Wirtschaft

EU-Maßnahmen gegen China: Subventionen nur für Autos „Made in EU“

Die EU-Kommission will Subventionen für Elektroautos, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge an strengere europäische Wertschöpfungsvorgaben knüpfen und reagiert damit auf die wachsende Konkurrenz aus China. Welche Folgen hat dieser Kurs für Hersteller und Lieferketten in Europa?
23.02.2026 11:00
Lesezeit: 3 min
EU-Maßnahmen gegen China: Subventionen nur für Autos „Made in EU“
Die EU verschärft ihre Subventionsregeln für emissionsarme Fahrzeuge, um sich gegen die wachsende Konkurrenz aus China zu behaupten und die europäische Wertschöpfung zu stärken (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Neue EU-Vorgaben für staatliche Auto-Subventionen

Die Europäische Kommission will laut einem Bericht der Financial Times künftig staatliche Förderungen für Elektroautos, Hybridfahrzeuge und Wasserstoffmodelle an strengere Herkunftsregeln knüpfen. Förderfähig sollen nur noch Fahrzeuge sein, die in der EU gefertigt werden und deren Wertschöpfung überwiegend aus Europa stammt. Konkret sieht der Entwurf vor, dass mindestens 70 Prozent der Bauteile nach ihrem Wert in der EU produziert worden sein müssen. Damit würde der Zugang zu Subventionen direkt an eine klar definierte europäische Produktionsquote gebunden.

Der Vorstoß greift einen überarbeiteten Vorschlag des europäischen Zuliefererverbands CLEPA auf. Dieser hatte die Kommission bereits im Oktober vergangenen Jahres aufgefordert, mit einem Schwellenwert von 75 Prozent lokaler Komponenten einen zusätzlichen Schutzmechanismus einzuführen. Sollte dieser Anteil nicht erreicht werden, sollten Hersteller nach Vorstellung des Verbands selbst bei einer Endmontage in der EU mit Zöllen belegt werden. Die Kommission bleibt mit 70 Prozent nun leicht unter dieser Forderung, setzt aber ebenfalls auf eine deutliche Verschärfung.

Strengere Vorgaben im Industrie-Beschleunigungsakt

Die neuen Regeln sollen Teil des Industrie-Beschleunigungsakts sein, den die Kommission am 25. Februar vorlegen will. Ziel ist es, die europäische Industriepolitik enger mit der Förderpraxis für emissionsarme Fahrzeuge zu verknüpfen.

Nach dem aktuellen Entwurf müssten alle neuen Elektroautos, Plug-in-Hybride und Wasserstofffahrzeuge, die staatliche Subventionen erhalten oder von öffentlichen Stellen gekauft oder geleast werden, in der EU montiert werden. Öffentliche Aufträge würden damit ebenfalls an die neuen Kriterien gebunden. Zusätzlich gilt die 70-Prozent-Vorgabe für Bauteile, gemessen am Wert der in der EU gefertigten Komponenten. Damit würde nicht nur der Montageort, sondern die gesamte Lieferkette stärker in den Fokus rücken.

Batterien als neuralgischer Punkt der Wertschöpfung

Bei der Berechnung soll die Batterie nicht vollständig berücksichtigt werden. Dennoch schreibt der Entwurf vor, dass mehrere zentrale Bestandteile des Batteriepakets europäischen Ursprungs sein müssen.

Gerade hier liegt jedoch ein strukturelles Problem. Die europäische Automobilindustrie ist trotz zahlreicher angekündigter und teilweise umgesetzter Investitionen in Gigafabriken weiterhin in hohem Maß von chinesischen und südkoreanischen Batterielieferanten abhängig. Für viele Hersteller bedeutet dies erheblichen Anpassungsdruck. Wer Fördermittel in Anspruch nehmen will, muss die Lieferketten stärker europäisch ausrichten, was Investitionen und langfristige Umstrukturierungen erforderlich macht.

Schutz der Produktionsbasis vor chinesischer Konkurrenz

Die Kommission verfolgt mit dem Vorhaben das Ziel, die europäische Produktionsbasis vor preisaggressiver Konkurrenz aus China zu schützen. Gleichzeitig soll die heimische Lieferkette stabilisiert und strategisch gestärkt werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte Brüssel eine „Made in Europe“-Strategie angekündigt und unter anderem einen 1,8 Milliarden Euro schweren Fonds zur Förderung der Batterieproduktion in der EU aufgelegt. Die neuen Vorgaben würden diese Linie konsequent fortsetzen.

Zulieferer und ihre Verbände unterstützen die Pläne ausdrücklich. Sie warnen, dass Europa ohne rasche Gegenmaßnahmen bis zu 350.000 Arbeitsplätze verlieren könnte, da mit dem Übergang zur Elektromobilität Wertschöpfung ins Ausland abwandere. Nach Angaben der Branche stammen bereits heute zwischen 75 und 80 Prozent der Komponenten von in der EU montierten Fahrzeugen aus europäischer Produktion. Die neuen Regeln würden aus ihrer Sicht vor allem das bestehende industrielle Gleichgewicht absichern.

Geteilte Positionen in der Automobilindustrie

Zugleich sehen Zulieferer die Gefahr, dass chinesische Hersteller Montagewerke in der EU errichten könnten, um Fahrzeuge aus importierten Bausätzen zusammenzusetzen und so Zölle zu umgehen. Strengere Herkunftsvorgaben sollen solche Modelle wirtschaftlich weniger attraktiv machen.

Innerhalb der Automobilindustrie sind die Positionen jedoch nicht einheitlich. Die deutschen Konzerne BMW und Mercedes Benz, die stark im chinesischen Markt engagiert sind, warnen vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen und negativen Effekten auf Innovationsprozesse. Der französische Hersteller Renault, der stärker vom europäischen Markt abhängt, unterstützt den Vorschlag grundsätzlich. Allerdings plädiert das Unternehmen für einen etwas niedrigeren Schwellenwert bei den lokalen Komponenten.

Industriepolitische Weichenstellung für den Standort Deutschland

Für Deutschland als größten Automobilstandort Europas hat der Vorstoß erhebliche Tragweite. Strengere lokale Wertschöpfungsvorgaben könnten Investitionen in Batteriezellfertigung und Zulieferstrukturen im Inland beschleunigen und industrielle Kapazitäten sichern.

Gleichzeitig steigen die außenwirtschaftlichen Risiken. Sollten Handelskonflikte mit China eskalieren, träfe dies insbesondere exportorientierte Hersteller mit starker Präsenz auf dem chinesischen Markt. Die geplanten Maßnahmen markieren damit nicht nur eine industriepolitische Neujustierung auf EU-Ebene. Sie werden auch für die deutsche Automobilindustrie zu einer strategischen Bewährungsprobe zwischen Standortstärkung und globaler Abhängigkeit.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienvermögen: Warum Erben Arbeit schlägt
04.10.2026

Deutschlands Wohlstandsversprechen gerät ins Wanken: Während Immobilien- und Erbschaftsvermögen immer wichtiger werden, lässt sich mit...

DWN
Politik
Politik Handwerkerbonus wird gekappt: Bis zu 300 Euro weniger – Fiskus profitiert
04.10.2026

Mehr Geld im Portemonnaie – das verspricht die Einkommensteuerreform 2027. Beim Handwerkerbonus passiert das Gegenteil: Statt 1.200 Euro...

DWN
Finanzen
Finanzen 800 Milliarden Dollar für KI: Was passiert mit der Börse, wenn das größte Technologierennen langsamer wird?
04.10.2026

Die größten US-Techkonzerne investieren in diesem Jahr fast 800 Milliarden Dollar, vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur...

DWN
Politik
Politik „Auf dünnem Eis“: Weltenergie-Chef warnt, drei neue Schocks könnten Europas Preise in die Höhe treiben
04.10.2026

Europa könnte vor einem schwierigen Winter stehen. Nach Einschätzung von IEA-Chef Fatih Birol laufen gleich drei Faktoren aus, die die...

DWN
Panorama
Panorama Sie bezahlte ein Croissant mit Karte und tippte ihre PIN ins Trinkgeldfeld
04.10.2026

Ein gewöhnlicher Einkauf in einer Bäckerei am Bahnhof von Winterthur endete für eine Seniorin mit einer Abbuchung von rund 1.707 Euro....

DWN
Politik
Politik Bundesregierung sucht Erfolgsgeschichten: Klingbeils schwierige Mission
04.10.2026

Lars Klingbeil will zeigen, dass die milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung inzwischen auf Baustellen oder in der Forschung...

DWN
Panorama
Panorama In Polen wächst die Zahl der Ultrareichen weltweit am schnellsten. Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?
04.10.2026

In keinem anderen untersuchten Land ist die Zahl der Ultrareichen zuletzt so stark gestiegen wie in Polen. Dahinter stehen ein stärkerer...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Geleakter Prospekt enthüllt die Milliardenrisiken hinter Claude
03.10.2026

Anthropic gilt als einer der heißesten Kandidaten für den nächsten großen KI-Börsengang. Doch ein geleakter Prospekt zeigt, welchen...