Finanzen

Finanzmärkte 2026: Welche Risiken Anleger beachten müssen

Die Kapitalmärkte treten in eine Phase erhöhter Unsicherheit, geprägt von Technologieumbrüchen, geopolitischen Spannungen und Rohstoffdynamik. Welche Risiken und Chancen ergeben sich daraus für Anleger im Jahr 2026?
31.01.2026 17:32
Lesezeit: 3 min
Finanzmärkte 2026: Welche Risiken Anleger beachten müssen
Künstliche Intelligenz, Edelmetalle und geopolitische Risiken bestimmen die Entwicklung der Finanzmärkte im Jahr 2026 (Foto: iStock.com, AndreyPopov) Foto: AndreyPopov

Ein Jahr wachsender Spannungen an den Finanzmärkten

Was Anleger im Jahr 2026 erwartet, welche Risiken dominieren und wo sich Chancen eröffnen, stand im Mittelpunkt eines Webinars der Börse Ljubljana. Die Kapitalmärkte wurden 2025 von geopolitischen Spannungen, neuen Rekorden an den Aktienbörsen, stark steigenden Preisen für Gold und Silber, handelspolitischen Konflikten sowie dem rasanten Aufstieg der künstlichen Intelligenz geprägt.

An der Diskussion nahmen unter anderem Blaž Hribar, Vorstandsmitglied der Pensionsgesellschaft A, sowie Marko Bolarič, Börsenhändler bei der OTP Bank, teil. Sie analysierten die Entwicklungen des vergangenen Jahres und ordneten ein, welche Faktoren Anleger im laufenden Jahr besonders im Blick behalten sollten.

Künstliche Intelligenz treibt Bewertungen und Erwartungen

Das vergangene Jahr war von massiven Investitionen in Unternehmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz geprägt. Bolarič betonte, dass es sich dabei nicht um ein kurzfristiges Phänomen handele. Anleger investierten gezielt in Unternehmen, um sich dem KI-Markt und der zugrunde liegenden Technologie auszusetzen.

Kurzfristig handle es sich jedoch um sehr hohe Investitionen, denen bislang noch keine entsprechend hohen Erträge gegenüberstünden. Entscheidend sei, welche Unternehmen ihre Investitionen künftig tatsächlich monetarisieren könnten und ob sich dies in steigenden Umsätzen und Gewinnen niederschlage.

Quartalszahlen als Belastungsprobe für den Markt

Nach Einschätzung von Bolarič müssen die Einnahmen der Unternehmen spürbar wachsen, insbesondere in den USA, wo Quartalsberichte eine zentrale Rolle spielen. Die aktuelle Situation mit hohen Ausgaben und vergleichsweise niedrigen Erlösen wirke sich negativ auf die Berichte aus. Jede Abweichung von den hohen Markterwartungen werde von den Börsen bestraft. Dies erhöhe die Volatilität, insbesondere im Technologiesektor, der stark von Zukunftserwartungen geprägt sei.

Bewertungsrisiken und mögliche Folgen für die Realwirtschaft

Hribar verwies darauf, dass neue Technologien oft starke Fantasien auslösten. Vieles basiere auf Zukunftserzählungen und Versprechen, während konkrete, greifbare Ergebnisse noch fehlten. Anleger verlieren dabei häufig das Augenmerk auf die Frage der Profitabilität und auf eine angemessene Bewertung.

Ein zentrales Risiko für die Jahre 2026 und 2027 sieht Hribar im weiteren Verlauf der KI-Entwicklung. Ein enttäuschender Ausgang oder auch nur ein Zurückbleiben hinter den Erwartungen könne zu deutlichen Kursverlusten führen, nicht nur bei Technologieaktien. Auch wenn es in Slowenien keine börsennotierten KI-Unternehmen gebe, könnten sich negative Effekte über Stimmungsumschwünge und rückläufige Auslandsaufträge auf die gesamte Wirtschaft auswirken.

Technologischer Wandel treibt die Nachfrage nach Silber

Neben Aktienmärkten standen auch Edelmetalle im Fokus der Diskussion. Die Preise für Gold und Silber legten 2025 stark zu und der Aufwärtstrend setzte sich fort. Gold verteuerte sich im Jahresverlauf um rund 65 Prozent, Silber sogar um 142 Prozent.

Bolarič sieht einen wesentlichen Grund für den starken Anstieg des Silberpreises in neuen Technologien. Sowohl die Solarindustrie als auch die Elektromobilität benötigten zunehmend größere Mengen des Metalls, was die Nachfrage strukturell erhöhe.

Steigende Kosten und begrenzte Anpassungsfähigkeit der Industrie

Zusätzlich seien die Inputkosten, insbesondere in der Solarindustrie, gestiegen. Die Industrie werde sich langfristig an höhere Rohstoffpreise anpassen, sei es durch effizientere Nutzung oder durch Substitution.

Kurzfristig seien solche Anpassungen jedoch nur begrenzt möglich. Zwar versuchten Minenunternehmen, bei den aktuellen Preisen ihre Produktion auszuweiten, doch erfordere dies Investitionen und Zeit, sodass ein schneller Ausgleich am Markt nicht zu erwarten sei.

Zentrale Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte 2026

Auf die Frage, welche Faktoren Anleger 2026 besonders beobachten sollten, nannte Bolarič zunächst die Unternehmenszahlen, sowohl auf Quartals- als auch auf Jahresbasis. Auf globaler Ebene spielten geopolitische Entwicklungen und handelspolitische Maßnahmen wie Zölle eine entscheidende Rolle.

Hinzu kämen die Preise für Energieträger, die insbesondere für energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie von großer Bedeutung seien. Für Slowenien verwies Bolarič zudem auf die anstehenden Wahlen als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor.

Europäische Chancen und strukturelle Sorgen

Hribar betonte, dass die Zukunft grundsätzlich ungewiss sei und genau darin der Reiz der Kapitalmärkte liege. Anleger könnten lediglich Risiken und Chancen abwägen. Derzeit sei die weltweite Lage von hoher Unsicherheit geprägt, während die Bewertungen an den Aktienmärkten, insbesondere im Technologiesektor, sehr hoch seien.

Sorgen bereiteten ihm zudem die fiskalische Tragfähigkeit der aktuellen Ausgaben- und Investitionspolitik. Chancen in Europa sieht Hribar vor allem in den Bereichen Verteidigung, Energie sowie in der Stärkung technologischer Unabhängigkeit.

Implikationen für deutsche Anleger und Unternehmen

Für Deutschland ergeben sich aus diesen Einschätzungen mehrere Anknüpfungspunkte. Die starke Abhängigkeit der deutschen Industrie von stabilen Energiepreisen macht die Entwicklung an den Rohstoff- und Energiemärkten besonders relevant. Gleichzeitig ist der Technologiesektor eng in globale Bewertungszyklen eingebunden, sodass mögliche Korrekturen bei KI-Aktien auch deutsche Unternehmen und Investoren treffen könnten.

Zugleich eröffnen die von Hribar genannten europäischen Schwerpunkte Verteidigung, Energie und technologische Souveränität Chancen für deutsche Industrie- und Technologiekonzerne. Die strategische Ausrichtung der Kapitalmärkte 2026 dürfte damit auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung sein.

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