Wirtschaft

KGHM-Aktie im Fokus: Strukturelle Engpässe prägen den internationalen Kupfermarkt

Der globale Rohstoffmarkt gerät durch wachsende Knappheiten und steigende Nachfrage in Bewegung. Welche langfristigen Chancen und Risiken ergeben sich daraus für die KGHM-Aktie im internationalen Wettbewerb?
19.01.2026 06:05
Lesezeit: 4 min

KGHM-Aktie im Spannungsfeld eines globalen Kupfermangels

Der globale Kupfermarkt steuert auf einen strukturellen Engpass zu. Nach Schätzungen von S&P Global wird im Jahr 2040 ein Defizit von rund 10 Millionen Tonnen entstehen, während die Nachfrage auf etwa 42 Millionen Tonnen steigen dürfte. Das entspräche einem Zuwachs von 50 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau.

Aus den Berechnungen der Analysten folgt, dass Kupferproduzenten langfristig nur etwa drei Viertel des weltweiten Bedarfs decken können. Kurzfristig stützt dieser Mangel die Preise und damit auch die Bewertung von Förderunternehmen wie KGHM, was sich unmittelbar auf die KGHM-Aktie auswirkt. Auf Dauer birgt ein zu hoher Preis jedoch auch Risiken für die Branche.

KGHM-Aktie profitiert vom Konsolidierungstrend im Bergbau

Der absehbare Kupfermangel erklärt teilweise den weltweiten Übernahmetrend im Bergbausektor. Anfang Januar kündigte der Rohstoffkonzern Rio Tinto sein Interesse an einer Übernahme des britischen Wettbewerbers Glencore an. Auch der internationale Konzern Anglo American und das kanadische Unternehmen Teck Resources prüfen einen Zusammenschluss.

Alle genannten Unternehmen verfügen über eine deutlich höhere Marktkapitalisierung als KGHM. Größenvorteile spielen eine zentrale Rolle, wie Jakub Szkopek, Analyst bei Erste Securities, betont. Große Bergbaukonzerne hätten bessere Möglichkeiten, sich langfristig Zugang zu Rohstoffreserven zu sichern und die Finanzierung kapitalintensiver Projekte zu stemmen, was den Wettbewerbsdruck auf KGHM und damit auch auf die KGHM-Aktie erhöht.

Steigende Komplexität der Kupferförderung

Hinzu kommt, dass die Erschließung neuer Lagerstätten immer aufwendiger wird. Zwischen der Entdeckung eines Vorkommens und dem Beginn der Förderung vergehen heute im Durchschnitt 17 Jahre. Bergbauunternehmen stehen damit vor der Wahl, entweder bestehende Minen weiter in die Tiefe auszubauen oder neue Projekte in geografisch und klimatisch anspruchsvollen Regionen zu entwickeln.

Ein Beispiel ist Grönland, wo der Abbau aufgrund der extremen Witterungsbedingungen nur wenige Monate im Jahr möglich ist. Auch das Kupferprojekt Oyu Tolgoi in der Mongolei zeigt die Dimension der Investitionen. Rio Tinto musste dort eine komplette Stadt für Beschäftigte errichten und plant zusätzliche Energieinfrastruktur. Die steigenden Kosten solcher Projekte beeinflussen langfristig auch die Perspektiven der KGHM-Aktie.

Hohe Kupferpreise als zweischneidiges Schwert

Der starke Preisanstieg bei Kupfer wirkte sich zuletzt positiv auf den Aktienkurs von KGHM aus. Mit Preisen von über 13.000 US-Dollar pro Tonne an der London Metal Exchange legte der Kupferpreis seit Jahresbeginn um fast neun Prozent zu. Analysten von Goldman Sachs halten bis 2035 sogar Preise von bis zu 15.000 US-Dollar pro Tonne für möglich.

Gleichzeitig warnt Szkopek vor den Nebenwirkungen dauerhaft hoher Preise. Wenn Kupfer zu teuer werde, begännen Abnehmer nach Ersatzmaterialien zu suchen. Chinesische Hersteller von Walzdrähten für Energieleitungen reduzierten bereits ihre Kupferbestellungen und wichen teilweise auf Aluminium aus, was mittelfristig auch die Nachfragebasis von Produzenten wie KGHM schwächen könnte.

Chinas dominierende Rolle auf dem Kupfermarkt

China nimmt auf dem globalen Kupfermarkt eine Schlüsselposition ein. Das Land ist für rund 60 Prozent der weltweiten Importe von Kupfererz und unraffiniertem Kupfer verantwortlich. Veränderungen in der chinesischen Nachfrage wirken sich daher besonders stark auf Preise und Investitionsentscheidungen der Produzenten aus.

Diese Abhängigkeit erhöht die Unsicherheit für Förderunternehmen zusätzlich. Preissteigerungen, die durch Knappheit entstehen, können kurzfristig Gewinne erhöhen, langfristig aber strukturelle Nachfrageverschiebungen auslösen, was für Investoren in die KGHM-Aktie ein zentrales Risiko darstellt.

Grundlegende Wirtschaftsaktivitäten als Nachfragetreiber

S&P Global unterscheidet vier zentrale Quellen der künftigen Kupfernachfrage. Der erste Bereich umfasst klassische wirtschaftliche Anwendungen, von Haushaltsgeräten und Computern über Bauwirtschaft bis zur industriellen Fertigung. Vor allem in Schwellenländern führen Urbanisierung, steigende Einkommen und neue Bauweisen zu einem höheren Stromverbrauch und damit zu wachsendem Kupferbedarf.

In dem Bericht „Copper in the Age of AI“ wird darauf hingewiesen, dass allein in Entwicklungsländern bis 2040 rund zwei Milliarden neue Klimaanlagen hinzukommen könnten. Der Ausbau elektrischer Infrastruktur erhöht damit den strukturellen Bedarf an dem Metall deutlich.

Energiewende erhöht den Kupferverbrauch

Ein weiterer zentraler Nachfragetreiber ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Elektrofahrzeuge benötigen fast dreimal so viel Kupfer wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Im Jahr 2025 lag der weltweite Absatz von Elektroautos um 25 Prozent über der Zahl der neu verkauften Fahrzeuge in den USA, dem zweitgrößten Automarkt der Welt.

Auch Solar und Windkraft erhöhen den Bedarf erheblich. Mehr als 90 Prozent der weltweit neu installierten Stromerzeugungskapazitäten im Jahr 2025 entfielen auf diese beiden Technologien. Zusätzlich entstehen durch den Ausbau von Energiespeichern neue, kupferintensive Anwendungen.

Rüstungsindustrie und geopolitische Spannungen

Der dritte Nachfragefaktor ist der Verteidigungssektor. Zunehmende geopolitische Spannungen führen zu steigenden Militärausgaben, insbesondere bei den Mitgliedstaaten der NATO. Moderne Waffensysteme, Kommunikationsnetze und militärische Infrastruktur benötigen immer größere Mengen an Kupfer. S&P Global geht davon aus, dass sich die kupfergetriebene Nachfrage aus dem Verteidigungsbereich bis 2040 verdreifachen wird. Damit gewinnt der Rohstoff auch sicherheitspolitisch an Bedeutung.

Künstliche Intelligenz und der Ausbau von Rechenzentren

Der vierte Treiber ist der rasante Ausbau von KI-Infrastruktur. Nach Schätzungen von S&P Global steigt der Anteil von Rechenzentren am Stromverbrauch der USA bis 2030 von fünf auf 14 Prozent. Bereits 2025 wurde rund die Hälfte des US-Wirtschaftswachstums Investitionen in KI zugeschrieben.

Rechenzentren benötigen große Mengen an Kupfer für Stromübertragung, Kühlung und IT-Infrastruktur. Gleichzeitig erfordern sie erhebliche Investitionen in die Stromnetze, die diese Anlagen versorgen. Der KI-Boom wirkt damit doppelt kupferintensiv.

Industriepolitik und Rohstoffsicherung in Deutschland

Für Deutschland hat die Entwicklung des Kupfermarktes weitreichende Folgen. Als exportorientierte Industrienation mit starkem Fokus auf Elektrotechnik, Maschinenbau und Energiewende ist die deutsche Wirtschaft besonders auf stabile und bezahlbare Kupferlieferungen angewiesen. Steigende Preise erhöhen die Kosten entlang der industriellen Wertschöpfungsketten.

Gleichzeitig verschärft der globale Wettbewerb um strategische Rohstoffe den Handlungsdruck auf Politik und Unternehmen. Investitionen in Recycling, Materialeffizienz und internationale Rohstoffpartnerschaften gewinnen an Bedeutung, da Entwicklungen rund um Konzerne wie KGHM auch für deutsche Industrieunternehmen zunehmend relevant werden.

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