Bitcoin-Kurs aktuell um 70.000 Dollar: Wie viel Schmerz kommt noch?
Seit dem Hoch im Oktober hat sich der Bitcoin-Kurs bereits mehr als halbiert. Wenn man frühere Marktzyklen als Maßstab nimmt: Wo und wann könnte der Tiefpunkt erreicht werden? Sind wir wirklich erst auf halber Strecke?
Der Kryptomarkt wurde in der vergangenen Woche von einem deutlichen Kursrutsch beim Bitcoinpreis geprägt: Von gut 79.000 US-Dollar am Montag fiel der Bitcoin-Kurs bis Freitag auf nur noch annähernd 60.000 Dollar – ein Minus von fast 25 Prozent innerhalb nur einer Woche. Seit dem Bitcoin-Rekordhoch am 6. Oktober 2025 bei 125.965,52 US-Dollar hatte sich die wichtigste Kryptowährung zu diesem Zeitpunkt im Wert mehr als halbiert. Für den Bitcoin-Kurs geht es in den vergangenen Wochen langsam und seit Mitte Januar in großen Schritten abwärts. Zwar setzte bis zum Ende des Wochenendes eine Gegenbewegung ein, doch diese blieb begrenzt: Am gestrigen Sonntag um 17 Uhr musste für einen Bitcoin rund 71.000 Dollar bezahlt werden. Zum Start in die neue Handelswoche tendiert der Bitcoin-Kurs aktuell um 70.500 US-Dollar.
Kryptomarkt im Bärenjahr: Warum der BTC-Kurs seit Monaten fällt
Die Bitcoin-Kursentwicklung verläuft typischerweise in sogenannten Vierjahreszyklen. Wie an jedem Markt wird die Dynamik dabei durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Das Angebot wird wesentlich durch die algorithmische Struktur von Bitcoin geprägt: Alle vier Jahre halbiert sich die Menge neu geschaffener Bitcoins, die auf den Markt kommen. Darauf folgt – zumindest in den bisherigen Zyklen – ein Jahr, in dem der Bitcoin-Kurs im letzten Quartal sein Vierjahreshoch erreicht.
So war es auch im aktuellen Zyklus: Die letzte Halbierung (das sogenannte Bitcoin-Halving) fand im April 2024 statt. Der BTC-Kurs markierte sein Hoch im Oktober 2025 und befindet sich seitdem in einem schrittweisen Abwärtstrend. Die zunehmende Geschwindigkeit des Rückgangs deutet darauf hin, dass der Kryptomarkt klar in ein Bärenjahr eingetreten ist – also jene Phase, die historisch oft auf das Zyklushoch folgt.
Makroökonomie und globale Liquidität als Schlüsselfaktoren
Neben zyklischen Angebotsmechanismen spielt auch die Nachfrageseite eine zentrale Rolle. Besonders stark wirken hier makroökonomische und geoökonomische Faktoren – allen voran die globale Liquidität an den Finanzmärkten.
Nach Analysen von Michael Howell (CrossBorder Capital, London) erklärt die Entwicklung der globalen Liquidität rund 40 Prozent der Bitcoin-Kursbewegungen. Weitere systematische Einflussfaktoren sind Gold als monetärer Referenzwert und Inflationsschutz (ca. 25 Prozent) sowie die Risikobereitschaft der Anleger, die ebenfalls etwa ein Viertel beiträgt. Der Bitcoin-Kurs verhält sich damit in erster Linie wie ein makroökonomisches Instrument mit hoher Liquiditätssensitivität.
Wie tief kann der Bitcoin-Kurs in diesem Zyklus noch fallen?
Exakte Marktprognosen sind unmöglich. Doch da Bitcoin in wiederkehrenden Mustern verläuft, lassen sich aus früheren Zyklen zumindest grobe Orientierungswerte ableiten. Nach dem Hoch im November 2013 folgte ein Kursrückgang von 84 Prozent. Auf den Peak im Dezember 2017 folgte ein Minus von 83 Prozent. Nach dem Bitcoin-Allzeithoch im Oktober 2021 fiel die bekannteste Digitalwährung um 77 Prozent bis zum lokalen Tief.
Sollte sich das Muster auch nach dem Hoch von rund 126.000 Dollar im Oktober 2025 wiederholen, könnte das nächste lokale Tief zwischen 20.000 und 29.000 US-Dollar liegen. Das würde bedeuten: Auf den bisherigen Rückgang von 52 Prozent zwischen dem 6. Oktober 2025 und dem 6. Februar 2026 könnte nochmals ein ähnlich starker Abschwung folgen.
Wie lange dauert ein Bärenmarkt typischerweise?
Die Historie zeigt, dass der Zeitraum vom Vierjahreshoch bis zum anschließenden Tief meist etwa ein Jahr umfasst:
- Nach dem Hoch 2013 dauerte es fast 14 Monate bis zum Tief
- Nach dem Hoch 2017 exakt 12 Monate
- Nach dem Hoch 2021 knapp 13 Monate
Sollten sich diese Zeiträume wiederholen, könnte der Bitcoinkurs sein Tief vor einer Erholung zwischen Oktober und Dezember 2026 erreichen.
Der aktuelle Bitcoin-Kursverfall verläuft schneller als früher
Allerdings spricht die aktuelle Dynamik gegen eine lineare Wiederholung: Der Absturz von 126.000 auf 60.000 Dollar erfolgte innerhalb von nur vier Monaten – deutlich schneller als in den Bärenphasen 2014, 2018 oder 2022.
Auch technische Indikatoren bestätigen die Schwäche: Der Kurs ist bereits unter den 50-Wochen- und 100-Wochen-Durchschnitt gefallen. Analyst Benjamin Cowen erwartet, dass auch die 200-Wochen-Linie zwischen Februar und Mai unterschritten werden könnte. Zudem kann sich ein 12- bis 14-monatiger Abwärtstrend strecken: Zwischenrallyes oder Phasen der Seitwärtsbewegung sind in Bärenmärkten üblich, bevor es zu weiteren Abwärtswellen kommt.
Vorsicht bei neuen Kaufgelegenheiten
Michael Howell warnt, dass sich die globale Liquidität – also die Menge an Geld und Kredit, die an den Finanzmärkten zirkuliert – derzeit verknappt. Das belastet insbesondere riskante Anlageklassen. Die US-Notenbank und andere Zentralbanken entfernen sich zunehmend von der Ära des „billigen Geldes“. Durch quantitative Straffung werden die Zentralbankbilanzen reduziert – ein struktureller Wandel der monetären Rahmenbedingungen. Howell erwartet keinen abrupten Crash, betont jedoch: Mit dem Rückzug der Liquidität verändert sich das Marktverhalten. Die Phase sorglosen Risikoappetits endet, Anleger müssen sich auf ein defensiveres Umfeld einstellen.
Auch Benjamin Cowen sieht die Kryptomärkte inzwischen in einem spätzyklischen Regime mit eingeschränkter Liquidität. Der Bitcoin-Peak im Herbst 2025 sei nicht durch breite Kleinanleger-Euphorie, hohe Hebel oder spekulative Übertreibung getrieben worden, sondern durch einen vergleichsweise engen Investorenkreis – historisch eher ein Zeichen von Erschöpfung als von neuem Aufschwung. Da die Geldpolitik real restriktiv bleibt und die Konjunktur die Politik bislang nicht zu aggressiven Liquiditätsspritzen zwingt, bewertet Cowen das Chancen-Risiko-Verhältnis derzeit als ungünstig: Kurzfristige Erholungen seien möglich, aber taktischer Natur – langfristig stehen Kapitalerhalt, Selektivität und Vorsicht im Vordergrund.
Bitcoin bleibt ein Liquiditätsbarometer mit hohen Risiken
Der Bitcoin-Kurs zeigt erneut, wie eng Kryptowährungen an makroökonomische Faktoren gekoppelt sind. Vierjahreszyklen liefern zwar Orientierung, doch sinkende globale Liquidität und eine restriktive Geldpolitik verschärfen die Abwärtsrisiken. Historische Vergleiche legen nahe, dass der Markt seinen Boden noch nicht zwingend gefunden hat. Zwischenrallyes sind möglich, sollten jedoch nicht mit einer nachhaltigen Trendwende verwechselt werden. Für Anleger bedeutet das: Kapitalerhalt und selektives Vorgehen stehen im Vordergrund, während spekulative Euphorie derzeit fehl am Platz ist.


