Deutsche Industrie: Rapider Stellenabbau von fast einer halben Million Arbeitsplätze
Die deutsche Industrie hat in den vergangenen Jahren Hunderttausende Arbeitsplätze verloren. Nach einer Studie des Ifo-Instituts arbeiteten Ende 2025 rund 496.000 Menschen weniger in deutschen Industrieunternehmen als zu Beginn des Jahres 2019. Das entspricht einem Minus von 7,1 Prozent.
Besonders hart trifft es den Angaben zufolge die traditionellen deutschen Kernbranchen: Die Autoindustrie und ihre Zulieferer strichen laut Ifo 123.500 Stellen, ein Minus von 13 Prozent. Hersteller von Metallerzeugnissen bauten demnach 115.600 Stellen ab, der Maschinenbau 64.500.
Den Industrieabbau spüren alle Bundesländer außer Hamburg. Im Osten fällt er mit minus 8,4 Prozent etwas stärker aus als im Westen mit minus 6,8 Prozent. Neue Jobs im Automobilbau gab es in Ostdeutschland nur in Brandenburg, dank der Tesla-Fabrik in Grünheide. In Thüringen und Sachsen-Anhalt sank die Beschäftigung insgesamt sogar.
Stellenzuwachs in Pflegeheimen
Im Dienstleistungssektor entstanden dagegen mehr als 2,2 Millionen neue Stellen, vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der öffentlichen Verwaltung, wie es weiter hieß. Im Gesundheitswesen wurden 391.000 neue Jobs gezählt, im Sozialwesen samt Pflegeheimen 357.000. Grund sei vor allem die alternde Bevölkerung.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung wuchs laut der Studie um 329.000 Menschen - teilweise, weil Stellen von ausscheidenden Beamten mit Angestellten neu besetzt wurden. Bei den privaten Dienstleistern wuchsen IT-Firmen am stärksten.
Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Ifo-Niederlassung Dresden, sprach von einem "verschärften Strukturwandel". "Ausgerechnet die Branchen schrumpfen, die bisher unseren Wohlstand getragen haben", merkte er an. Die neuen Jobs entstünden meist nicht dort, wo Deutschland besonders produktiv und innovativ sei. "Das kann unser Wachstumspotenzial künftig bremsen", warnte Ragnitz.
Die Studie vergleicht die Stichtage 31. Dezember 2018 und 31. Dezember 2025. Sie nutzt die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Diese erfasst alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Selbstständige, Beamte und Minijobber zählt sie nicht.


