So beurteilt Reinhold Würth die Arbeitsmoral in Deutschland
Aus Sicht des Unternehmers Reinhold Würth muss in Deutschland wieder mehr gearbeitet werden. Die Arbeitsmoral in Deutschland bereitet ihm Sorgen. "Wir müssen wieder mehr schaffen in Deutschland. Wir müssen fleißiger werden", sagte der 90-Jährige der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Die Arbeitsmoral in Deutschland leide unter falschen Anreizen. "Es ist doch eine verrückte Idee von Gewerkschaftern, einen Feiertag, der auf einen Samstag oder Sonntag fällt, nachzuholen. Wo sind wir denn? Wer so etwas fordert, muss der Meinung sein, das Geld falle wie Schneeflocken vom Himmel." Auch Würth sieht darin ein Symptom für die sinkende Arbeitsmoral in Deutschland.
Die Statistik spreche eine klare Sprache, sagte Würth. Die Arbeitsmoral in Deutschland gerate im internationalen Vergleich ins Hintertreffen. "Da kann einem Angst und Bange um Deutschland werden: In anderen Ländern wird bei deutlich niedrigeren Stundenlöhnen länger gearbeitet." Zudem seien heimische Beschäftigte auch noch häufiger krank als Mitarbeitende in anderen Industrieländern, was die Arbeitsmoral der Deutschen zusätzlich belaste.
Warnung vor dem wirtschaftlichen Abstieg
"Nach der Phase des Wohlstands, des Wohllebens, der Pracht, ja der Freiheit und des freien Worts wuchsen in Deutschland die Begehrlichkeiten nach mehr Geld und noch weniger Arbeit", sagte Würth, der in Künzelsau (Hohenlohekreis) einen Weltmarktführer im Bereich der Befestigungs- und Montagetechnik aufgebaut hat. Für Würth zeigt sich hier klar die Arbeitsmoral in Deutschland und die Arbeitsmoral der Deutschen im Wandel. "Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben." Diese Entwicklung schade der Arbeitsmoral in Deutschland, betonte Würth indirekt.
"Wir sind jetzt in Deutschland an der Kante vom Sein zum Vergehen angekommen, befinden uns also in einer Phase, in der der Niedergang nicht weit ist." Eine Rückkehr zu alter Leistungsbereitschaft sei kaum möglich, "weil die heutigen jüngeren Beschäftigten von ihren Eltern, die aus der Generation der Babyboomer stammen, wahnsinnig verwöhnt wurden", sagte Würth weiter. Für Würth ist klar: Ohne eine neue Debatte über die Arbeitsmoral in Deutschland drohen langfristige Folgen.
Arbeitsmoral in Deutschland: Disziplin bis ins hohe Alter
Er selbst arbeite auch im hohen Alter immer noch, erklärte der 90-Jährige. Damit wolle Würth ein Zeichen für Leistungsbereitschaft und Arbeitsmoral in Deutschland setzen. "So diktiere ich manchmal um 21.30 Uhr abends zuhause noch Briefe und gehe immer wieder ins Büro", sagte Würth der Zeitung. "Und ich schwimme jeden Tag eine halbe Stunde." Seine Smartwatch habe ihm unlängst einen Orden verliehen, weil er sich über sechs Jahre entsprechend viel bewegt habe. Auch das sei für Würth ein persönlicher Beleg dafür, dass Disziplin und Arbeitsmoral der Deutschen wieder gestärkt werden müssten.
Die Aussagen von Reinhold Würth treffen einen empfindlichen Nerv der deutschen Wirtschaft. Seine Kritik an der Arbeitsmoral in Deutschland ist keine Provokation um der Provokation willen, sondern Ausdruck tiefer Sorge um Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Würth verbindet statistische Vergleiche, persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Beobachtungen zu einem klaren Appell: Leistungsbereitschaft darf nicht zur Ausnahme werden. Ob man seine Zuspitzungen teilt oder nicht, die Debatte über Arbeitsmoral der Deutschen, Erwartungen an Arbeit und Verantwortung gegenüber dem Standort Deutschland ist notwendig. Ohne ehrliche Analyse drohen schleichende Verluste, die sich kaum noch korrigieren lassen.


