Toyota bZ4X: Ein Name, der erst einmal Fragen aufwirft
Wenn wir bei der Geburt einen Namen bekommen, sind wir für den Rest unseres Lebens geprägt. In Deutschland war es früher der goldene Standard, dass Eltern ihr Kind Peter oder Maria nannten – bis heute die häufigsten Vornamen. Viele Eltern wetteifern in den vergangenen Jahren allerdings geradezu darum, ihrem Kind einen möglichst ungewöhnlichen Namen zu geben. Deshalb ist es kein Wunder, dass traditionelle Namen nach und nach ihre Vorrangstellung verlieren und kürzere, international klingende und oft einzigartige Namen in den Vordergrund treten.
Doch Menschen wetteifern nicht nur darum, wer seinem Kind einen möglichst ungewöhnlichen Namen gibt, sondern auch einem Auto. Sie glauben das nicht?
Nennen wir ihn bZ4X, sagten sie bei Toyota, als sie 2021 ihr erstes vollständig elektrisch angetriebenes Vierradfahrzeug vorstellten. Bei der Erwähnung des Namens zuckten wir nur mit den Schultern. Auch die Erklärung, es handele sich um die englische Schreibweise für ein mittelgroßes emissionsfreies SUV, überzeugte uns nicht wirklich. Fünf Jahre sind vergangen, und in dieser Zeit wurden 150.000 Exemplare verkauft. Vermutlich wären es noch mehr gewesen, wenn das Auto anders geheißen hätte.
Geräumig ist er auch für größere Erdenbürger
Dann aber geschah es. Unsere Bonnier-Kollegen von Casnik Finance bekamen eine Einladung zu einer internationalen Präsentation, die etwas Besonderes war, da sie auf slowenischem Boden stattfand. Dort bekam der erneut auftretende Titelheld bZ4X noch den Zusatz Tourer. Dieser hat in der Welt des Automobils eine eindeutige Bedeutung. Es handelt sich um einen Kombi. Eine Art SUV-Kombi, was man angesichts seiner Silhouette schon auf den ersten Blick erkennt.
Groß ist er, lautete die zweite Beobachtung. Mit dem Maßband in der Hand blieben wir bei 4,83 Meter stehen. Das merkt man an allen Ecken und Enden, am meisten aber im Innenraum. Zentimeter für Kopf und Knie sind großzügig bemessen. Selbst ein Zwei-Meter-Mensch wird nicht jammern, denn er sitzt bequem genug. Wir, die wir 1,75 Meter groß sind, konnten die Beine sogar ausstrecken.
Die Geschichte geht im Kofferraum weiter. Der verdient mit seinen 669 Litern Grundvolumen seinen Namen. Das sind zum Beispiel 48 Prozent mehr als beim Bruder bZ4X. Wenn man die Rückbank umklappt, wächst das Volumen auf noch deutlich nützlichere 1.718 Liter. Das ist mehr als genug, um auch zwei Mountainbikes hineinzulegen, und dafür muss man kein Illusionist sein. Der Familienvorstand wird also sicher keine Sorge kennen, wohin mit dem ganzen Gepäck. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist das elektrische Schließen der recht großen Heckklappe, die weit nach oben öffnet. Weit nach oben.
Doch nicht nur die Geräumigkeit überzeugt. Der Antriebsstrang wird nämlich auch die größten Skeptiker gegenüber Elektroautos auf die Idee bringen, dass dieses Vierradfahrzeug zumindest eine Überlegung wert ist, wenn nicht sogar mehr. Die Entwickler haben entschieden, dass nur eine Batterie angeboten wird. Ihre Kapazität beträgt 74,7 Kilowattstunden.
Als wir hörten, dass eine Reichweite von bis zu 591 Kilometern versprochen wird, waren wir überzeugt, man wolle uns auf den Arm nehmen. Doch die Testfahrten bestätigten es. Mehr noch. Auf der Landstraße, wo die Geschwindigkeit 90 Kilometer pro Stunde nicht überschritt, lag der Durchschnittsverbrauch bei nur 12 Kilowattstunden. Für ein Auto, das rund zwei Tonnen wiegt, verdient das allen Respekt. Auf der Autobahn steigt der Verbrauch natürlich, doch eine Reichweite von etwa 450 Kilometern bleibt realistisch.
Der Sprint auf 100 dauert nur 4,5 Sekunden
Dieses Auto flirtet ganz offen auch mit Straßen, die nicht asphaltiert sind. Deshalb gibt es neben der Basisversion mit Antrieb an den Vorderrädern und einer Motorleistung von 224 PS, also 165 Kilowatt, auch eine Allradversion, die mit satten 380 PS, also 280 Kilowatt, prahlt. Diese Pferde können es kaum erwarten, in den Galopp geschickt zu werden. Der Sprint auf 100 ist mit 4,5 Sekunden respektabel, die Höchstgeschwindigkeit ist auf für ein Elektroauto hohe 180 Kilometer pro Stunde begrenzt.
Doch Komfort und Geräumigkeit sind bei diesem Vierradfahrzeug natürlich wichtiger als Sportlichkeit. Erwähnenswert ist auch die maximale Ladeleistung von 150 Kilowatt. Übersetzt heißt das: 28 Minuten an einer Schnellladestation reichen, um die Batterie auf 80 Prozent zu laden. Da die Verantwortlichen dieser japanischen Marke aber offenbar viel Mut haben, bieten sie auf die Batterie eine Garantie von zehn Jahren oder einer Million gefahrenen Kilometern.
Dieser bZ4X kann nicht billig sein, denken Sie jetzt bestimmt. Und Sie haben recht. Der Preis der Basisversion liegt bei 45.490 Euro – ohne Förderung. Das rückt das Verhältnis zwischen ausgegebenen Euro und dem, was man dafür bekommt, in ein deutlich besseres Licht.
Der Toyota bZ4X Touring ist vor allem deshalb interessant, da Reichweite, Platz und Alltagstauglichkeit hier über den Erfolg von Elektroautos entscheiden. Viele Käufer wollen keine elektrische Fingerübung, sondern ein Auto, das Familiengepäck, lange Strecken und den Wochenendausflug ohne ständige Ladeplanung schafft. Genau dort setzt Toyota mit dem Touring an. Das Fazit fällt entsprechend klar aus. Der Toyota bZ4X Touring hat zwar einen Namen, der noch immer klingt wie ein Passwort für einen besonders schlecht gelaunten Computer, doch seine Reichweite, sein Platzangebot und die lange Batteriezusage machen ihn zu einem Elektro-SUV, das seinen Anspruch endlich glaubwürdig einlöst.

