Finanzen

Goldpreis-Prognose 2027: Kommt jetzt der nächste große Kursrutsch?

Nach einem Kursrückgang von über 25 Prozent seit dem Goldpreis-Rekordhoch Ende Januar haben Anleger ihre Investitionen in Gold-ETFs deutlich zurückgefahren. Plötzlich bröckelt das Vertrauen vieler Anleger, die Nachfrage verschiebt sich und Experten widersprechen sich. Steht Gold vor einer neuen Rally – oder beginnt ein längerer Abschwung?
29.07.2026 11:37
Aktualisiert: 29.07.2026 11:41
Lesezeit: 8 min
Goldpreis-Prognose 2027: Kommt jetzt der nächste große Kursrutsch?
Gold verliert an Wert und Zentralbanken kaufen weiter zu: Welche Faktoren die Goldpreis-Prognose 2027 bestimmen. (Bild: ChatGPT)

Goldpreis-Prognose: Welche Anleger Gold kaufen und welche Gold verkaufen

Gold hat ein vergleichsweise schwaches Jahr hinter sich – obwohl angesichts steigender Inflationsrisiken und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten eigentlich eine gegenteilige Entwicklung beim Goldpreis zu erwarten gewesen wäre. Besonders aufschlussreich ist dabei die Entwicklung der Goldnachfrage: Der Preisrückgang hat das Verhalten jener Käufer verändert, die in den vergangenen Jahren maßgeblich zum Höhenflug des gelben Edelmetalls beigetragen hatten. Andere Nachfragesegmente zeigen sich hingegen bemerkenswert stabil.

Seit dem Rekordstand von 5.595 US-Dollar je Unze Ende Januar hat der Goldpreis binnen eines halben Jahres über 25 Prozent an Wert verloren. In Euro gerechnet fiel der Rückgang mit etwa 23 Prozent etwas geringer aus. Die Nachfrage nach Gold speist sich aus unterschiedlichen Quellen, die jeweils unterschiedlich auf Preisbewegungen reagieren. Besonders sensibel gilt die Investmentnachfrage – wobei auch hier zwischen verschiedenen Anlegergruppen unterschieden werden muss, etwa zwischen Investoren in Gold-ETFs und Käufern von Goldmünzen oder Barren.

Nach Schätzungen des World Gold Council wurden weltweit bislang rund 219.900 Tonnen Gold gefördert, berichtet das Wirtschaftsportal Casnik Finance. Fast die gesamte Menge existiert noch heute in irgendeiner Form. Rund 44 Prozent entfallen auf Schmuck, 23 Prozent auf Anlagegold – also Gold-ETFs, Münzen und Barren –, 18 Prozent lagern als Währungsreserven in den Tresoren der Zentralbanken. Der Rest entfällt auf Gold in elektronischen Bauteilen sowie auf verlorengegangene Bestände.

Die jährliche Goldproduktion verändert sich nur wenig. Der Ausbau von Minen ist ein langwieriger Prozess, weshalb die Fördermenge seit Jahren bei rund zwei Prozent des bereits geförderten Gesamtbestands liegt. Den Goldpreis bestimmen daher vor allem die Verkaufsbereitschaft bestehender Besitzer und die Nachfrage neuer Käufer. Der Blick auf die Goldpreis-Entwicklung in diesem Jahr und die Goldpreis-Prognose 2027 fällt deshalb sehr heterogen aus – und hängt, wie DWN-Chefredakteur Markus Gentner aufzeigt, mittelfristig an der Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve sowie den geopolitischen Entwicklungen insbesondere im Iran.

Struktur der Nachfrage hat sich verändert

Die Jahre des starken Goldpreisanstiegs gingen mit einer deutlichen Verschiebung der Nachfrage einher. In den drei Jahren bis einschließlich 2024 lag die durchschnittliche jährliche Gesamtnachfrage nach Gold um 16 Prozent unter dem Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts. Gleichzeitig stieg die Nachfrage über Gold-ETFs – ein Indikator für das Interesse institutioneller und privater Anleger an Finanzprodukten auf Gold – um zehn Prozent. Die Käufe der Zentralbanken verdoppelten sich sogar.

Der Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2026 fort. Nach Angaben des World Gold Council blieb die Schmucknachfrage angesichts der Rekordpreise mit einem Minus von 23 Prozent deutlich unter Druck. Gleichzeitig griffen Privatanleger verstärkt zu Goldbarren und -münzen: Die Nachfrage stieg um 42 Prozent auf 474 Tonnen und damit auf den höchsten Stand seit zwölf Jahren.

Vor allem asiatische Investoren sorgten für starke Käufe von physischem Anlagegold. Besonders China stach hervor: Dort kauften private Haushalte 67 Prozent mehr Gold als im Vorjahr. Gleichzeitig brach jedoch die Nachfrage nach Goldschmuck um 32 Prozent ein. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Indien, das neben China zu den größten Schmuckmärkten der Welt zählt.

Auch die Zentralbanken blieben mit Nettokäufen von 244 Tonnen wichtige Stützen des Goldmarktes.

Gold-Kursprognose: Gold-ETFs treten auf die Bremse

Für das zweite Quartal liegen zwar noch keine vollständigen Daten vor, die Bestände der Gold-ETFs lassen sich jedoch täglich verfolgen. Diese zeigen, dass die von ETFs gehaltene Goldmenge im Juli auf 96,15 Millionen Unzen sank – den niedrigsten Stand seit September vergangenen Jahres. Seitdem hat sich die Nachfrage leicht stabilisiert.

Käufe und Verkäufe von Gold durch ETFs spiegeln dabei nicht die Einschätzung der Fondsgesellschaften zur künftigen Preisentwicklung wider. Ausschlaggebend sind vielmehr Mittelzuflüsse und -abflüsse der Anleger. Fließt Kapital in einen ETF, werden neue Fondsanteile geschaffen und zusätzliches Gold gekauft. Ziehen Anleger Geld ab, läuft der Prozess umgekehrt: Fondsanteile werden zurückgenommen und ein Teil des Goldes gelangt wieder auf den Markt.

Im vergangenen Jahr gehörten Gold-ETFs zu den wichtigsten Treibern der zusätzlichen Nachfrage. Dieser Trend setzte sich zunächst bis Februar fort, wurde jedoch durch den Kriegsausbruch im Nahen Osten im März abrupt unterbrochen. Daten des World Gold Council zeigen, dass insbesondere US-Anleger verstärkt Gold-ETF-Anteile verkauften. Die Nettoabflüsse im ersten Halbjahr waren die höchsten seit 2013.

Der Rückgang dieser Nachfrage hängt zumindest teilweise auch mit veränderten Erwartungen an die US-Geldpolitik zusammen. Ole Hansen, Rohstoffanalyst bei der Saxo Bank, erklärte gegenüber Reuters, dass die Aussicht auf höhere US-Zinsen den Goldpreis belastet. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, steigen mit höheren Renditen sicherer Staatsanleihen die Opportunitätskosten einer Goldanlage.

Zentralbanken bleiben verlässliche Gold-Käufer

Während die ETF-Nachfrage zuletzt starken Schwankungen unterlag, zeigt sich das Kaufverhalten der Zentralbanken deutlich stabiler. Nach Angaben des World Gold Council kauften sie zwischen 2010 und 2019 durchschnittlich 124 Tonnen Gold pro Quartal. Im Zeitraum von 2022 bis 2025 lag der Durchschnitt bereits bei 255 Tonnen – also etwa doppelt so hoch.

Besonders auffällig ist die Entwicklung seit Beginn des Ukraine-Krieges, nachdem westliche Staaten Vermögenswerte der russischen Zentralbank eingefroren hatten. In den Jahren 2022, 2023 und 2024 überstiegen die Nettokäufe der Zentralbanken jeweils 1.000 Tonnen. Im vergangenen Jahr fiel die Nachfrage mit 850 Tonnen etwas geringer aus. Im ersten Quartal dieses Jahres kauften die Zentralbanken trotz der hohen Preise netto weitere 244 Tonnen Gold.

Hinter dieser Entwicklung stehen vor allem der Wunsch nach einer stärkeren Diversifizierung der Währungsreserven, eine geringere Abhängigkeit vom US-Dollar sowie wachsende geopolitische und inflationäre Risiken, schreiben die Analysten von Bloomberg Intelligence in ihrer Juli-Analyse. Sie verweisen auf eine Umfrage des World Gold Council, wonach 84 Prozent der Zentralbanken erwarten, dass der Goldanteil an den weltweiten Währungsreserven in den kommenden fünf Jahren steigen wird. Gleichzeitig rechnen 74 Prozent mit einem sinkenden Anteil des US-Dollars.

Zu den größten Käufern gehört in diesem Jahr Polen. Bis Ende Juni erwarb die polnische Zentralbank 64 Tonnen Gold. Die Goldreserven stiegen damit auf 614 Tonnen und machen inzwischen rund 30 Prozent der gesamten Währungsreserven aus. Langfristiges Ziel sind 700 Tonnen. Auch China bleibt ein potenziell bedeutender Käufer, da Gold bislang lediglich neun Prozent seiner Währungsreserven ausmacht.

Allerdings verläuft die Entwicklung nicht ausschließlich in eine Richtung. Einige Zentralbanken verkaufen Gold, um ihre Landeswährung zu stützen oder andere finanzpolitische Ziele zu verfolgen – etwa die Finanzierung staatlicher Anleiheemissionen. Bloomberg Intelligence schätzt, dass die Türkei und Russland trotz der insgesamt hohen Nachfrage in diesem Jahr zusammen rund 100 Tonnen Gold verkauft haben. Für das Gesamtjahr rechnen die Analysten mit durchschnittlichen Nettokäufen der Zentralbanken zwischen 200 und 225 Tonnen pro Quartal.

Goldpreis aktuell am Scheideweg: Über 5.000 Dollar oder unter 4.000 Dollar?

Mike McGlone, Rohstoffstratege bei Bloomberg Intelligence, geht davon aus, dass Gold nach seiner Rekordrally in eine Phase erhöhter Unsicherheit eingetreten ist. Auf Kitco News, einem Nachrichtenportal für den Edelmetallhandel, sagt McGlone, die Goldrally sei inzwischen deutlich überdehnt. Nach seiner aktuellen Einschätzung könnte das Hoch zu Jahresbeginn einen langfristigen Wendepunkt markieren. Ob Gold dauerhaft über 5.000 US-Dollar bleibt oder in Richtung 4.000 US-Dollar zurückfällt, hänge vor allem von der geopolitischen Lage und der Entwicklung der US-Finanzmärkte ab.

Nachdem Gold im ersten Halbjahr zeitweise über 5.500 US-Dollar gestiegen war, fiel der Preis Anfang Juli wieder unter die Marke von 4.000 US-Dollar und unterschritt zudem die wichtige 200-Tage-Linie. McGlone hält derzeit eine Fortsetzung der Korrektur in Richtung 3.000 US-Dollar für wahrscheinlicher als eine Rückkehr über 5.000 US-Dollar. „Ein langwieriger Konflikt oder ein Waffenstillstand könnten den Goldpreis über 5.000 Dollar pro Unze halten, aber Anzeichen für eine offensive Kapitulation des Iran und eine gesicherte Straße von Hormus könnten zu einem Rückgang in Richtung 4.000 Dollar führen“, so McGlone.

Als Hauptgrund nennt er die veränderten Erwartungen hinsichtlich der US-Geldpolitik. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen liegt inzwischen bei über fünf Prozent, wodurch Gold als unverzinsliche Anlage an Attraktivität verliert. Gleichzeitig könnte ein weiterer Anstieg der Aktienmärkte über Vermögenseffekte die US-Notenbank Fed zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen. Umgekehrt könnte ein deutlicher Einbruch an den Aktienbörsen trotz möglicher Zinssenkungen auch den Goldpreis mit nach unten ziehen.

Goldpreis-Prognose 2027: Rückfall oder neues Rekordhoch?

McGlone verweist zudem auf historische Parallelen zu den Goldpreis-Höchstständen der Jahre 1980 und 2011 sowie zur jüngsten Trendwende beim Bitcoin. Zwar sprechen Faktoren wie die schwindende Kaufkraft vieler Währungen, hohe Staatsdefizite und die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken langfristig weiterhin für das Edelmetall. Dennoch hält der Analyst es für möglich, dass die euphorische Phase der Hausse beendet ist und nun ein längerer Bärenmarkt beginnt – ähnlich wie nach den Hochpunkten der Jahre 1980 und 2011.

Die Mehrheit der von Bloomberg erfassten Analysten bleibt jedoch optimistischer. Nach den im vergangenen Monat aktualisierten Prognosen erwarten sie im Durchschnitt einen Goldpreis von rund 4.600 US-Dollar je Unze zum Jahresende und 4.750 US-Dollar im kommenden Jahr.

Komplizierte Goldpreis-Prognose 2027: Edelmetall ist Spielball unterschiedlicher Interessen

Der Goldmarkt wird derzeit von gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Während viele Anleger nach dem kräftigen Preisrückgang ihre Positionen über Gold-ETFs abbauen, halten Zentralbanken an ihrer langfristigen Kaufstrategie fest und sorgen damit für eine stabile Nachfrage. Gleichzeitig beeinflussen steigende Anleiherenditen, geldpolitische Erwartungen und geopolitische Risiken die weitere Preisentwicklung. Ob Gold in den kommenden Monaten wieder an frühere Höchststände anknüpfen kann oder eine längere Korrektur bevorsteht, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Entwicklung des Edelmetalls hängt heute stärker denn je vom Zusammenspiel institutioneller Investoren, Zentralbanken und der internationalen Geldpolitik ab.

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