlreiche strukturelle Probleme: hohe Energiepreise im internationalen Vergleich, steigende Sozialabgaben und zu viel Bürokratie hemmen Wachstum und Investitionen.

Reformbedarf bei der Erbschaftsteuer

Die "Wirtschaftsweisen" sprechen sich für eine Reform der Erbschaftsteuer aus. Verschiedene Vermögensarten werden bisher bei Erbschaften und Schenkungen ungleichmäßig besteuert, Betriebsvermögen wird stark begünstigt. Ratsmitglied Veronika Grimm hält diese Position für teilweise problematisch. Der Rat empfiehlt, die Verschonungsregelungen deutlich einzuschränken, um Verzerrungen zu vermeiden.

Schuldenpolitik und Sondervermögen unter der Lupe

Das Jahresgutachten des Sachverständigenrats liest sich wie eine deutliche Kritik an der Schuldenpolitik der schwarz-roten Bundesregierung. Hatten die Wirtschaftsweisen im Frühjahr noch auf Chancen des schuldenfinanzierten Finanzpakets verwiesen, zeigen sie sich nun enttäuscht: Weniger als die Hälfte der Ausgaben aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität lasse sich als "zusätzlich" klassifizieren. Dies beeinflusst Wachstum und die Schuldenquote negativ.

In ihrem Gutachten warnen die Experten vor einem falschen Umgang mit dem Sondervermögen (SVIK). Ratsvorsitzende Monika Schnitzer erklärt: "Die Chancen, die sich aus dem Sondervermögen ergeben, dürfen nicht verspielt werden". Das milliardenschwere Programm soll zusätzliche Investitionen in Zukunftsbereiche ermöglichen, ersetzt aber vielfach bestehende Ausgaben.

"Weniger als die Hälfte der Mittel fließt in tatsächlich zusätzliche Investitionen", heißt es im Bericht. Nur rund 98 Milliarden Euro bis 2030 seien nach Einschätzung des Rats als zusätzlich zu bewerten. Damit bleibt der positive Effekt auf das Wachstum begrenzt. Der Rat fordert, die Vorgaben zur Zusätzlichkeit gesetzlich zu verankern und die Kontrolle der Mittelverwendung zu verbessern. Konsumtive Ausgaben, etwa für die Mütterrente oder höhere Pendlerpauschalen, dürften nicht finanziert werden. Zudem betont der Rat: "Würden die Mittel aus dem Sondervermögen vollständig zusätzlich und investitionsorientiert eingesetzt, hätte dies deutlich stärkere Auswirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum als beim aktuell geplanten Ausgabenpfad".

Unternehmensperspektive: Chancen für Investoren und Entscheider

Unternehmer sollten die schwache Wachstumsprognose als Signal für strategische Investitionen sehen. Laut der Pressemitteilung des Sachverständigenrats 2025 könnte die geringe Wirkung des Sondervermögens durch gezielte, investitionsorientierte Mittelverwendung deutlich gesteigert werden. Unternehmen, die in digitale Infrastruktur, klimafreundliche Produktion und Innovationen investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile.

Der Rat empfiehlt zudem Steuerreformen, die Investitionsentscheidungen neutral gestalten. Eine gleichmäßigere Besteuerung von Vermögensarten und die Stundung von Steuerlasten können die Liquidität von Betrieben stärken. Die jüngst beschlossene Senkung der Unternehmensteuern verspricht einen moderaten Anstieg von BIP und Investitionen. Hohe Energiepreise, steigende Sozialabgaben und Bürokratie bleiben jedoch Belastungen. Unternehmer sollten Kostenstrukturen prüfen, Supply-Chain-Risiken absichern und Investitionen strategisch priorisieren.

Die stärkere Integration des europäischen Binnen- und Kapitalmarktes eröffnet weitere Chancen, zum Beispiel durch koordinierte Beschaffung von Verteidigungsgütern und Förderung gemeinsamer Innovationen. Wer frühzeitig auf diese Impulse reagiert, stärkt die Widerstandsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens.

Der Sachverständigenrat: Aufbau und Aufgaben

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung besteht aus fünf unabhängigen Expertinnen und Experten. Das Gremium berät die Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen und legt jährlich ein Gutachten vor, das Konjunktur, Finanzpolitik und Reformbedarf bewertet. Seine Einschätzungen gelten als wichtiger Kompass für die politische und wirtschaftliche Debatte.

Dem Rat gehören Monika Schnitzer (Vorsitzende), Veronika Grimm, Ulrike Malmendier, Achim Truger und Martin Werding an. Sie werden auf Vorschlag der Bundesregierung vom Bundespräsidenten für fünf Jahre ernannt.

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