Finanzen

JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit

JD Sports senkt sein Gewinnziel und enttäuscht vor allem in Nordamerika. Gleichzeitig verschwinden immer mehr deutsche Filialen. Der Aktienkurs reagiert mit dem stärksten Tagesverlust seit Jahren. Wie tief reichen die Probleme des britischen Sporthändlers tatsächlich?
20.08.2026 11:33
Lesezeit: 2 min
JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten – Branche leidet mit
Die JD Sports-Aktie stürzt nach einer Prognosesenkung ab. (Symbolbild: ChatGPT)

JD Sports-Aktie stürzt ab: Gewinnwarnung und Filialabbau belasten

Die JD Sports-Aktie ist am Donnerstag nach einer gesenkten Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2026/27 eingebrochen. Schwache Umsätze, hoher Preisdruck und Probleme in Nordamerika belasten den britischen Sportartikelhändler. Gleichzeitig verkleinert JD Sports sein deutsches Filialnetz und richtet die Strategie neu aus.

Kräftigster Kurseinbruch seit November 2021

Die JD Sports-Aktie (ISIN: GB00BM8Q5M07) sackte in London um rund 13 Prozent auf 81,33 Pence ab. Es war der kräftigste Tagesverlust seit November 2021. Seit dem damaligen Rekordhoch, das ebenfalls im November 2021 erreicht wurde, hat das Papier inzwischen 65 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Der JD Sports-Aktienkurs reagierte damit deutlich auf die neuen Geschäftszahlen. Der Konzern rechnet für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einem bereinigten Vorsteuergewinn zwischen 700 und 800 Millionen Pfund. Bislang hatte das Management eine Spanne von 750 bis 850 Millionen Pfund prognostiziert.

Nach Einschätzung von Richard Edwards von Goldman Sachs liegt die Mitte der neuen Prognosespanne für den bereinigten Vorsteuergewinn (Pbtai) nun 4 Prozent unter der bisherigen Konsensschätzung. Damit dürfte die Unsicherheit rund um die JD Sports-Aktie vorerst hoch bleiben.

Schwaches JD Sports-Geschäft in Nordamerika

Im zweiten Geschäftsquartal sanken die flächenbereinigten Umsätze konzernweit um 3,1 Prozent. In Nordamerika fiel das Minus mit 6,8 Prozent noch deutlicher aus. Analyst Adam Cochrane von der Deutschen Bank hob vor allem das schwache US-Geschäft hervor.

Als Ursachen nennt JD Sports eine gedämpfte Konsumstimmung, weniger gefragte Schuh-Neuheiten und eine Verschiebung der Einkäufe für den Schulanfang in den August. Wegen steigender Lebenshaltungskosten schränken Verbraucher ihre Ausgaben zunehmend ein. Vorstandschef Regis Schultz verwies außerdem auf den starken Preisdruck.

Hinzu kommen ein von Rabattaktionen geprägtes Marktumfeld und fehlende Innovationen des wichtigen Lieferanten Nike. Auf den Sportartikelhersteller entfallen rund 45 Prozent des Umsatzes. Bereits vor rund anderthalb Wochen hatte der Schweizer Konkurrent On Holding (CH1134540470) mit schwachen Umsätzen enttäuscht.

Adidas, Puma und Nike geraten unter Druck

Der Kurseinbruch erfasste am Donnerstag auch andere Unternehmen der Branche. Adidas (DE000A1EWWW0) verlor im DAX 1,8 Prozent. Puma gab im MDAX um 2,8 Prozent nach. In den USA fiel der Sportartikelhersteller Nike (US6541061031) vorbörslich um 0,1 Prozent.

Damit belasteten die Nachrichten zur JD Sports-Aktie den gesamten Sportmode-Sektor. Der nachlassende Boom bei Sport- und Freizeitbekleidung sowie intensive Rabattschlachten erschweren den Unternehmen das Geschäft.

JD Sports verkleinert deutsches Filialnetz

Zusätzlich zum schwachen JD Sports-Aktienkurs sorgt der Rückzug aus Teilen Deutschlands für Aufmerksamkeit. Bereits im Mai 2025 wurde bekannt, dass rund 30 der etwa 100 Filialen geschlossen werden sollen. Auf der Filialübersicht waren mit Stand 18. August nur noch 58 statt rund 90 Standorte aufgeführt.

In Hessen bleiben die Filialen in der Frankfurter MyZeil, im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach und an der Königstraße in Kassel bestehen. Die Geschäfte in Wiesbaden und Offenbach werden nicht mehr gelistet. In Krefeld wurde der Standort laut Westdeutscher Zeitung „ohne Ankündigung“ geschlossen. Auch weitere Filialen verschwanden „ohne Ankündigung und zur Überraschung der Kunden“.

In Jena soll das Geschäft Mitarbeiterangaben zufolge zum 22. August schließen. Dort läuft ein Schlussverkauf. Eine externe Beratungsfirma verwies gegenüber der Thüringischen Landeszeitung auf ein „Restrukturierungsprogramm“, das berichtet unter anderem Merkur auf seiner Onlineseite.

Bis 2027 will sich JD Sports auf Nordamerika und europäische Länder mit dem größten Wachstumspotenzial konzentrieren. Deutschland gehört nicht dazu. Einem Handelsblatt-Bericht vom Januar 2026 zufolge belasten die schwache europäische Nachfrage, das schwierige wirtschaftliche Umfeld und sinkendes Interesse an Nike-Produkten das Unternehmen. Ein weiterer großer Einzelhändler schließt in diesem Jahr insgesamt 150 Filialen.

Für die JD Sports-Aktie verbinden sich damit operative Schwächen, strategischer Umbau und Konsumzurückhaltung zu einer schwierigen Gemengelage.

JD Sports-Aktie vor schwieriger Bewährungsprobe

Die Gewinnwarnung zeigt, wie stark JD Sports unter der verhaltenen Konsumstimmung, dem Preisdruck und dem schwachen Nordamerika-Geschäft leidet. Besonders problematisch ist die hohe Abhängigkeit von Nike, während gefragte Produktneuheiten fehlen. Der Rückbau des deutschen Filialnetzes verdeutlicht zugleich, dass der Konzern seine Kräfte auf aussichtsreichere Märkte konzentriert. Für Anleger bleibt die Lage damit schwierig: Der gesunkene Aktienkurs könnte zwar Erholungspotenzial bieten, doch die niedrigere Gewinnprognose und die operativen Probleme sprechen für anhaltende Risiken. Entscheidend wird sein, ob JD Sports Nachfrage und Margen stabilisieren kann. Bis dahin dürfte die Aktie empfindlich auf weitere Umsatzdaten und strategische Veränderungen reagieren.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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