Politik

Elektromobilitätssteuer Großbritannien: Wie London die E-Auto-Revolution abbremst

Großbritannien setzt mit einer kilometerbasierten Abgabe ein hartes Signal an alle E-Autofahrer und stellt die finanzielle Logik der Verkehrswende infrage. Die Regierung riskiert Widerstand aus Industrie und Bevölkerung, weil steigende Kosten das politische Ziel der Elektrifizierung zu unterlaufen drohen. Die kommenden Jahre werden entscheiden, ob die neue Elektromobilitätssteuer Großbritannien stabilisiert oder zur Belastungsprobe für Verbraucher und Hersteller wird.
07.12.2025 05:47
Lesezeit: 3 min
Elektromobilitätssteuer Großbritannien: Wie London die E-Auto-Revolution abbremst
Die Elektromobilitätssteuer Großbritannien verschärft den Druck auf Verbraucher. (Foto: dpa | Julian Stratenschulte) Foto: Julian Stratenschulte

Britische Fahrer sollen künftig für jede Strecke bezahlen

Die Politik in Großbritannien überrascht Elektroautobesitzer mit einem Schritt, der tief in den Alltag eingreift. Ab dem Jahr 2028 müssen Fahrer elektrisch betriebener Fahrzeuge eine neue Abgabe zahlen, die dem nahekommt, was Nutzer von Benzin- und Dieselautos über den klassischen Kraftstoffzoll entrichten. Die kommende Regelung verlangt von E-Mobilisten rund die Hälfte dessen, was konventionelle Fahrzeuge über den Treibstoffzoll beitragen. Das berichten die Kollegen von Verslo žinios.

Ab April 2028 sollen Elektrofahrer etwa 0,034 Euro je zurückgelegter Meile zahlen. Mit Plug-in-Hybriden fallen rund 0,017 Euro pro Meile an. Laut BBC steigt der Satz jedes Jahr entsprechend der Inflation. Die britische Haushaltsbehörde OBR erklärt, diese Abgabe liege bei ungefähr der Hälfte des klassischen Kraftstoffzolls für Benzin und Diesel. Zusätzlich verlängert die Regierung eine bestehende Entlastung von 0,057 Euro auf Kraftstoffe um ein weiteres Jahr, obwohl auch dieser Betrag künftig schrittweise wachsen wird.

Abrechnung über den Kilometerstand

Die neue Abgabe für Elektro- und Hybridfahrzeuge soll auf dem Odometer basieren. Nach Angaben des Finanzministeriums wird der gefahrene Abstand bei jeder technischen Hauptuntersuchung geprüft. Die Einnahmen fließen in das bestehende System der Fahrzeugzölle. Ein Fahrer, der im Zeitraum 2028 bis 2029 rund 8.500 Meilen beziehungsweise 13.600 Kilometer zurücklegt, müsste laut OBR etwa 255 Pfund zahlen, was rund 291 Euro entspricht. Mehrere Fragen sind jedoch ungeklärt. Die Regierung räumt ein, dass Kilometerstände manipulierbar sind. Daher suche man Wege, um Missbrauch zu verhindern. Schätzungen zufolge bringt der neue, streckenabhängige Aufschlag im ersten Jahr rund 1,26 Milliarden Euro ein. Bis zum Haushaltsjahr 2030 bis 2031 könnte diese Summe auf 2,17 Milliarden Euro steigen. Wie viel tatsächlich anfällt, hängt jedoch stark davon ab, wie viele Briten in den kommenden Jahren Elektrofahrzeuge kaufen. Die OBR bezeichnet die Prognosen deshalb als unsicher.

Die neue Abgabe gilt für alle in Großbritannien registrierten Elektrofahrzeuge, unabhängig davon, in welchem Land sie bewegt werden. Fahrzeuge aus dem Ausland, die lediglich in Großbritannien unterwegs sind, bleiben ausgenommen. Ab dem Jahr 2030 dürfen zudem keine neuen Benzin- oder Dieselautos mehr verkauft werden. Alle neuen Fahrzeuge müssen elektrisch oder hybrid sein. Vertreter der Autoindustrie warnen jedoch, dass diese neue Abgabe Käufer abschrecken könnte. Auch die OBR geht davon aus, dass die Abgabe die Nachfrage deutlich bremst, da die laufenden Kosten steigen. Hersteller müssten entweder den Absatz von Verbrennern drosseln oder Preise für E-Autos und Hybride senken. Schätzungen zufolge würden die Verkäufe von Elektrofahrzeugen aufgrund der neuen Abgabe um rund 440.000 Einheiten sinken.

Kritik aus Verbrauchersicht und Industrie

Viele britische Fahrer äußern offen Unmut. Ein von BBC zitierter Verbraucher, Stephen Walton, kaufte seiner Frau ein Elektroauto, weil sie umweltbewusster handeln wollte. Er kritisiert nun, dass ein E-Auto finanziell keinen Vorteil biete. Die Fahrzeuge seien teurer, würden schneller an Wert verlieren und die neue Abgabe sei der letzte Tropfen. Er kündigte an, dass sein aktuelles Modell sein erstes und letztes E-Auto bleiben werde, da es keinerlei Vergünstigungen gebe. Auch Ford und der Branchenverband SMMT sprechen von einer unpassenden Maßnahme. Ford nennt die Einführung ein verwirrendes Signal, das dem politischen Ziel der Elektrifizierung widerspreche. Der SMMT hebt hervor, dass die zugesagten Investitionen von 1,48 Milliarden Euro in den Ausbau der Elektromobilität positiv seien, der neue Streckenaufschlag jedoch eindeutig Kaufinteresse koste. Die britische Erneuerbare-Energien-Vereinigung hält die Maßnahme für impulsiv und fordert ein System, das alle Fahrzeugtypen einbindet und ihren realen Umweltschaden widerspiegelt. Auch Anbieter öffentlicher Ladestellen kritisieren die Abgabe. Fahrer ohne private Lademöglichkeiten zahlen bereits höhere Gebühren für öffentliches Laden. Zudem würde die Regelung Haushalte mit geringem Einkommen und Bewohner ländlicher Regionen unverhältnismäßig treffen.

Internationale Beispiele und Bedeutung für Deutschland

Großbritannien ist mit der geplanten Elektromobilitätssteuer nicht allein. In Neuseeland gilt bereits eine streckenabhängige Abgabe für Elektrofahrzeuge. Für 1.000 Kilometer zahlen Fahrer dort 76 Dollar, also rund 70 Euro. Plug-in-Hybride zahlen 38 Dollar, rund 35 Euro, während reine Hybride ausgenommen sind, da sie über Treibstoffabgaben zur Finanzierung beitragen. Zusätzlich fallen Verwaltungsgebühren für die Erfassung der Streckengenehmigungen an. Auch Island sowie mehrere Bundesstaaten der Vereinigten Staaten nutzen ähnliche Modelle. Für Deutschland hat der Fall keine direkte Entsprechung im Gesetz, doch die Debatte ist relevant. Die Bundesregierung diskutiert langfristig über eine Reform der Fahrzeugbesteuerung, um Einnahmeausfälle durch den Rückgang klassischer Kraftstoffsteuern zu kompensieren.

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