Finanzen

Bayer-Aktie steigt: Supreme Court prüft Glyphosat-Urteil

Die Bayer-Aktie klettert auf ein neues Jahreshoch, beflügelt durch die Unterstützung des US-Generalstaatsanwalts. Analysten sehen Chancen auf ein Grundsatzurteil des Supreme Court, das die milliardenschweren Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten klären könnte. Damit könnte Bayer endlich einen jahrelangen Belastungsfaktor abschütteln und den Weg für weitere Kursgewinne ebnen. Die Marktreaktionen zeigen bereits, dass Investoren auf diese Entscheidung setzen.
02.12.2025 11:15
Aktualisiert: 02.12.2025 11:15
Lesezeit: 4 min
Bayer-Aktie steigt: Supreme Court prüft Glyphosat-Urteil
Die Bayer-Aktie profitiert von Unterstützung durch US-Generalstaatsanwalt. Die Supreme Court-Entscheidung zu Glyphosat könnte milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten klären. (Foto: dpa) Foto: Carsten Koall

Bayer-Aktie steigt auf Jahreshoch: Supreme Court soll Glyphosat-Fall prüfen

Die Bayer-Aktie legte auf XETRA zeitweise 11,27 Prozent auf 33,91 Euro zu – bei 35,02 Euro wurde sogar ein neues Jahreshoch erreicht. Der oberste Anwalt der USA, der sogenannte "Solicitor General", sprach sich dafür aus, dass der Supreme Court als höchstes US-Gericht ein Glyphosat-Urteil gegen Bayer zur Prüfung annehmen soll. Bayer hofft auf ein Grundsatzurteil des obersten US-Gerichts wegen widersprüchlicher Urteile von Bundesberufungsgerichten. Der Supreme Court hatte sich zunächst an den Solicitor General gewandt, um dessen Einschätzung einzuholen.

James Quigley von Goldman Sachs kommentierte: „Dies sei ein weitreichender Schritt, die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten endlich abzuhaken.“ Die Annahme durch das oberste US-Gericht sei nun wohl nur noch eine Formalie. Sollte sie erfolgen, dürfte bis Ende Juni 2026 eine Entscheidung fallen. Dann ändert sich nämlich die Besetzung des Gerichts.

Bei Bayer zeichnet sich aus charttechnischer Perspektive eine Bodenbildung nach dem jahrelangen Kursrutsch seit dem Frühjahr 2015 ab. Damals hatten die Papiere mehr als 146 Euro gekostet, bevor sie sich im Laufe der Zeit mit der Monsanto-Übernahme eine Reihe von Rechtsproblemen in den USA einhandelten.

Goldman Sachs bestätigt Kaufempfehlung: Ziel 38,50 Euro

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Bayer mit einem Kursziel von 38,50 Euro auf "Buy" belassen. Die Unterstützung des Generalanwalts der Vereinigten Staaten dafür, dass der Supreme Court ein Glyphosat-Urteil gegen Bayer zur Prüfung annehmen soll, sei ein weitreichender Schritt, die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten endlich abzuhaken, schrieb James Quigley am Dienstag. Die Annahme durch das oberste US-Gericht sei nun wohl nur noch eine Formalie. Sollte sie erfolgen, dürfte bis Ende Juni 2026 eine Entscheidung fallen. Dann ändert sich nämlich die Besetzung des Gerichts.

JPMorgan stuft Bayer neutral ein: Ziel 25 Euro

Die US-Bank JPMorgan belässt die Einstufung für Bayer mit einem Kursziel von 25 Euro auf "Neutral". Die Unterstützung des obersten Anwalts der US-Regierung (Solicitor General) dafür, dass der Supreme Court ein Glyphosat-Urteil gegen Bayer zur Prüfung annehmen soll, sei ein wichtiger Schritt, um das Glyphosat-Thema einzudämmen, schrieb Richard Vosser am Dienstag. Die Aktien könnten einen möglichen sinkenden Rückstellungsbedarf vorwegnehmen. Sie dürften sich um zehn bis fünfzehn Prozent besser als der Markt entwickeln.

Bayer hofft auf Grundsatzurteil in den USA

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer kann rund um die milliardenteuren Rechtsstreitigkeiten um angebliche Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat weiterhin auf ein Grundsatzurteil des höchsten US-Gerichts hoffen. Der sogenannte Solicitor General – eine Art Generalanwalt der US-Regierung – unterstützt den Antrag des Konzerns auf Prüfung eines Falls durch den US Supreme Court, wie der oberste Gerichtshof mitteilte. Bayer erhofft sich ein Grundsatzurteil dazu, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter über dem Recht von Bundesstaaten steht. Die im Dax notierte Bayer-Aktie stieg am Dienstag deutlich auf ein Jahreshoch.

Das Papier legte nach Handelsbeginn an der Spitze des Leitindex um fast 15 Prozent auf 35,02 Euro zu. Damit baute der Kurs die Gewinne seit Jahresanfang auf über 80 Prozent aus. Teurer war die Aktie zuletzt im Januar 2024.

Analysten sehen positiven Ausblick

Die Unterstützung durch den Solicitor General sei ein weitreichender Schritt, die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten endlich abzuhaken, kommentierte Analyst James Quigley von Goldman Sachs. Die Annahme durch das oberste US-Gericht sei nun wohl nur noch eine Formalie. Sollte sie erfolgen, dürfte bis Ende Juni 2026 eine Entscheidung fallen. Dann ändert sich nämlich die Besetzung des Gerichts.

Auch Experte Chris Counihan von Jefferies wertete die Nachricht positiv. Bayer habe schließlich vor, die Streitigkeiten bis Ende 2026 endgültig abzuschließen. Die Rückstellungen für aktuell verhandelte und künftige Glyphosat-Fälle bezifferte er auf 6,60 Euro je Aktie.

Bayer setzt zur Lösung der langwierigen und teuren Rechtsstreitigkeiten in den USA auf ein Grundsatzurteil des obersten US-Gerichts wegen widersprüchlicher Urteile von Bundesberufungsgerichten. Der Supreme Court hatte sich zunächst an den Solicitor General gewandt, um dessen Meinung einzuholen.

Hintergrund: Glyphosat und Bundesrecht

Die Fälle drehen sich um angebliche Krebsrisiken durch Glyphosat. Aus Sicht der US-Umweltbehörde EPA birgt Glyphosat keine Gesundheitsrisiken, wenn es entsprechend der Vorschriften angewendet wird. Die EPA hatte das Produktlabel ohne Warnung genehmigt. Im Kern geht es in den laufenden Rechtsverfahren für Bayer nun um die Frage, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter über dem Recht von Bundesstaaten steht.

Bayer begrüßt, dass der Solicitor General den Antrag auf Prüfung des Falls Durnell durch den US Supreme Court unterstützt und die Argumentation des Unternehmens in der Frage nach dem Vorrang von Bundesrecht teilt, hieß es von den Leverkusenern. Dieser Rückhalt durch die US-Regierung habe großen Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts, ob es den Fall annehme. "Diese Rechtsfrage hat erhebliche Bedeutung, weil die falsche Anwendung von Bundesrecht die Verfügbarkeit von innovativen Lösungen für Landwirte sowie Investitionen in die US-Wirtschaft grundsätzlich gefährdet", sagte Bayer-Vorstandschef Bill Anderson laut Mitteilung.

Bayer vergleicht sich in PCB-Fall mit Illinois

In einem anderen Rechtsstreit um die Folgen der bereits seit Jahrzehnten verbotenen Umweltchemikalie PCB verglichen sich die Leverkusener unterdessen mit dem US-Bundesstaat Illinois. Die übernommene Bayer-Tochter Monsanto stimmte der Zahlung von 120 Millionen US-Dollar zu, wie der Staatsanwalt von Illinois, Kwame Raoul, mitteilte. Dabei ging es um ein Verfahren aus dem Jahr 2022 rund um mit gefährlichen Schadstoffen belastete Gewässer und Mülldeponien.

Beide Probleme – Glyphosat und PCB – hatte Bayer sich 2018 unter dem ehemaligen Chef Werner Baumann mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt.

Zum Vergleich: Zum Vortagsschluss war Bayer an der Börse nur rund 30 Milliarden Euro wert. Kurz nach Abschluss des Zukaufs musste der Konzern eine erste Niederlage in einem Glyphosat-Prozess einstecken, die eine teure Klagewelle in den USA auslöste. Der Aktienkurs fiel über Jahre mehr oder weniger kontinuierlich, bevor er im April 2025 bei gut 18 Euro endete. Seither läuft ein Erholungsversuch.

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