Politik

Machtwort aus der Regierungszentrale: Kanzleramt bügelt Merz-Debatte ab

Das Kanzleramt versucht, die aufkommenden Spekulationen über die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Keim zu ersticken. Angesichts wichtiger Reformwochen betonte Regierungssprecher Stefan Kornelius, dass Nebendebatten irrelevant seien. Die Bundesregierung konzentriere sich stattdessen voll auf die Sacharbeit.
29.05.2026 15:20
Lesezeit: 2 min
Machtwort aus der Regierungszentrale: Kanzleramt bügelt Merz-Debatte ab
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wartet auf den Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts im Kanzleramt (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Union weist Berichte über angebliche Wechselspiele zurück

Vor entscheidenden Wochen bemüht sich die Bundesregierung um ein Ende der Spekulationen über die Zukunft von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte in Berlin: "Die Bundesregierung und der Bundeskanzler sind auf den Reformprozess konzentriert. Das ist das Thema, das im Mittelpunkt der Arbeit steht. Alle anderen Themen sind nicht relevant."

Alle Beteiligten wüssten, dass wichtige Entscheidungen bevorstünden, auf die zielgenau hingearbeitet werden solle, sagte Kornelius. Man sollte sich an der Sache orientieren und " Nebendebatten möglichst vorbeirauschen lassen" .

Medien hatten zuletzt von Gedankenspielen innerhalb der Union berichtet, ob Merz angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Koalition durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. Aus dem Umfeld des Kanzlers waren die Gedankenspiele bereits scharf zurückgewiesen worden. Die Zustimmungswerte für Merz sind laut Umfragen schlecht, wie auch die Zufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition.

Treffen mit Sozialpartnern

Vertreter von Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften trafen sich im Kanzleramt zu Gesprächen über die von der Koalition geplanten Reformen. Dabei handelte sich um ein Vorgespräch für den am 10. Juni geplanten Reform-Gipfel mit Spitzenvertretern der Koalition sowie der Sozialpartner.

Wachstum und Beschäftigung

In der Einladung zu diesem Spitzengespräch am 10. Juni, die der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt, heißt es, die Themen Wachstum und Beschäftigung sollten bei dem Treffen im Fokus stehen. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei nicht zufriedenstellend, äußere wie innere Faktoren belasteten Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsaussichten. Es bedürfe mutiger und entschlossener Reformen.

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer jahrelangen Schwächephase. Auch für dieses Jahr wird wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs mit Preissprüngen bei Öl und Gas nur ein Mini-Wachstum erwartet. Wirtschaftsverbände beklagen hohe Energiepreise, eine hohe Steuerlast und zu viel Bürokratie. Vorhaben wie flexiblere Arbeitszeiten sind zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern umstritten. Die Bundesregierung strebt bis Mitte Juli Entscheidungen über ein großes Reformpaket an mit zentralen Themen wie Rente und Steuerentlastungen.

Merz am Montag bei Tagung mit Wüst

Bei den Spekulationen über einen anderen Kanzler war der Name des NRW-Regierungschefs und Landesparteivorsitzenden Hendrik Wüst gefallen. Das Umfeld des Kanzlers hatte am Mittwoch versucht, eine aufkommende parteiinterne Debatte über Merz im Keim zu ersticken. Die Idee zeuge von einer "gefährlichen Lust an der Zündelei" , hieß es.

Am Montag wird Merz zu einer internen Klausur auf Einladung der nordrhein-westfälischen CDU im sauerländischen Meschede erwartet, an der auch Wüst teilnimmt. Wie es aus CDU-Kreisen heißt, ist dort schon seit Monaten eine zweitägige Veranstaltung geplant, zu der auch der CDU-Bundesvorsitzende Merz zugesagt hat. Merz will demnach als Gast eine Rede halten. Das Treffen habe " nichts mit der aktuellen Lage zu tun" .

CDU-Politiker stellen sich hinter Merz

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) wies Spekulationen über eine mögliche Ablösung von Merz entschieden zurück. "Dieses Gerücht, was da jetzt durch die Medien in Berlin verbreitet wird, das ist Unsinn" , sagte Schulze MDR Aktuell.

In Sachsen-Anhalt wird im September ein neuer Landtag gewählt, die AfD könnte laut Umfragen große Stimmenzuwächse erzielen. Zugleich räumte Schulze ein, dass es innerhalb der Union Kritik an einzelnen Vorhaben der Bundesregierung gebe, etwa in der Rentenpolitik.

"Richtiger Kanzler"

Auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch stärkte Merz den Rücken. "Ich glaube, dass er der richtige Kanzler in dieser Zeit ist. Auch wenn er es im Augenblick schwer hat, weil die Zeiten schwierig sind" , sagte Koch in der ZDF-Sendung Markus Lanz. Koch sagte, er sei seit mehr als drei Jahrzehnten ein "sehr guter persönlicher Freund" von Merz. Angesichts von Medienberichten über Gedankenspiele in der Union zu einem möglichen Kanzlerwechsel antwortete Koch: "Der ist Unsinn."

Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) warnte ebenfalls vor weiteren Personaldebatten rund um Merz. "Ich will vor allen Dingen eine solche unfruchtbare Debatte nicht weiter verlängern. Das bringt uns doch nirgendwo hin" , sagte Frei in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Der CDU-Politiker räumte schlechte Umfragewerte für die Regierung ein, betonte aber zugleich: "Das lösen wir doch nicht dadurch auf, dass wir über Personen quatschen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Befristungen treffen Berufseinsteiger besonders hart
13.08.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt wird bei Jobs auf Zeit zwar insgesamt stabiler. Doch ausgerechnet junge Menschen starten besonders häufig mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Bafög: Kabinett bringt Erhöhung auf den Weg
13.08.2026

Bafög-Empfänger bekommen mehr Geld. Die Erhöhung kommt in mehreren Schritten. Der erste davon soll zum Sommersemester 2027 umgesetzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Smart City Index 2026 entlarvt den großen Technik-Irrtum
13.08.2026

Sensoren, Apps und digitale Plattformen gelten als Schlüssel für die Stadt der Zukunft. Doch der Smart City Index 2026 zeigt, dass...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Chipaktien treiben Nasdaq nach oben, da Inflationsbericht Sorgen vor Fed-Zinserhöhung dämpft
12.08.2026

Spannung an den US-Märkten: Warum die jüngsten Wirtschaftsdaten Anleger aufatmen lassen und welche Sektoren jetzt besonders profitieren.

DWN
Panorama
Panorama Besonderer Blick nach oben: Sonnenfinsternis über Europa
12.08.2026

Zuerst wird die Sonnenscheibe am rechten unteren Rand angeknabbert. Dann bildet sich eine Sichel, die wandert. Ist die Sonne untergegangen,...

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues DAX-Rekordhoch: Warum Anleger Deutschlands Krise ignorieren
12.08.2026

Deutschlands Industrie verliert Arbeitsplätze, Investitionen fehlen und die Konjunktur kommt kaum vom Fleck. Trotzdem jagt der DAX von...

DWN
Politik
Politik EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft: Welche schärferen Regeln gelten
12.08.2026

Ein Coffee-to-go, eine Pizza zum Mitnehmen und eine Bestellung aus dem Internet, die im riesigen Karton kommt: Ab heute gelten in der EU...