Panorama

Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?

Der Europäische Gerichtshof bringt Bewegung in Millionenklagen rund um Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Spieler hoffen plötzlich auf Rückzahlungen verlorener Einsätze – doch die rechtlichen Fronten bleiben hart umkämpft.
16.04.2026 17:46
Lesezeit: 3 min
Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?
Obacht: unter den Anbietern von Online-Glücksspielen tummeln sich haufenweise schwarze Schafe, die Verbraucher abzocken. (Foto: dpa) Foto: Sina Schuldt

Milliardenmarkt Glücksspiel: Online-Angebote vor Gericht

Die Frage nach der Rückzahlung verlorener Einsätze aus unerlaubten Online-Glücksspielen und Sportwetten beschäftigt derzeit nicht nur zahlreiche deutsche Gerichte, sondern auch den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Die Richterinnen und Richter in Luxemburg haben nun mit einem Urteil den Weg für Erstattungen verlorener Einsätze bei illegalen Angeboten geebnet.

Hintergrund ist der Fall eines Verbrauchers aus Deutschland, der Angebote zweier Spielanbieter aus Malta genutzt hatte. In Tausenden weiteren Fällen hoffen Spielerinnen und Spieler darauf, ihre Verluste von Anbietern ohne deutsche Erlaubnis zurückzubekommen. Die Streitigkeiten drehen sich um einen Milliardenmarkt. Das sollten Verbraucherinnen und Verbraucher dazu wissen:

Welche Glücksspiele im Internet sind in Deutschland erlaubt?

Alle Anbieter von Online-Glücksspielen brauchen in Deutschland eine behördliche Genehmigung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL), die die Anbieter überwacht. Ohne diese Erlaubnis ist das Angebot illegal.

Früher war Online-Glücksspiel komplett verboten. Erst mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 wurde eine Genehmigung überhaupt möglich, erklärt Glücksspiel-Rechtsexperte Marcus Röll. Danach können private Anbieter eine Lizenz für virtuelle Automatenspiele und Online-Poker erhalten, bestimmte Anbieter darüber hinaus auch für Online-Casinos.

Auf einer anderen rechtlichen Ebene laufen laut Röll Sportwetten. Die Vergabe der Lizenzen funktioniere hier seit 2020.

Was ist das Problem mit ausländischen Anbietern?

Erlaubnisse aus anderen Ländern gelten in Deutschland nicht – selbst dann nicht, wenn sie aus EU-Staaten stammen. Dennoch nutzten viele Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere während Online-Glücksspiel in Deutschland verboten war, Webseiten von Anbietern mit Lizenzen aus dem Ausland, etwa aus Malta. Viele fordern nun ihr verlorenes Geld zurück.

Die beklagten maltesischen Unternehmen argumentieren, dass die deutsche Verbotsregel gegen die Dienstleistungsfreiheit im EU-Recht verstoße und eine Lizenz aus Malta auch in Deutschland gelten müsse. Zudem seien entsprechende Klagen rechtsmissbräuchlich, da Spieler bewusst Anbieter mit maltesischer Lizenz gewählt hätten.

Dieser Argumentation erteilte der EuGH eine Absage. EU-Recht stehe weder nationalen Glücksspielverboten noch Rückerstattungsklagen von Verbraucherinnen und Verbrauchern entgegen. Ein maltesisches Gericht hatte den Gerichtshof angerufen.

Laut Rechtsanwalt István Cocron, der zahlreiche Verfahren auf Spielerseite betreut hat, ist das EuGH-Urteil die "erste große Weichenstellung" für Rückforderungsverfahren. Bislang hätten deutsche Gerichte entschieden, dass Verluste zurückzuzahlen seien, sofern im Spielzeitraum keine deutsche Lizenz vorlag.

Wie viel Geld steckt im Online-Spielmarkt?

Mit Online-Sportwetten, virtuellen Automatenspielen und Online-Poker wurden laut dem Tätigkeitsbericht der GGL für das Jahr 2024 fast 2 Milliarden Euro Umsatz erzielt – Tendenz steigend. Der größte Anteil entfällt auf Sportwetten (1,3 Milliarden Euro und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr). Die Umsätze aus Automatenspielen und Online-Poker (0,6 Milliarden) sind sogar um 38 Prozent gestiegen, heißt es.

Wie groß ist der Schwarzmarkt?

Laut einer GGL-Studie liegt das Marktvolumen unerlaubter Online-Angebote bei knapp 23 Prozent. Die Untersuchung geht davon aus, dass dort mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr umgesetzt werden.

Die Glücksspielbehörde stellte in ihrem Tätigkeitsbericht für 2024 knapp 900 deutschsprachige Internetseiten mit Glücksspielangeboten von Veranstaltern ohne Erlaubnis fest.

Was macht den illegalen Bereich gefährlicher als den legalen?

Wichtig ist: Glücksspiel – egal ob legal oder illegal – kann abhängig machen. Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Online-Glücksspiel im Vergleich zu anderen Formen mit einem erhöhten Suchtrisiko verbunden, weil es rund um die Uhr und überall verfügbar ist.

Bei illegalen Angeboten kommen laut GGL zusätzliche Risiken hinzu, da sie keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Es gibt etwa keine Einsatz- und Einzahlungslimits. Spielerinnen und Spieler sind zudem nicht vor betrügerischen Praktiken geschützt. Wer vorsätzlich an illegalem Glücksspiel teilnimmt, kann sich außerdem strafbar machen.

Woran lassen sich illegale Angebote erkennen?

Wer unsicher ist, kann in der sogenannten Whitelist der GGL prüfen, ob ein Anbieter zugelassen ist. Weitere Hinweise auf illegale Angebote sind etwa ein fehlender Vermerk auf eine deutsche Erlaubnis auf der Homepage, kein oder ein unvollständiges Impressum, fehlende Angaben zu Sitz und Betreiber oder die Nutzung ausländischer Domains beziehungsweise ungewöhnlicher Endungen (zum Beispiel .cc, .net, .bz, .io, .casino).

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