Offene Frage zur OpenAI-Bilanz: Wer prüft die Abschlüsse von OpenAI
Der US-Konzern OpenAI steht wegen seiner ehrgeizigen Investitionspläne zunehmend im Fokus. In den vergangenen Tagen sorgte dabei eine zentrale Frage für Aufmerksamkeit: Wer prüft eigentlich die Finanzberichte des Unternehmens. Aufgeworfen wurde sie vom prominenten Shortseller Michael Burry. Die Financial Times berichtete später unter Berufung auf mehrere Quellen, dass die Prüfungsgesellschaft Deloitte zuständig sei.
Michael Burry attackiert Geschäftsmodelle und fragt nach dem Prüfer
Michael Burry, der die Finanzkrise von 2008 korrekt vorhergesagt hatte, kritisierte auf der Plattform X die Geschäftsstrukturen großer KI-Konzerne. Unter ein Diagramm zu zirkulären Geschäftsbeziehungen rund um Nvidia und OpenAI schrieb er, viele beteiligte Firmen würden Einnahmen auf fragwürdige Weise ausweisen. Aus seiner Sicht sei die reale Endkundennachfrage gering und zahlreiche Käufer würden weitgehend durch ihre Partner finanziert.
Zugleich forderte er seine Follower heraus, innerhalb einer Stunde zu benennen, wer OpenAI prüft. Damit lenkte er die Aufmerksamkeit auf ein Detail, das im Zusammenhang mit den wachsenden finanziellen Verpflichtungen des Unternehmens und der Glaubwürdigkeit der OpenAI-Bilanz zunehmend relevant wird.
Aufgaben und Bedeutung einer Wirtschaftsprüfung
Wirtschaftsprüfer sollen feststellen, ob die Finanzberichte eines Unternehmens korrekt, vollständig und im Einklang mit geltenden Standards sind. Sie müssen unabhängig beurteilen, ob die finanzielle Situation richtig dargestellt wird und evaluieren verwendete Bilanzierungsrichtlinien sowie interne Kontrollmechanismen.
Die Frage nach OpenAIs Prüfer gewinnt weiter an Bedeutung, weil das Unternehmen laut Financial Times in den kommenden zehn Jahren rund 1,4 Billionen Dollar in Rechenzentren investieren will. Gleichzeitig ist OpenAI Teil komplexer finanzieller Vereinbarungen zwischen Nvidia, Microsoft, Oracle, CoreWeave und Amazon. Auch diese Struktur stellt hohe Anforderungen an die Transparenz einer konsistenten OpenAI-Bilanz.
Quellen der FT: Deloitte prüft OpenAI
Da OpenAI nicht börsennotiert ist, muss das Unternehmen offiziell nicht offenlegen, wer die Abschlüsse prüft. Diese Transparenz wäre erst im Fall eines Börsengangs verpflichtend. Dennoch recherchierte der FT-Blog Alphaville intensiv und kam nach Gesprächen mit mehreren informierten Quellen zu dem Schluss, dass Deloitte als Prüfer für OpenAI in den USA tätig ist.
Vor der Aktualisierung des Berichts hatte die FT bereits darauf hingewiesen, dass Deloitte Microsoft prüft, PwC Nvidia und EY Oracle. Besorgniserregend wäre es daher, wenn OpenAI von einem Unternehmen geprüft würde, das gleichzeitig Produkte oder Dienstleistungen auf Basis der eigenen Technologie verkauft, was Zweifel an der Objektivität der Bewertung der OpenAI-Bilanz hervorrufen könnte.
Interessenkonflikte in der KI-Branche
Nach Darstellung der FT vertreiben sowohl EY als auch KPMG Produkte, die auf Microsoft Azure und OpenAI-Werkzeugen basieren. PwC ist seit Anfang des Jahres der erste große Weiterverkaufspartner von OpenAI und nutzt ChatGPT aktiv in seinen Prüfungs- und Steuerdienstleistungen.
Deloitte verwendet OpenAI-Produkte zwar intern, scheint sie aber nicht weiterzuverkaufen. Stattdessen arbeitet das Unternehmen enger mit dem Konkurrenten Anthropic zusammen. Diese Konstellation zeigt, dass potenzielle Interessenkonflikte innerhalb der KI-Branche eng mit der Ausgestaltung und Glaubwürdigkeit einer nachvollziehbaren OpenAI-Bilanz verknüpft sind.
Schwächen bei Deloitte: Der Australien-Skandal
Zeitgleich steht Deloitte in Australien unter Druck. Ein rund 240 Seiten umfassender Bericht für die dortige Regierung, der etwa 250.000 Euro kostete, enthielt gravierende Fehler, die auf den Einsatz von KI zurückgeführt wurden.
Zu den Problemen gehörten erfundene wissenschaftliche Quellen und falsch zitierte Gerichtsurteile. Zudem hatte Deloitte nicht offengelegt, dass KI-Modelle bei der Erstellung genutzt wurden, was das Vertrauen in die Qualität der Arbeit belastete. Das Unternehmen erstattete einen Teil seines Honorars, hält aber weiterhin an den Empfehlungen fest.
Kritik an Burry: Vorwurf des gekränkten Investors
Auf X widersprachen einige Beobachter Burrys Vorstoß. Ein Beitrag des Investmentdienstes Pivot Point Investing deutete an, Burry thematisiere die Prüferfrage nur, weil er mit seiner Wette gegen Nvidia falschlag. OpenAI verteidigte man damit, dass private Firmen ihre Prüfer nicht öffentlich nennen müssen und dies erst bei einem Börsengang verpflichtend werde.
Der Kommentar betonte außerdem, dass Nvidia hohe Gewinne erzielt habe und CEO Jensen Huang Burrys Short-Position durch die Erklärung der verlängerten Nutzungsdauer von CUDA-basierter Hardware faktisch entwertet habe.
Burry weitet Kritik auf Abschreibungsregeln aus
Kurz darauf wandte sich Burry erneut an X, diesmal zur Abschreibungspraxis großer KI-Unternehmen. Er kritisierte die Annahme, dass sich die Nutzungsdauer verlängere, nur weil ältere Chips weiterhin stark ausgelastet seien. Aus seiner Sicht sei die physische Nutzung nicht mit dem wirtschaftlichen Nutzen gleichzusetzen.
Zur Veranschaulichung verwies er auf Fluggesellschaften, die ältere Flugzeuge für saisonale Spitzen vorhalten, obwohl diese kaum profitabel seien. Ähnlich argumentierte er bei Grafikkarten: Modelle wie Nvidias A100 verbrauchten deutlich mehr Energie pro Rechenleistungseinheit. Steigende Stromkosten machten sie aus seiner Sicht nur bedingt rentabel.
Offene Debatte um Risiken eines möglichen KI-Booms
Die Diskussion dürfte sich weiter verschärfen, da OpenAI, Nvidia und weitere Unternehmen tief in ein komplexes KI-Netzwerk eingebunden sind. Beobachter spekulieren bereits, ob sich rund um die Branche eine Blase bildet und welche Rolle unabhängige Prüfungen sowie belastbare Finanzberichte wie die OpenAI-Bilanz dabei spielen.
Deutsche Perspektive auf Transparenz und Technologie
Für Deutschland zeigt die Debatte um die OpenAI-Bilanz, wie eng technologische Abhängigkeiten, Investitionsentscheidungen und verlässliche Finanzinformationen miteinander verknüpft sind. Unternehmen, die KI-Infrastruktur einsetzen oder Rechenzentren aufbauen, sind auf transparente und glaubwürdige Prüfungen angewiesen. Eine robuste Bilanzierungspraxis bleibt daher ein zentraler Faktor für Planungssicherheit und Vertrauen in die europäische KI-Industrie.


