Unternehmensporträt

burgbad Badmöbel: Acht Millionen Euro für eine neue Produktionslogik

Acht Millionen Euro investierte CEO Stefan Sallandt 2025 in die Automatisierung des Badmöbelherstellers burgbad. Damit gehört das Unternehmen in Sachen Digitalisierung zu den fortgeschritteneren Mittelständlern.
09.01.2026 16:45
Lesezeit: 6 min
burgbad Badmöbel: Acht Millionen Euro für eine neue Produktionslogik
Beim Badmöbelhersteller burgbad bleibt „Made in Germany“ zentral (Foto: burgbad).

Vorreiterrolle: Roboter übernehmen die Sortierung im burgbad-Badmöbelwerk

Im Werk Greding-Grafenberg des Badmöbelherstellers burgbad in Mittelfranken sortieren Roboter Holzbauteile, erkennen deren Oberflächen, ordnen sie einzelnen Kundenaufträgen zu und leiten sie automatisiert in die Montage weiter. Bis Herbst 2025 erfolgte die Kommissionierung manuell. Doch seit der Inbetriebnahme der vollautomatischen Anlage im November 2025 erfolgt dieser Prozess digital gesteuert und ist durchgängig rückverfolgbar. „Mit der Prozessoptimierung durch die automatische Kommissionierung erhöhen wir unsere Flexibilität und sichern langfristig unseren Standort und die Arbeitsplätze“, erklärte Stefan Sallandt, CEO der burgbad AG, in einer Mitteilung.

Der Badmöbelhersteller investierte vergangenes Jahr rund acht Millionen Euro in eine neue Logistikhalle mit vollautomatischer Kommissionierung am Standort Greding. Ziel ist eine höhere Prozesssicherheit bei wachsender Variantenvielfalt. Täglich verlassen mehrere tausend auftragsspezifische Bauteile die Produktion. Die Automatisierung senkt die Kosten, da Kommissionierfehler vermieden und Materialflüsse planbarer werden. Nach Unternehmensangaben reduziert die vollautomatische Anlage den Bedarf an Nacharbeit und vereinfacht die Produktionsplanung. Zur Amortisationsdauer macht das Unternehmen keine Angaben, verweist jedoch darauf, dass sich die Investition über geringere Fehlerquoten, niedrigere Bestände und eine höhere Auslastung schrittweise refinanziert.

Damit ist burgbad bei Digitalisierung und Automatisierung weiter als das Gros des deutschen Mittelstands. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern in Bayern aus dem Jahr 2024 sehen rund 60 Prozent der Unternehmen bei sich selbst Nachholbedarf bei der Digitalisierung, insbesondere in Produktion und Logistik. „Unternehmen sollten ihre Digitalisierungsmaßnahmen vorantreiben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern – zumal daraus letztlich enorme Produktivitätsgewinne resultieren“, sagt Gerhard Müller, Vorsitzender des IHK-Fachausschusses Digitalisierung in Bayern, mit Blick auf die Ergebnisse der Erhebung.

Automatisierung vs. Kostendruck und Fachkräftemangel

Bei burgbad erfolgte die Investition zu einem Zeitpunkt, zu dem viele mittelständische Unternehmen in Deutschland unter Fachkräftemangel und steigenden Lohnkosten leiden. Auch burgbad steht in Greding im Wettbewerb um Arbeitskräfte mit den Wirtschaftszentren Nürnberg und Ingolstadt. Die Automatisierung ist für burgbad eine Antwort auf diese Entwicklung. Sie ermöglicht es dem Unternehmen, sich den sich ändernden Marktbedingungen anzupassen und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Seit Herbst letzten Jahres übernehmen Roboter in Greding daher standardisierte Tätigkeiten wie das Sortieren, Transportieren und Zuordnen von Bauteilen. Die Beschäftigten werden dagegen in der Montage, der Qualitätskontrolle und der Steuerung der Anlagen eingesetzt. Aus Sicht des Managements verbessert sich damit das Verhältnis von Output zu Personaleinsatz, was die Wirtschaftlichkeit der Fertigung erhöht, ohne zusätzliche Lohnkosten zu verursachen.

Zum Einsatz kommen ein vollautomatisches Plattenlager, digital gesteuerte Sägen und Kantenbearbeitungsmaschinen sowie ein KI-gestützter Scanner zur Qualitätskontrolle. Die Bauteile werden geprüft, eindeutig identifiziert und ohne manuelle Eingriffe weitergeleitet. Die auftragsbezogene Kommissionierung reduziert Fehlzuordnungen und stabilisiert die Abläufe in der Montage. Laut Unternehmensangaben sind die Lagerbestände für Halbfertigteile durch die automatisierte Kommissionierung zudem um bis zu 80 Prozent gesunken.

Individuelle Badmöbel zu marktfähigen Preisen

burgbad fertigt keine Serienware im klassischen Sinne. Im Fachhandel können Kunden ihre Badmöbel aus mehr als 120 Oberflächen, unterschiedlichen Materialien und variablen Maßen konfigurieren. Waschtische, Regale und Unterschränke lassen sich millimetergenau an die jeweilige Raumsituation anpassen. Laut Unternehmensangaben entstehen so täglich mehrere tausend auftragsspezifische Bauteile, die jeweils einem konkreten Kundenauftrag zugeordnet sind.

Diese Form der industriellen Maßanfertigung stellt hohe Anforderungen an Planung, Logistik und Kostenkontrolle. In Greding werden pro Tag bis zu rund 1.000 Badmöbel gefertigt. Damit die Produkte wirtschaftlich bleiben, müssen die Daten aus der Konfiguration ohne Medienbrüche in die Produktion gelangen. Vollautomatische Sägen schneiden die Platten auf Maß, anschließend sortieren Roboter die Bauteile. Erst am Ende übernehmen Mitarbeitende die Endmontage.

Durch die Automatisierung ist das Unternehmen in der Lage, individuelle Badmöbel zu standardisierten Preisen anzubieten. Laut der Werkleitung konnte die Produktion gesteigert werden, ohne zusätzliche Schichten einzuführen. Damit verliert Maßanfertigung einen Teil ihres handwerklichen Kostennachteils. Für burgbad ist das jedoch entscheidend, um sich im Premiumsegment gegen internationale Wettbewerber, die stärker auf Serienproduktion setzen, zu behaupten und seine Rolle als Weltmarktführer in diesem Segment zu stärken.

burgbad als Blaupause für die Badmöbelindustrie 4.0

Der Standort Greding im Landkreis Roth gehört seit den 1990er Jahren zum Unternehmen. Er ging aus der Übernahme der Kama Bad GmbH hervor und entwickelte sich schrittweise zu einem zentralen Produktionsstandort. Heute arbeiten dort rund 330 Beschäftigte. In den vergangenen Jahren investierte burgbad einen zweistelligen Millionenbetrag in Hallenerweiterungen, Digitalisierung und Logistik, zuletzt ergänzt um die vollautomatische Kommissionierungsanlage. Die neue Anlage ergänzt die bereits weitgehend digitalisierte Produktionsstruktur. Daten aus der Auftragsannahme fließen direkt in die Maschinensteuerung. Jedes Bauteil wird eindeutig identifiziert und kann über den gesamten Fertigungsprozess hinweg verfolgt werden. In der Folge verkürzen sich die Durchlaufzeiten und die Planung läuft stabiler.

Unabhängig von der Automatisierung verfolgt burgbad seit Jahren eine eigenständige Nachhaltigkeitsstrategie. An sämtlichen deutschen Wirtschaftsstandorten, darunter auch Greding, arbeitet das Unternehmen mit einem zertifizierten Energiemanagementsystem nach ISO 50001, um Energieverbräuche systematisch zu erfassen, zu steuern und zu senken. Nach Unternehmensangaben hat das dazu geführt, Energieverbräuche transparenter zu machen und Einsparpotenziale gezielt zu realisieren. burgbad war bereits 2016 der erste klimaneutrale Badmöbelhersteller weltweit. Verbleibende Emissionen werden kompensiert, unter anderem über Klimaschutzprojekte, die mit Strom aus biogenen Reststoffen arbeiten. Ziel ist es, den Energieeinsatz pro produziertem Möbelstück zu senken und die Kostenbasis langfristig zu stabilisieren.

Als das Versandhaus Quelle der erste Großkunde war

Die Wurzeln von burgbad liegen im Sauerland. Gegründet wurde das Unternehmen 1946 in Bad Fredeburg. In der Nachkriegszeit fertigte der Betrieb zunächst Gebrauchsgegenstände aus Holz, darunter Baukästen, Nähkästen und Haushaltsartikel. Der Schritt ins Bad erfolgte 1965, damals noch unter der Bezeichnung Burg Ideal Bad. Einer der ersten Großkunden war das Versandhaus Quelle.

Mit dem Einstieg in die Badmöbelfertigung begann die strategische Neuausrichtung. Unter dem Leitmotiv, das Bad als möblierten Wohnraum zu denken, baute das Unternehmen sein Sortiment in den folgenden Jahrzehnten systematisch aus. In den 1990er Jahren erwarb burgbad mehrere Spezialanbieter, darunter die Kama Bad GmbH in Greding sowie später die Spiegelhersteller Schock und den Mineralgussproduzenten Miral. 2009 wurden die Einzelmarken unter dem gemeinsamen Namen burgbad zusammengeführt.

Türkische Konzernmutter mit Industrieprofil

burgbad gehört seit 2010 vollständig zur türkischen Eczacıbaşı-Gruppe. Der in Istanbul ansässige Konzern ist in den Bereichen Baustoffe, Konsumgüter, Gesundheitsprodukte und industrielle Dienstleistungen aktiv und zählt zu den größten Industriegruppen des Landes. Zu seinem Portfolio gehören unter anderem Hersteller von Keramik, Sanitärprodukten und Bauchemie. Die Zugehörigkeit zur Gruppe erleichterte für burgbad den Zugang zu internationalen Märkten und stärkte die finanzielle Basis. An der industriellen Ausrichtung änderte sich jedoch wenig. Im Jahr 2013 positionierte sich das Unternehmen offiziell als Weltmarktführer für individuelle Badmöbellösungen im hochwertigen Segment.

Trotz internationaler Eigentümerstruktur bleibt die Fertigung stark in Deutschland verankert. Seit 2020 produziert burgbad an seinen deutschen Standorten ausschließlich Badmöbel „Made in Germany”. Kurze Lieferketten, automatisierte Prozesse und eine hohe Fertigungstiefe sind Teil der Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstrategie, mit der sich das Unternehmen im Premiumsegment behauptet. Für das Management um CEO Stefan Sallandt ist die Investition in Greding deshalb auch ein strategisch wichtiges Signal. Denn in einem Badmöbelmarkt, der auch künftig von steigenden Kosten und schwankender Nachfrage geprägt sein dürfte, wird Automatisierung noch mehr zur Voraussetzung für industrielle Maßanfertigung. Bei burgbad in Greding ist sie bereits Teil des Alltags.

Badmöbelhersteller burgbad als Vorreiter bei der Automatisierung im Mittelstand

Die Investition von burgbad zeigt, wie sich industrieller Mittelstand unter schwierigen Rahmenbedingungen neu aufstellt. Automatisierung ist hier kein Selbstzweck, sondern Antwort auf Fachkräftemangel, Kostendruck und steigende Variantenvielfalt. Indem digitale Prozesse die Maßanfertigung absichern, verbindet das Unternehmen Individualität mit Effizienz. Der Standort Greding wird dadurch nicht geschwächt, sondern gestärkt. Burgbad demonstriert, dass Industrie 4.0 nicht nur Großkonzernen vorbehalten ist. Für viele mittelständische Hersteller dürfte das Projekt damit weniger Ausnahme als vielmehr Vorbote kommender Entscheidungen sein.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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