Wie in Rohstoffe investieren zum stabilen Baustein im Portfolio werden kann
Viele Anleger sind in unsicheren Zeiten ins Gold geflüchtet. Doch Gold ist nicht die einzige Rohstoffanlage, die mehr Stabilität im Portfolio bieten kann. Experten verweisen auf mehrere Vermögenswerte, die dank starker makroökonomischer Trends überzeugen, warnen zugleich aber vor zwei beliebten Goldäquivalenten.
Christian Kopfer, Rohstoffanalyst bei Handelsbanken, erklärt, dass die Suche nach sicheren Häfen die Preise für Gold und Silber auf Rekordhöhen getrieben hat. Der Goldpreis ist im Jahresverlauf um mehr als 60 Prozent gestiegen, obwohl er sich seit dem Oktoberhoch leicht abgeschwächt hat. Silber hat sich im gleichen Zeitraum im Wert verdoppelt.
Gold bleibt ein zentrales Element für alle, die langfristig in Rohstoffe investieren
Trotz dieser starken Entwicklung sieht Kopfer weiterhin Potenzial. Nach seiner Einschätzung folgt Gold seit mindestens zwei Jahrzehnten einer Megatrendbewegung. Große Volkswirtschaften leben über ihre Verhältnisse und verschulden sich immer stärker. Dies erhöht systemische Risiken, was Gold zugutekommt.
Für Anleger, die Gold inzwischen für zu teuer halten oder ihre Positionen breiter aufstellen wollen, gibt es eine Vielzahl weiterer Rohstoffe. Zur Auswahl stehen Edelmetalle, Industriemetalle, Holzprodukte, Stahl, Energie und Agrarrohstoffe.
Warum Rohstoffe das Portfolio stabilisieren
Anna Svahn, die bei Antiloop ein Rohstoffportfolio managt, hält eine breitere Streuung für sinnvoll. Rohstoffe weisen andere Korrelationseigenschaften auf als Aktien und stärken über längere Zeit die risikoadjustierte Rendite. Ihrer Ansicht nach kann ein Blick auf Rohstoffe interessant sein, wenn man davon ausgeht, dass die besten Tage des Aktienmarkts vorerst vorbei sind.
Zu den Edelmetallen zählen laut Definition jene Metalle, die besonders widerstandsfähig gegen chemische Reaktionen sind. Neben Gold und Silber gehören vor allem Platin und Palladium dazu, die dank des starken Goldanstiegs ebenfalls um etwa 80 beziehungsweise über 60 Prozent zugelegt haben.
Warum Platin und Palladium nicht ungefährlich sind
Kopfer warnt allerdings vor den beiden Metallen. Wer Platin und Palladium allein aufgrund des Edelmetallarguments kaufe, begebe sich in ein überhitztes Marktumfeld. Zentralbanken hätten keinerlei Interesse an diesen Metallen, was sie weniger attraktiv mache. Zudem seien die Preise inzwischen zu hoch, um Platin und Palladium in größerem Umfang industriell einzusetzen.
Sollte man dennoch investieren, müsse man auf eine stärkere Nachfrage aus Nischenanwendungen hoffen. Svahn verweist dagegen darauf, dass beide Metalle in Verbrennungsmotoren genutzt werden. Palladium fand traditionell Einsatz in Katalysatoren für Benzinmotoren, Platin in Dieselmotoren, könne inzwischen aber ebenfalls in Benzinmotoren genutzt werden.
Die Preise von Platin und Palladium haben in diesem Jahr jedoch deutlich dem Goldpreis gefolgt. Wer bereits Gold halte, müsse aus ihrer Sicht nicht zwingend auch diese beiden Metalle ins Portfolio aufnehmen. Auch an der Börse war der Rohstoffboom sichtbar.
Unternehmen wie Lundin Gold, Lundin Mining und Boliden verzeichneten deutliche Kursgewinne, teilweise weit im dreistelligen Prozentbereich. Sie profitieren von gestiegenen Preisen für Gold, Silber, Kupfer oder Nickel.
Industriemetalle als Profiteure des Stromnetzausbaus
Wer jenseits von Edelmetallen diversifizieren möchte oder generell erwägt, stärker in Rohstoffe zu investieren, findet bei den Industriemetallen zahlreiche Optionen. Dazu zählen unter anderem Kupfer, Zink, Nickel und Aluminium. Kopfer betont besonders das Potenzial von Kupfer und Aluminium, da beide im globalen Ausbau der Stromnetze unverzichtbar seien.
Die Nachfrage nach Kupfer bleibe stark, während das Angebot kaum wachse, was weitere Preissteigerungen wahrscheinlich mache. Aluminium sei zwar leichter zu produzieren, doch die lange Zeit gedrückten Preise hätten dazu geführt, dass nur wenige Hersteller aktiv seien.
Aluminium ist das energieintensivste Industriemetall. Steigende Strompreise würden daher direkt höhere Aluminiumpreise nach sich ziehen, da Unternehmen sonst nicht kostendeckend produzieren könnten. Während einige Industriemetalle von Megatrends getrieben werden, bleiben klassische Industriegüter stärker konjunkturabhängig. Kopfer sieht viele dieser Preise derzeit am Boden oder bereits in einer Erholungsphase.
Stahl im Aufschwung durch neue EU-Begrenzungen
Stahl ist eines der Segmente, das laut Kopfer wieder im Aufwärtstrend liegt. Er erwartet im kommenden Jahr einen deutlichen Preisanstieg in Europa. Grund dafür sind neue Grenzen für stahlzollfreie Importe in die EU. Viele Jahre sei der europäische Stahlmarkt durch Dumping aus asiatischen Ländern, vor allem China, belastet gewesen.
Überschussstahl sei zu extrem niedrigen Preisen nach Europa verkauft worden, was die heimische Industrie langfristig bedroht hätte. Auf dem Kapitalmarkttag von SSAB bestätigte Vorstandschef Johnny Sjöström, dass die neuen Regeln die Ertragskraft verbessern könnten. Analysten gehen von einem Ergebniseffekt zwischen 5 und 6 Milliarden schwedischen Kronen aus.
Kopfer sieht daher attraktive Chancen für Anleger, die über europäische Stahlkonzerne investieren möchten. Er nennt SSAB, Thyssenkrupp, Salzgitter und Voestalpine als mögliche Kandidaten. Bereits ein Anstieg der Stahlpreise um 10 Prozent könnte allein bei SSAB die Gewinne um rund 4 Milliarden schwedische Kronen erhöhen.
Steigende Agrarpreise trotz stagnierender Holzprodukte
Im Umfeld des Stahls stehen Holzprodukte, deren Preise ebenfalls niedrig sind. Anders als beim Stahl gebe es hier jedoch keinen äußeren Treiber, der kurzfristig für steigende Preise sorgen könnte. Erst eine Erholung der Konjunktur könnte diesen Markt beleben.
Svahn hebt zudem Agrarrohstoffe hervor. Kakao lief im vergangenen Jahr stark, Kaffee in diesem Jahr. Auch Sojabohnen, Mais, Zucker und Baumwolle zeigen steigende Preise. Der aktuelle Markt erinnere in Teilen an die 1970er Jahre, als Agrarrohstoffe sehr stark waren. Die Preise würden sowohl von der Geldpolitik als auch von den Produktionszyklen bestimmt.
Hohe Nachfrage führt zu steigenden Preisen, was mehr Produzenten anzieht, bis die Preise wieder fallen. Nach ihrer Einschätzung wurden viele Rohstoffe in den vergangenen Jahren zu wenig produziert, während die Nachfrage nun wachse und das Angebot nicht mithalten könne. Wer heute in Rohstoffe investieren möchte, findet hier dynamische Zyklen, die langfristiges Potenzial eröffnen. Svahn investiert selbst über Futures in neun verschiedene Agrarrohstoffe sowie in Energieformen und Metalle, rät Kleinanlegern jedoch davon ab.
Welche Produkte für Kleinanleger geeignet sind
Für Privatanleger empfiehlt sich eher eine börsengehandelte Rohstoff-ETF. Diese sollte jedoch sorgfältig geprüft werden, insbesondere hinsichtlich der Gewichtung von Energie. Viele breite ETFs haben eine Ölgewichtung von mehr als 50 Prozent, was faktisch zu einer Energiespekulation führt.
Wer dagegen Aktien von Unternehmen kaufen möchte, die einzelne Rohstoffe fördern, sollte sich genau mit deren Produktionskosten und dem aktuellen Spotpreis befassen. Steigt der Spotpreis, erhöht dies direkt die Ertragskraft des Unternehmens. Für Anleger, die vorsichtig in Rohstoffe investieren wollen, kann dieser Vergleich entscheidend sein.
Ausblick für Deutschland im aktuellen Rohstoffumfeld
Für Deutschland spielt die Entwicklung der Rohstoffmärkte eine zentrale Rolle, da die Industrie stark von stabilen Lieferketten und bezahlbaren Materialien abhängt. Der erwartete Stahlpreisanstieg betrifft deutsche Hersteller wie Thyssenkrupp und Salzgitter unmittelbar. Auch der Umbau der Netzinfrastruktur erhöht den Bedarf an Kupfer und Aluminium.
Insgesamt zeigt sich, dass eine breitere Strategie, die gezielt in Rohstoffe investieren einbezieht, für deutsche Anleger zunehmend relevanter wird. Die Bedeutung von Agrarrohstoffen, Industriemetallen und Edelmetallen wächst in einem Umfeld, in dem traditionelle Anlageklassen stärker schwanken.

