Verkäufe und Einsätze gegen KI-Unternehmen an den US-Börse
Investoren wurden aufmerksam, als prominente Akteure sich aus den heißesten KI-Aktien zurückzogen. Gleichzeitig sorgte Warren Buffetts Unternehmen für Aufsehen, indem es im Technologiesektor aktiv wurde.
Die Mitte eines Quartals ist traditionell die Zeit, um die Strategien der größten Marktteilnehmer der vergangenen Monate zu analysieren. An den US-Börsen müssen bedeutende Investoren ihre Bestände bei der Securities and Exchange Commission offenlegen. Dazu dient das Formular 13F, das innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende einzureichen ist.
Buffetts Entscheidungen an den US-Börsen
Berkshire Hathaway sorgte durch eine deutliche Positionierung im Technologiesektor für Aufmerksamkeit. Im dritten Quartal erwarb das Unternehmen Aktien der Google-Muttergesellschaft Alphabet im Wert von rund 4,3 Milliarden US-Dollar.
Die neue Beteiligung wurde sofort zur zehntgrößten Position im Portfolio. Marktteilnehmer vermuten, dass dieser Schritt eher auf Buffetts Mitarbeiter zurückgeht, da der Investor selbst kurz vor seinem Abschied steht. Die Nachricht ließ den Kurs der Alphabet-Aktie um etwa sechs Prozent steigen.
Lange Zeit hatte Buffett Technologiewerte gemieden, da er nur in Unternehmen investieren wollte, die er vollständig versteht. Ein Durchbruch gelang ihm mit dem späten, aber profitablen Einstieg in Apple.
Diese Position, die zeitweise fast die Hälfte des gesamten Portfolios ausmachte, wurde im Quartal reduziert. Trotz der Verkäufe bleibt Apple die größte Einzelposition und steht weiterhin für fast ein Viertel des Portfolios.
Portfolioanpassungen bei Berkshire Hathaway
Auch die Investitionen im US-Bankensektor wurden weiter reduziert. Einst prägten Banktitel viele der Top-Ten-Positionen, diesmal setzte Berkshire den Verkauf von Bank of America-Papieren fort.
Gestärkt wurde die Beteiligung am Versicherer Chubb Limited. Vollständig aufgegeben wurden die Aktien des Hausbauers D. R. Horton. Gleichzeitig kaufte Berkshire Aktien des Konkurrenten Lennar Corp. Trotz der neuen Investition in Alphabet bleibt Berkshire Hathaway ein Nettoverkäufer. Im Quartal wurden Aktien im Wert von 6,1 Milliarden US-Dollar abgestoßen.
Die wachsende Zurückhaltung zeigt sich im Rekordstand der Barmittel, die mittlerweile 382 Milliarden US-Dollar erreichen. Kürzlich kaufte das Unternehmen das Chemiegeschäft von Occidental Petroleum für 9,7 Milliarden US-Dollar sowie ein Aktienpaket der UnitedHealth Group für 1,6 Milliarden US-Dollar.
Burrys Wette gegen KI-Übertreibungen an den US-Börsen
Michael Burry, bekannt aus The Big Short, sorgte über seine Investmentgesellschaft Scion Asset Management für Aufmerksamkeit, indem er gegen überhitzte KI-Aktien an den US-Börsen setzte. Im dritten Quartal erwarb Scion Put-Optionen auf Palantir Technologies. Diese steigen im Wert, wenn der Aktienkurs fällt. Zum Quartalsende machten diese Optionen zwei Drittel des Portfolios aus.
Palantir-Chef Alex Karp kritisierte, dass Burry im Kern gegen künstliche Intelligenz an sich wettet. Zudem wurden Put-Optionen auf Nvidia erworben. Burry wirft großen Server-Infrastruktur-Unternehmen vor, Abschreibungen zu manipulieren, um Gewinne künstlich zu erhöhen.
Seiner Ansicht nach sollten große Hardware-Investitionen mit zwei- bis dreijährigem Zyklus nicht zu verlängerten Abschreibungsdauern führen. Genau dies hätten jedoch alle großen Hyperscaler getan, die massiv in Serverkapazitäten investieren.
Burry hob besonders Oracle und Meta Platforms hervor. Deren Gewinne könnten bis 2028 um 27 beziehungsweise 21 Prozent künstlich aufgebläht wirken. In den kommenden Monaten bleibt unklar, welche Schritte Burry an den US-Börsen unternimmt, da er seinen Fonds abgemeldet hat.
Thiel Macro und Umschichtungen im Tech-Sektor
Auch die Aktivitäten des Hedgefonds Thiel Macro LLC werfen ein Schlaglicht auf KI-Aktien. Der Fonds gehört Tech-Investor Peter Thiel. Im dritten Quartal verkaufte Thiel Macro sämtliche Nvidia-Aktien. Gleichzeitig signalisiert dies keinen Ausstieg aus dem KI-Sektor. Thiels Venture-Fonds Founders Fund investiert weiter in Unternehmen wie OpenAI, Substrate, Mercor und Cognition AI.
Thiel Macro kaufte im gleichen Zeitraum umfangreich Microsoft- und Apple-Aktien. Die größte Position des Portfolios bleibt Tesla mit 39 Prozent. Mit Tesla-Chef Elon Musk gründete Thiel einst PayPal.
Die restlichen beiden Positionen bestehen aus Microsoft- und Apple-Aktien. Die Verkäufe von Thiel Macro belasteten zeitweise die Stimmung gegenüber Nvidia. Zudem verkaufte der japanische Konzern SoftBank im Oktober Nvidia-Aktien. Analysten betonen, dass dies nicht als Vertrauensverlust zu werten ist, sondern der Liquiditätsbeschaffung für neue KI-Investitionen an den US-Börsen dient.
Globale Trends und Relevanz für Deutschland
Für deutsche Investoren liefert diese Entwicklung wichtige Hinweise. Die Bewegungen großer US-Investoren an den US-Börsen zeigen Unsicherheiten im KI-Segment, obwohl langfristige Wachstumsperspektiven bestehen.
Technologiewerte erhalten weiterhin Kapitalzuflüsse, während klassische Branchen wie Versicherungen oder Energie wieder stärker ins Blickfeld rücken. Für deutsche Anleger bedeutet dies, die Bewertung von KI-Titeln und deren Zyklizität kritisch zu prüfen. Zugleich gewinnt die Frage an Bedeutung, welche europäischen Unternehmen langfristig von den globalen Kapitalströmen an den US-Börsen profitieren können.


