Unternehmen

Chef gesucht: Führungspositionen in Deutschland immer unbeliebter

Viele Unternehmen finden einer Studie zufolge kein Personal für Führungspositionen. Was die Beschäftigten abschreckt – und was sich ändern müsste.
22.01.2026 07:39
Lesezeit: 2 min

Zu wenig Chefs - Führungspositionen unbeliebt

Zahlreiche Firmen in Deutschland haben Schwierigkeiten, Führungspositionen zu besetzen. Im Jahr 2025 fehlten im Durchschnitt 28.180 Fachkräfte in Führungsberufen. Das zeigt eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft. "Dies ist für viele Unternehmen ein Problem, da Vakanzen in Führungspositionen häufig besonders große Folgen für die Geschäftsprozesse haben", sagt Studienautorin Regina Flake.

Ursache ist die geringe Bereitschaft vieler Berufstätiger. Laut einer repräsentativen Befragung von gut 3.100 Beschäftigten ohne Leitungsfunktion kann sich nur jede oder jeder Siebte vorstellen, eine Führungsposition zu übernehmen, falls der Arbeitgeber dies anbietet (14 Prozent). Weitere 40 Prozent ziehen das nur unter Umständen in Betracht, 43 Prozent lehnen Führungsaufgaben ab. Bei Männern ist die Bereitschaft tendenziell etwas größer.

Die Gründe sind vielfältig. Am häufigsten schrecken laut Umfrage hohe Arbeitsbelastung (77 Prozent), große Verantwortung (75 Prozent) und Einschnitte ins Privatleben (73 Prozent) ab. Auch geringe finanzielle Anreize und der mögliche Verlust guter Beziehungen zu Kollegen spielen eine Rolle (je 48 Prozent). "Die Attraktivität von Führungsaufgaben nimmt ab, weil sich ihre Wahrnehmung verschoben hat - weg von Status und Privilegien", sagt Flake. "Ein Führungsangebot wird nicht automatisch als Belohnung wahrgenommen."

Was Firmen tun können

Bei Beschäftigten mit Interesse an Führungsverantwortung ist ein hohes Gehalt der wichtigste Anreiz (95 Prozent). Häufig genannt werden zudem größere Gestaltungsspielräume und mehr Entscheidungsfreiheit (85 Prozent). Viele legen Wert darauf, einen eigenen Führungsstil entwickeln zu können.

Allein mit höheren Gehältern sei das Problem jedoch nicht zu lösen, sagt Expertin Flake. Führung müsse so gestaltet werden, dass sie mit dem Privatleben vereinbar ist. Vor allem Frauen und Teilzeitbeschäftigte würden motiviert, wenn Führungsrollen flexibel ausgeübt werden dürfen, etwa in Teilzeit oder im Homeoffice.

Stellvertretende Leitungspositionen, Mentoring und Coaching könnten den Einstieg erleichtern und die Bereitschaft erhöhen, Verantwortung zu übernehmen, sagt Flake. "Viele Beschäftigte schrecken vor Führung zurück, weil sie einen Sprung ins kalte Wasser befürchten."

Lücke hat sich seit 2015 verdoppelt

Der Mangel in Führungsberufen ist nicht neu. 2015 lag die Fachkräftelücke noch bei rund 14.000, im Jahr 2022 erreichte sie mit 34.600 ihren Höchstwert. Seitdem zeigt sich, wie auch in anderen Berufen, ein Rückgang. Dennoch sind weiterhin viele Firmen betroffen.

In einer Umfrage im Jahr 2023 berichtete jedes zweite Unternehmen von wachsenden Schwierigkeiten bei der Besetzung von Führungspositionen.

Die Fachkräftedaten in diesem Bereich erfassen nicht alle Vakanzen. Laut Kofa sind darin nur leitende Führungskräfte enthalten, die vorrangig führen. Unternehmen melden offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit nicht immer als Führungsposition. Werden etwa Teamleiter gesucht, die neben ihrer fachlichen Tätigkeit auch Führungsaufgaben ausüben, kann es sein, dass der Fachberuf angegeben wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Immobilienmakler für Kitzbühel – Hotel und Gewerbeimmobilien verkaufen mit Experten

Der Verkauf von Hotels und Gewerbeimmobilien in Kitzbühel stellt besondere Anforderungen an Eigentümer und Makler. Ein erfahrener...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Aktienmarkt steht an einem KI-Scheideweg: Hier liegt das große Risiko
20.08.2026

Die Aktienmärkte hängen immer stärker am KI-Boom. Besonders die Magnificent Seven und ihre Lieferketten haben die Kurse nach oben...

DWN
Politik
Politik Trump scheitert, China gewinnt, Europa zahlt die Rechnung
20.08.2026

Wo stehen wir nach fast einem halben Jahr Krieg in Iran? Was geschieht auf den für Europa entscheidenden Seiten?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Strommangel: Bundesnetzagentur bereitet Zwangsdrosselung der Industrie vor
20.08.2026

Ein Blackout steht nicht unmittelbar bevor. Trotzdem schafft die Bundesnetzagentur Instrumente für eine länger anhaltende Mangellage:...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Eli Lilly-Aktie: Neues Supermedikament gegen Adipositas
20.08.2026

Eli Lilly dürfte bald ein neues Supermedikament gegen Adipositas auf den Markt bringen. "Eine solche Gewichtsreduktion hat man noch nie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bankrun in Russland: Warum Bürger ihre Konten leeren
20.08.2026

Ein Bankrun in Russland ist für den Kreml ein Warnsignal. Viele Bürger heben panikartig ihr Bargeld ab. Ökonomen warnen zugleich vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen MG4 Urban im Test: Fast "Das Auto", nur aus China
20.08.2026

Als SAIC Motor das Modell MG4 vorstellte, wurde es sofort zu einem der begehrtesten in China gebauten Elektroautos. Autojournalisten...

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
20.08.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gewinnmitnahmen nach Zweimonatshoch
20.08.2026

Der Goldpreis hat binnen kurzer Zeit deutlich an Wert gewonnen, doch am Donnerstag legt das gelbe Edelmetall eine Verschnaufpause ein....