Goldpreis aktuell: Volatilität statt Stabilität
In den vergangenen Jahren kannte der Goldpreis nur noch eine Richtung: nach oben. Allein im Jahr 2025 legte das gelbe Edelmetall mehr als 60 Prozent an Wert zu. Geopolitische Risiken, wirtschaftliche Unsicherheiten und eine lockere Geldpolitik mit immer weiter sinkenden Zinsen trieben die Investoren in sichere Häfen – und Gold gilt seit ewigen Zeiten als sicherer Hafen.
Der Goldpreisanstieg verstärkte sich seit dem Jahreswechsel noch weiter: Zwischen dem 1. Januar und dem Goldpreis-Rekordhoch am 28. Januar bei 5.416,40 US-Dollar liegt ein Kursplus von über 25,5 Prozent. Doch plötzlich ging es abwärts, es gab eine kräftige Gegenbewegung beim Goldpreis. Am 29. Januar fiel der Goldpreis um mehr als zehn Prozent, im Folgenden büßte das wichtigste Edelmetall innerhalb weniger Tage große Teile seiner Kursgewinne seit Jahresbeginn wieder ein. Parallel ging es auch für den Silberpreis nach unten, ihn erwischte es zeitweise noch schlimmer. Wesentlicher Auslöser für den Einbruch am Edelmetallmarkt war die Nominierung des früheren Fed-Gouverneurs Kevin Warsh als Nachfolger für US-Notenbank-Chef Jerome Powell durch US-Präsident Donald Trump. Das schürte an den Märkten Zweifel, dass es tatsächlich zu einer deutlichen Lockerung der Geldpolitik kommen wird.
Zu Beginn der neuen Handelswoche zeigt sich der Goldpreis aktuell mehr oder weniger stabil um 5.000 US-Dollar. Sind Edelmetalle, insbesondere Gold, immer noch sichere Häfen? Was spricht dafür und was dagegen?
Gold kaufen? Glanz und Schattenseiten von Gold – was Anleger wissen müssen
Je mehr Unsicherheit in der Welt herrscht, desto besser läuft es für den Goldpreis. So lautet zumindest eine alte Börsenregel. Und tatsächlich hat der Goldpreis in diesem Jahr Rekordstände erreicht, zeitweise war die magische Marke von 6.000 US-Dollar je Unze nicht mehr weit entfernt. Trotz der volatilen Kurssprünge liegt der Goldpreis aktuell weiterhin deutlich über dem Niveau von vor einem Jahr.
Aber: Die Goldpreis-Entwicklung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass Gold trotz seines Rufs nicht mehr automatisch die stabilste Anlage ist, die nur steigt. Wenn Märkte – ob Gold, Silber, Kryptowährungen oder Aktien – neue Höchststände erreichen, steigt das Interesse auch bei weniger erfahrenen Anlegern. Doch ein Investment in Gold ist nicht für jeden Anleger eine „glänzende“ Investition. Wer Risiken scheut, starke Kursschwankungen nicht aushält oder seine letzten Ersparnisse investieren möchte, für den ist Gold nicht die passendste Anlageform.
Falls Sie Gold kaufen wollen, sollten Sie einige Dinge beachten. Damit Sie nicht zu schnell Verluste erleiden, haben wir einen kurzen Leitfaden für Einsteiger zusammengestellt.
Für wen ist die Goldanlage geeignet – und für wen nicht?
Gold gilt als „sicherer Hafen“, der in Zeiten hoher Inflation, Finanzkrisen oder geopolitischer Unsicherheit an Bedeutung gewinnt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gold risikofrei ist. Kurssprünge nach oben und unten sind jederzeit möglich – wie die vergangenen Tage gezeigt haben.
Auch Blaž Hribar von der Pensionsgesellschaft A widerspricht bei den slowenischen DWN-Kollegen von Finance der Einstufung als sichere Anlage: „Eine Anlage, die innerhalb von acht Monaten mehr als die Hälfte an Wert gewinnt, verdient kaum das Label ‚sicher‘. Was schnell 50 Prozent steigt, kann ebenso schnell 30 Prozent fallen.“ Die Ereignisse im Januar 2026 haben den monatlichen Goldvolatilitätsindex, der die Plötzlichkeit von Preisänderungen in den vergangenen 30 Tagen misst, über den Wert des Bitcoin-Index steigen lassen, wie Bloomberg feststellte – mit anderen Worten: Gold war kurzfristig schwankungsanfälliger als Kryptowährungen.
Wer physisches Gold kaufen möchte – in Form von Goldbarren oder Goldmünzen –, muss auf Qualität, Reinheit und Lagerkosten achten. Wer Gold hingegen als Finanzinvestment betrachtet, sollte wissen: Auch der börsengehandelte Handel ist nicht immun gegen wirtschaftliche Schocks. Die Kursrallye im Januar brachte zum Monatsende eine deutliche Ernüchterung.
Gold eignet sich in der Regel nicht für kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse oder schnelle Spekulation. Für langfristig orientierte Anleger kann es jedoch interessant sein – allerdings eher als Beimischung im Portfolio, nicht als dominierender Baustein. Der Investmentstratege Philipp Vorndran rät: In jedem Portfolio ist Platz für fünf bis zehn Prozent Gold – aber nicht mehr.
Wann sollten Anleger in Gold investieren?
Die klassische Regel für Anleger lautet: Kaufen, wenn die Preise niedrig sind, und verkaufen, wenn die Preise hoch sind. Doch bei Gold ist das etwas schwieriger als bei Aktien oder Immobilien, da sich kein „innerer Wert“ berechnen lässt. Anleger sind oft darauf angewiesen, Goldkurscharts zu verfolgen und Expertenmeinungen oder Zentralbankprognosen zu glauben, die Goldpreise manchmal in die Höhe treiben, manchmal aber auch folgenlos bleiben. Der erfolgreiche Goldkauf scheint eine Wissenschaft für sich.
Dennoch zeigen historische Muster: Gold steigt häufig bei geopolitischen Spannungen, Finanzkrisen oder Handelskonflikten. In den vergangenen sechs Jahren tendierte der Goldpreis überwiegend nach oben. In solchen Phasen wirkt Gold als Krisenschutz, da Investoren nach stabileren Anlageformen suchen. Bei hoher Inflation kann Gold langfristig die Kaufkraft erhalten und als Schutz vor Geldentwertung dienen – besonders bei niedrigen oder negativen Realzinsen.
Wohin geht die Goldpreis-Entwicklung?
Kurssprünge hin oder her, immer noch notiert der Goldpreis aktuell nahe historischer Höchststände. Ein wichtiger Treiber waren chinesische Anleger, die angesichts der Krise am heimischen Immobilienmarkt verstärkt nach sicheren Alternativen suchten. Statt Immobilien investierten sie in Gold und Silber. Bloomberg zufolge trieben chinesische Privatanleger und Fonds den Goldpreis und den Silberpreis nach oben.
Der jüngste Preisrückgang bei Gold, Silber und Platin hängt vor allem mit der Ernennung des neuen Chefs der US-Notenbank zusammen: Kevin Warsh gilt als Befürworter eines starken Dollars. Da Edelmetalle in US-Dollar gehandelt werden, führt ein stärkerer Dollar meist zu sinkenden Metallpreisen. Die Frage bleibt: Fällt Gold zurück auf 3.000 Dollar – oder setzt sich die Goldpreisrallye nach einer deutlichen Korrektur fort? Was passiert, wenn Anleger den ersten Schock verdaut haben? Sollten dann auch Sie Gold kaufen und auf die Goldpreisentwicklung setzen? Bloomberg warnt jedoch, dass die Ernennung von Warsh nicht der einzige Grund war für den kräftigen Rücksetzer; sie ist nur ein Teil der Erklärung für den starken und rasanten Anstieg der Edelmetallpreise.
Viele Prognosen erwarten trotz aller Volatilität mittelfristig weiterhin hohe Preise. JPMorgan rechnet bis Jahresende 2026 mit 6.300 Dollar je Unze. Reuters zitiert dazu: „Trotz kurzfristiger Volatilität sind wir von einem mittelfristigen Aufwärtstrend überzeugt, da reale Vermögenswerte weiterhin besser abschneiden als Papierwerte.“ Bloomberg sieht den Durchschnitt der Analystenschätzungen bei etwa 4.700 Dollar zum Jahresende.
Was bedeutet eigentlich Gold kaufen?
Gemeint ist beim Goldkauf meist sogenanntes Anlagegold, also physisches Gold hoher Reinheit, standardisiert, mit bekanntem Gewicht, das sich relativ leicht kaufen und verkaufen lässt. Typisch sind Goldbarren oder Goldmünzen. Barren dienen vor allem der Wertaufbewahrung.
Wichtig ist die Reinheit: Meist handelt es sich um 24 Karat, also nahezu reines Gold. Schmuck ist in der Regel weniger rein. Eine Unze entspricht etwa 31 Gramm.
Muss man Gold physisch besitzen, um in Gold zu investieren?
Nein. Der Vorgang Gold kaufen kann auch Finanzprodukte umfangen, die an den Goldpreis gekoppelt sind, zum Beispiel:
- Gold-ETFs
- Gold-CFDs
- Gold-Optionen
- Gold-Futures (Terminkontrakte)
In diesen Fällen erhält der Anleger kein physisches Gold, sondern ist nur an der Preisentwicklung beteiligt. Das ist einfacher handelbar, aber stärker an das Finanzsystem gebunden, als wenn Sie als Anleger einen Goldbarren im Tresor lagern. Gold-ETFs bilden den Goldpreis nach oder investieren in goldbezogene Aktien. Kritisch diskutiert wird dabei oft, wie hoch die tatsächliche physische Hinterlegung ist. Derivate wie Gold-Futures oder Gold-CFDs gelten für Privatanleger als riskant und eher ungeeignet, da sie Spekulation auf Kursbewegungen ohne Besitz ermöglichen.
Wichtig: Wer Schutz vor systemischen Risiken sucht, ist mit physischem Gold besser beraten – ohne entsprechende Räumlichkeiten und einen Tresor geht aber nichts. Wer aktiv Gold handeln möchte, nutzt eher Finanzprodukte.
Allerdings: In Deutschland (und der EU) dürfen klassische ETFs, die ausschließlich in einen einzigen Rohstoff wie Gold investieren und dessen Preis abbilden, nicht aufgelegt bzw. öffentlich vertrieben werden. Das liegt an den UCITS-Richtlinien, die Fonds wie Exchange Traded Funds zu einer breiten Diversifikation verpflichten — was bei reinen Gold-ETFs naturgemäß nicht der Fall ist. Konkret heißt das, dass es Gold-ETFs im klassischen Sinne hierzulande nicht als reguläre Investmentfonds gibt.
Tipp: Was aber sehr wohl an deutschen Börsen handelbar ist, sind sogenannte Gold-ETCs (Exchange Traded Commodities). Diese werden ähnlich wie ETFs an der Börse gehandelt und bilden die Wertentwicklung des Goldpreises nach. Sie sind gesetzlich zugelassen und können beispielsweise über deutsche Online-Broker oder Neobroker gekauft und verkauft werden. Zu den bekanntesten Gold-ETCs gehören Xetra-Gold und EUWAX Gold.
Lohnt sich der Verkauf von Goldschmuck bei hohen Preisen?
Nicht getragener Schmuck, Besteck oder andere Goldgegenstände werden von Juwelieren oder Goldhändlern angekauft. Der Preis hängt von der Reinheit ab: Je niedriger der Karatwert, desto geringer der Erlös. Zudem liegt der Ankaufspreis meist deutlich unter dem Börsenkurs. Angebote unterscheiden sich oft um mehrere Prozent – ein Vergleich lohnt sich.
Wie Gold kaufen – und wo lagern?
Goldbarren, Plättchen und Münzen gibt es bei spezialisierten Händlern im In- und Ausland, teilweise auch bei Banken. Beim Kauf ist auch der Euro/Dollar-Wechselkurs relevant: Der Börsenpreis wird in Dollar notiert, Händler rechnen meist in Euro pro Gramm. Bei kleineren Stückelungen verlangen Goldhändler in der Regel höhere Aufschläge.
Wer physisches Gold kaufen möchte, benötigt auch eine sichere Lagerung – etwa einen Bankschließfach-Tresor. Die Kosten liegen meist bei mehreren Dutzend Euro jährlich, abhängig von der Größe. Die Verfügbarkeit sollte vorab geprüft werden.
Welche Steuern fallen beim Goldhandel an?
Entscheidend für die steuerliche Behandlung ist die konkrete Form der Goldanlage. Beim Kauf von physischem Gold, etwa in Form von Barren oder Münzen, gelten Kursgewinne grundsätzlich als privates Veräußerungsgeschäft. Diese sind in Deutschland steuerfrei, sofern zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Erfolgt der Verkauf innerhalb dieser Frist, können Gewinne steuerpflichtig sein, sofern die Freigrenze überschritten wird. Eine Ausnahme besteht zudem, wenn der Handel gewerblich betrieben wird.
Bei börsengehandelten Produkten wie Gold-ETCs oder Goldminenaktien gelten hingegen andere Regeln: Kursgewinne unterliegen in der Regel der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, unabhängig von der Haltedauer. Eine vollständige Steuerfreiheit nach bestimmten Jahren, wie sie in manchen Ländern existiert, sieht das deutsche Steuerrecht für solche Wertpapierprodukte nicht vor.
Eine Besonderheit stellt Xetra-Gold dar, da es sich rechtlich nicht um einen klassischen ETF, sondern um eine Inhaberschuldverschreibung mit physischem Auslieferungsanspruch handelt. Nach aktueller Rechtsprechung kann Xetra-Gold steuerlich ähnlich wie physisches Gold behandelt werden. Das bedeutet, dass Kursgewinne bei privaten Anlegern in der Regel steuerfrei sein können, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als ein Jahr liegt. Wird das Produkt hingegen innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist veräußert, können Gewinne als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig sein. Aufgrund der besonderen Konstruktion und möglicher Änderungen durch Gesetzgebung oder Finanzverwaltung sollten Anleger im Zweifel steuerlichen Rat einholen.
Gold bleibt wertvoll – aber nicht risikolos
Gold ist weiterhin ein wichtiger Baustein für Anleger, die ihr Portfolio gegen Krisen absichern wollen. Doch die jüngsten Kursbewegungen zeigen klar: Auch Gold ist längst nicht mehr automatisch stabil. Politische Entscheidungen, ein starker Dollar oder spekulative Übertreibungen können den Goldpreis stark schwanken lassen. Wer in Gold investieren möchte, sollte sich daher gut überlegen, ob er physisches Gold zur Absicherung sucht oder Finanzprodukte für den Handel nutzt. Als Beimischung in einem gut diversifizierten Wertpapierdepot von fünf bis zehn Prozent kann Gold sinnvoll sein – als alleinige Strategie jedoch riskant.


