Wirtschaft

Goldpreis reagiert kaum auf den Iran-Krieg: Warum der Anstieg ausbleibt

Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg und steigender Spannungen im Nahen Osten bislang überraschend verhalten. Welche Faktoren verhindern derzeit einen deutlichen Anstieg, obwohl geopolitische Risiken und Inflationssorgen zunehmen?
22.03.2026 16:00
Lesezeit: 3 min
Goldpreis reagiert kaum auf den Iran-Krieg: Warum der Anstieg ausbleibt
Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg bislang nur verhalten, da steigende Zinsen, ein starker Dollar und Inflationsrisiken die Nachfrage nach Gold bremsen (Foto: dpa) Foto: Thicha studio

Warum der Goldpreis trotz Iran-Krieg nicht steigt

In unsicheren Zeiten lenken Investoren üblicherweise mehr Kapital in Gold, um Risiken zu streuen und ihre Portfolios abzusichern. Doch trotz der Eskalation im Iran-Krieg ist der Goldpreis zuletzt nicht gestiegen, sondern leicht gefallen. Experten sehen darin keinen Widerspruch, sondern das Ergebnis mehrerer gegenläufiger Faktoren.

Nach Einschätzung von Triinu Tapver, Makroanalystin bei der LHV Bank, liegt der Hauptgrund in steigenden Inflationsrisiken. Da durch die Straße von Hormus derzeit weniger Öl transportiert werden kann, wächst die Sorge vor erneut anziehender Inflation. Diese Entwicklung verändert die Erwartungen an die Geldpolitik deutlich.

„Das belastet den Goldpreis, weil die US-Notenbank unter diesen Bedingungen weniger Spielraum für Zinssenkungen hat. Niedrigere Zinsen würden Gold stützen, und ein Teil der Kursgewinne in den vergangenen Jahren basierte genau auf dieser Erwartung“, erklärt Tapver. Damit wird deutlich, dass geopolitische Risiken nicht automatisch zu steigenden Goldpreisen führen.

Inflation wirkt kurzfristig und langfristig unterschiedlich

Gleichzeitig sieht Mait Kraun, Analyst bei Tavid, in steigenden Energiepreisen auch einen möglichen langfristigen Treiber für Gold. Entscheidend sei weniger der Konflikt selbst als vielmehr seine finanziellen und strukturellen Folgen für das globale Währungssystem. Hier könnten sich ähnliche Muster wie nach dem Ukraine-Krieg abzeichnen.

„Nach dem Ukraine-Krieg war es vor allem das Einfrieren russischer Währungsreserven, das viele Zentralbanken dazu veranlasst hat, ihre Dollarbestände zu reduzieren und verstärkt Gold zu kaufen. Ein ähnlicher Effekt ist auch im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg denkbar“, so Kraun. Damit rückt die Rolle der Zentralbanken erneut in den Fokus.

Dass der Goldpreis seit Ende Januar und Anfang Februar kaum weiter gestiegen ist, erklärt er damit, dass der Markt den Konflikt bereits eingepreist hatte. Anleger hätten früh auf steigende Kurse gesetzt und anschließend Gewinne realisiert. Dieses Verhalten folgt einem bekannten Muster an den Finanzmärkten.

Starker Dollar und Zinsen setzen Gold unter Druck

Neben geopolitischen Faktoren belasten auch makroökonomische Entwicklungen den Goldmarkt. In den vergangenen Wochen hat sich der US-Dollar spürbar aufgewertet, während zugleich die Renditen amerikanischer Staatsanleihen gestiegen sind. Beide Entwicklungen wirken direkt auf die Nachfrage nach Gold.

„Ein stärkerer Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums. Das dämpft die Nachfrage und übt Druck auf den Preis aus“, sagt Tapver. Damit zeigt sich, wie stark Währungsbewegungen kurzfristig auf Rohstoffmärkte durchschlagen.

In der Summe treffen derzeit gegenläufige Kräfte aufeinander. Während geopolitische Risiken und Inflationssorgen grundsätzlich für steigende Preise sprechen, wirken Währungseffekte und Zinsentwicklungen in die entgegengesetzte Richtung. Diese Balance prägt aktuell das Marktgeschehen.

Seitwärtsbewegung als Ergebnis widersprüchlicher Signale

Tapver zufolge führt diese Konstellation zu einer Seitwärtsbewegung des Goldpreises, zuletzt mit leichter Tendenz nach unten. Ein klarer Trend habe sich bislang nicht etabliert, da die makroökonomischen Signale widersprüchlich bleiben. Die Unsicherheit ist derzeit größer als zu Jahresbeginn.

„Wenn sich positive und negative Faktoren gegenseitig aufheben, bleibt der Markt in einer Seitwärtsphase“, erklärt sie. Für Investoren erschwert dies die kurzfristige Orientierung erheblich. Entscheidungen werden dadurch stärker von Erwartungen als von klaren Trends geprägt.

Dennoch gebe es weiterhin strukturelle Gründe für einen stabilen oder steigenden Goldpreis. Dazu zählen die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken, die Unsicherheit in der US-Politik sowie die Sorge vieler Investoren vor überbewerteten Technologieaktien. Gold bleibt damit ein zentraler Absicherungswert.

Geldpolitik bestimmt die kurzfristige Richtung

Gleichzeitig bleibt das Risiko fallender Preise bestehen. Vor allem Signale der US-Notenbank könnten den Markt schnell in die eine oder andere Richtung bewegen. Die Zinspolitik bleibt damit der entscheidende kurzfristige Einflussfaktor.

„Sollte die Fed Zinserhöhungen in Aussicht stellen, würde das den Goldpreis deutlich belasten“, so Tapver. Umgekehrt könnten sinkende Zinsen den Markt wieder stützen. Die geldpolitische Perspektive bleibt daher für Anleger zentral.

Kurzfristig hängt die Entwicklung zudem davon ab, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt. Ein rasches Ende des Konflikts, eine Wiederöffnung der Straße von Hormus und sinkende Ölpreise würden die Rahmenbedingungen für Gold deutlich verändern. Auch hier bleibt die Unsicherheit hoch.

Steigende Energiekosten treffen die Förderindustrie

Auch auf der Angebotsseite zeigen sich Effekte der aktuellen Lage. Die Goldförderung ist stark energieabhängig, Energiekosten machen rund 12 Prozent der Gesamtkosten von Minenbetreibern aus. Steigende Energiepreise wirken sich daher direkt auf die Profitabilität aus.

„Steigende Ölpreise erhöhen unmittelbar die Kosten der Produzenten und drücken auf die Margen, sofern keine Absicherung besteht“, erklärt Tapver. Damit geraten insbesondere kleinere Anbieter unter Druck.

Nach Angaben des World Gold Council lagen die durchschnittlichen Förderkosten pro Unze Gold Ende des vergangenen Jahres bei rund 1600 Dollar. Kraun geht davon aus, dass diese bei einem deutlichen Anstieg der Energiepreise auf etwa 1800 bis 2000 Dollar steigen könnten. Die Kostenbasis verschiebt sich damit spürbar nach oben.

Hoher Goldpreis stabilisiert die Branche

Trotz steigender Kosten bleibt die Lage für viele Produzenten stabil. Mit einem Goldpreis von rund 5100 Dollar pro Unze verfügen die Unternehmen weiterhin über solide Margen. Der hohe Marktpreis wirkt derzeit als entscheidender Puffer.

„Vor drei Jahren, als der Goldpreis bei etwa 2000 Dollar lag, wäre der Kostendruck deutlich stärker gewesen. Heute hat der Goldpreis selbst ein viel größeres Gewicht für die Profitabilität als die Energiepreise“, sagt Kraun. Das Verhältnis zwischen Preis und Kosten hat sich damit zugunsten der Branche verschoben.

Für Anleger in Deutschland ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Gold bleibt ein wichtiger Bestandteil zur Absicherung gegen Inflation und geopolitische Risiken, reagiert jedoch zunehmend sensibel auf Zinsentscheidungen und Währungsbewegungen. Entscheidend ist daher nicht nur die geopolitische Lage, sondern vor allem die Entwicklung der Geldpolitik.

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