Bosch rutscht in die Verlustzone: Erstmals seit der Finanzkrise
Die Milliardenkosten für den Stellenabbau und die US-Zölle haben den Technologiekonzern Bosch im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Das Ergebnis nach Steuern lag bei minus 400 Millionen Euro, wie Finanzchef Markus Forschner bei der Bilanzvorlage in Renningen erklärte.
2024 hatte sich der Nachsteuergewinn von Bosch im Vergleich zum Vorjahr bereits halbiert, lag aber immerhin noch bei rund 1,3 Milliarden Euro. Zuletzt hatte Bosch laut einem Sprecher im Krisenjahr 2009 einen Verlust ausgewiesen.
Ein wesentlicher Treiber des Einbruchs sind die Kosten für den Stellenabbau. Diese belasteten das Ergebnis mit 2,7 Milliarden Euro, vor allem in Form hoher Rückstellungen. Die tatsächlichen Auszahlungen erfolgen schrittweise in den kommenden Jahren. Zusätzlich wirkten unter anderem Wechselkurseffekte, hohe Kosten und zusätzliche Zölle belastend.
Sondereffekte verzerren das Bild: Operatives Geschäft bleibt positiv
Insgesamt ergibt sich nach Angaben von Forschner ein Bild, das stark von Sonder- und Einmaleffekten geprägt ist – jenseits der eigentlichen Geschäftsentwicklung. Zwar brach der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ebenfalls um rund 42 Prozent ein, blieb mit 1,8 Milliarden Euro jedoch positiv. Der Umsatz legte leicht auf 91,0 Milliarden Euro zu. Damit bleibt das Unternehmen deutlich unter den eigenen Erwartungen. Seine langfristigen Ziele hat Bosch bereits vor einiger Zeit verschoben.
Sparprogramm greift: Bosch setzt den Rotstift an
Die schwierige Wirtschaftslage traf Bosch im vergangenen Jahr mit voller Wucht. Der weltweit größte Autozulieferer leidet nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch in nahezu allen anderen Sparten. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich angesichts der wirtschaftlichen Lage beim Kauf von Geräten wie Kühlschränken, Backöfen, Waschmaschinen, Elektrowerkzeugen und Gartengeräten zurück.
Nach eigenen Angaben ist Bosch in vielen Bereichen inzwischen nicht mehr wettbewerbsfähig. Um gegenzusteuern, spart das Management um Unternehmenschef Stefan Hartung massiv bei Personal und Strukturen. Allein im Zulieferbereich will der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen abbauen. Weitere Programme laufen auch in anderen Bereichen – unter anderem bei der Hausgerätetochter BSH und in der Sparte für Elektrowerkzeuge.
Personalabbau beschlossen: Verhandlungen abgeschlossen
Die Gespräche im Mobility-Bereich über den Stellenabbau sind nach Angaben des Unternehmens inzwischen abgeschlossen. Damit will Bosch angesichts des steigenden Preisdrucks seine künftige Wettbewerbsposition stärken. Die beschlossenen Maßnahmen setzt der Konzern nun so schnell und konsequent wie nötig um – zugleich aber so sozialverträglich wie möglich, sagte Hartung bei der Bilanzvorlage.
Ende 2025 beschäftigte die Gruppe weltweit rund 412.774 Menschen – 5.085 weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig verschiebt sich die Belegschaft zunehmend von Europa in andere Weltregionen. Überproportional betroffen ist Deutschland, wo knapp 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten. Insgesamt waren hier zuletzt etwa 123.000 Menschen beschäftigt – und damit 6.700 oder fünf Prozent weniger als zum Ende des Vorjahres.
Ausblick 2026: Leichte Erholung in Sicht
Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit etwas besseren Geschäften. Zwar geht das Management weiterhin davon aus, dass die hohe Unsicherheit – vor allem die schwer abschätzbaren Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten – Inflation und globale Wirtschaftsleistung belasten werden. Auch der Preis- und Wettbewerbsdruck dürfte hoch bleiben. Dennoch konnte Bosch im ersten Quartal den Umsatz in etwa auf Vorjahresniveau stabilisieren.
Zudem setzt der Konzern darauf, dass erste positive Effekte aus den Sparprogrammen greifen. Diese seien eine wichtige Voraussetzung für profitables Wachstum, sagte Hartung. Die Bosch-Geschäftsführung peilt für 2026 ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent an. Davon soll auch wieder mehr operativer Gewinn übrig bleiben. Statt zwei Prozent wie 2025 erwarten die Manager vier bis sechs Prozent.


