Technologie

Wie innovationsfähig sind deutsche Unternehmen wirklich?

Innovation klingt nach Durchbruch, Disruption und großen Namen. In der Praxis beginnt sie oft leiser: mit kleinen Veränderungen, neuen Perspektiven und der Bereitschaft, Gewohntes infrage zu stellen. Doch warum gelingt Innovation manchen Organisationen scheinbar mühelos, während andere trotz guter Ideen scheitern? Ein Gastbeitrag von Dr.-Ing. Sven Schimpf, Geschäftsführer des Fraunhofer-Verbunds Innovationsforschung.
Autor
avtor
27.01.2026 19:15
Lesezeit: 3 min
Wie innovationsfähig sind deutsche Unternehmen wirklich?
Ob eine Idee zur erfolgreichen Innovation wird, hängt von vielen Faktoren ab – nicht alle davon sind planbar. (Foto: iStock / Dilok Klaisataporn) Foto: Dilok Klaisataporn

Eine persönliche Standortbestimmung zwischen Anspruch, Realität und Potenzial

Wann sind Sie zuletzt mit etwas wirklich Neuem in Berührung gekommen? Vielleicht war es keine bahnbrechende Erfindung, sondern eine neue Arbeitsweise, ein veränderter Prozess oder ein Produkt, das einen alten Standard ersetzt hat. Innovation beginnt selten spektakulär – aber immer mit der Frage, was „neu“ eigentlich für wen bedeutet und welche Veränderungen damit einhergehen.

Diese Überlegung führt direkt zum Kern der Innovationsdebatte: Innovation ist kein Selbstzweck, sondern hat das Ziel, den Status quo zu verbessern. Sie entsteht dort, wo Bestehendes hinterfragt, weiterentwickelt oder bewusst neu gedacht wird. Doch wie gelangt das Neue überhaupt in die Welt – und warum tun sich manche Organisationen damit leichter als andere?

Innovation ist kein Zufall – aber auch kein Einzelwerk

Ein Blick in die Kulturgeschichte macht deutlich, wie tief Innovation im menschlichen Handeln verankert ist. Stanley Kubricks Film "2001: Odyssee im Weltraum" illustriert diesen Gedanken eindrucksvoll: Ein externer Impuls – symbolisiert durch den Monolithen – setzt einen Entwicklungssprung in Gang. Auch ohne Science-Fiction bleibt die Botschaft aktuell: Innovation braucht Auslöser, Experimentierfreude und vor allem Durchhaltevermögen.

Lange Zeit wurde Innovationskraft einzelnen Persönlichkeiten zugeschrieben – von Leonardo da Vinci über Marie Curie bis hin zu industriellen Pionieren wie Gottlieb Daimler. Heute ist dieses Bild zu kurz gegriffen. Innovation entsteht zunehmend im Zusammenspiel von Teams, Disziplinen, Organisationen und ganzen Ökosystemen. Damit verschiebt sich auch die Frage: Weg vom "Wer ist innovativ?" hin zu "Unter welchen Bedingungen kann Innovation gelingen?"

Der Standortfaktor: Innovation im System denken

Wer über Innovationsfähigkeit im Unternehmen spricht, sollte den Blick weiten. Denn Unternehmen agieren nicht im luftleeren Raum, sondern eingebettet in ein nationales und internationales Innovationssystem. Vergleichsstudien wie der jährliche Innovationsindikator zeigen, wie Volkswirtschaften entlang von Kriterien wie Forschung, Schlüsseltechnologien, Transferfähigkeit oder Nachhaltigkeit aufgestellt sind.

Für Unternehmen liegt darin ein oft unterschätzter Mehrwert: Solche Analysen helfen, die eigene Innovationsstrategie realistisch einzuordnen. Wo liegen strukturelle Hürden? Welche Rahmenbedingungen wirken unterstützend? Und an welchen Stellen lohnt es sich, externe Impulse gezielt aufzugreifen? Der Innovationsindikator kann so als strategischer Kompass dienen – nicht als Bewertung einzelner Unternehmen, sondern als Orientierung im Standortumfeld.

Methoden, die aus Ideen Innovationen machen

Ob eine Idee zur erfolgreichen Innovation wird, hängt von vielen Faktoren ab – nicht alle davon sind planbar. Glück spielt eine Rolle, ebenso Timing und Marktbedürfnisse. Doch Innovationsprozesse lassen sich strukturieren und professionalisieren.

Über verschiedene Institute des Fraunhofer-Verbunds Innovationsforschung hinweg wurden dafür methodische Ansätze entlang des gesamten Innovationsprozesses systematisiert: von der strategischen Ausrichtung über Umfeld- und Nutzeranalysen bis hin zu Ideenentwicklung, Organisations- und Prozessbegleitung. Solche Methoden ersetzen keine Kreativität, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass gute Ideen nicht auf halbem Weg scheitern.

German Innovation Spotlight 2026: Ein realistischer Blick nach innen

Die zentrale Frage bleibt: Wie schätzen Unternehmen in Deutschland ihre eigene Innovationsfähigkeit tatsächlich ein? Genau hier setzt das German Innovation Spotlight 2026 an. In einer kompakten Kurzumfrage wird erhoben, wo Innovationsimpulse entstehen, welche Bereiche als Stärke wahrgenommen werden und wo Unternehmen selbst Verbesserungsbedarf sehen.

Die Studie wird im Rahmen des German Innovation Award 2026 vom German Design Council durchgeführt und wissenschaftlich vom Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung begleitet. Ziel ist weniger ein weiteres Ranking als vielmehr ein ehrliches Stimmungsbild aus der Praxis – verbunden mit konkreten Denkanstößen für die Weiterentwicklung der eigenen Innovationsfähigkeit. Vielleicht liefert diese Selbstreflexion nicht nur Erkenntnisse, sondern auch den ein oder anderen guten Vorsatz für 2026.

Zur Umfrage

Die Ausschreibungsphase zum German Innovation Award läuft noch bis zum 30. Januar 2026. Informationen gibt es hier:

www.german-innovation-award.de/how-to

Weitere Informationen:

Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung: www.innovationsforschung.fraunhofer.de

German Design Council: www.german-design-council.de

Innovationsindikator: www.innovationsindikator.de/2025

Methodensammlung der Mitgliedsinstitute im Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung:

www.innovationsforschung.fraunhofer.de/de/leistungen/innovationsmethoden.html

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Sven Schimpf

Dr.-Ing. Sven Schimpf ist Geschäftsführer des Fraunhofer-Verbunds Innovationsforschung.
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