Finanzen

IWF räumt ein: Unkontrollierte Risiken im Finanz-System

Lesezeit: 2 min
11.10.2014 23:46
Der IWF warnt auf seiner Jahrestagung vor den Risiken in den Finanzsystemen. Vor allem die Schattenbanken mit einem Markt von 71 Billionen US-Dollar seien eine große Gefahr. Zudem wurden die Gräben zwischen Befürwortern und Gegner neuer staatlicher Investitionsprogramme deutlich.


Seitdem bekannt ist, dass auch die deutsche Konjunktur lahmt, was vor allem auf den Rückgang der Exporte des „Exportweltmeisters Deutschlands“ zurückzuführen ist, tobt der Streit zwischen den Ökonomen, was die bessere Strategie gegen die sich abzeichnende Konjunkturflaute zu tun sei. Der Konflikt zwischen den beiden Lagern zog Kreise bis ins ferne Washington.

Um nachhaltiges Wachstum zu fördern, sei es wenig ratsam, ein „konjunkturpolitisches Strohfeuer zu zünden“, sagte jedoch Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Dies vor allem „vor dem Hintergrund der historisch hohen Schuldenstände“.

Bereits vor einigen Tagen warnte der 16. Genfer Bericht vor einer „giftigen Kombination“ der globalen Rekord-Verschuldung. Die weltweite Verschuldung hat sich von 174 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2007 auf 212 Prozent im Jahr 2013 erhöht. Somit zeigt die globale Verschuldung eine anhaltend steigende Tendenz.

Bei der Tagung in Washington insistieren Präsident François Hollande und der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi darauf, die Sanierung der Staatsfinanzen zu Gunsten von Konjunkturprogrammen auf die lange Bank zu schieben.

Bundesfinanzminister Schäuble verwahrte sich in Washington dagegen, aus dem Haushalt weitere Gelder über die bereits geplanten Investitionen in die Infrastruktur hinaus zu bewilligen. Und wurde prompt von IWF-Chefin darauf hingewiesen, dass Deutschland doch keine Sorge tragen müsse, die Defizitgrenzen der EU zu reißen. Auf längere Sicht könnten sich solche Ausgaben auch für Staatshaushalte rechnen. Es könne nicht nur wachstumsfreundlich, sondern auch schuldenfreundlich sein.

Schäuble plädiert bisher eher dazu, private Investoren in die erweiterte Finanzierung über die bereits im Haushalt geplante Investitionen in die Infrastruktur einzubinden. Mit einer Stimulierung der Nachfrage über höhere Staatsausgaben sei ohnehin „nicht viel zu holen“.

Nach der öffentlichen Kritik in Washington an Schäubles Kurs, gab er jedoch nach. „Wir werden alles, was es an konkreten Investitionsmöglichkeiten gibt, auch finanzieren.“ Mittelfristig müssten die Ausgaben natürlich erhöht werden, was auch bereits getan werde. Er wolle eine Stärkung deutscher Investitionen prüfen. Dies ginge aber nicht über Nacht, sagte Schäuble.

Wie die Entscheidung der Bundesregierung letztlich ausgeht, ist unklar. Kanzlerin Merkel ließ jedoch schon erkennen, dass sie von ihrer bisherigen Meinung abrücken könnte: Die Bundesregierung bereite sich auf die Situation vor, indem sie überlege, wie man zusätzliche Investitionen möglich machen kann.

Kämen die Mittel für „zusätzliche Investitionen“ aus dem Bundeshaushalt würde die Regierung jedoch den bisherigen Konsolidierungspfad verlassen. Die „schwarze Null“, also das Auskommen im Bundeshaushalt ohne neuerliche Schuldenaufnahme wäre Geschichte.

Dennoch: Auf der Tagung in Washington wurden politische Entscheidungsträger nach Empfehlung des IWF dazu aufgefordert, wirtschaftliche Risikobereitschaft eingehen, um das Wirtschaftswachstum anzuschieben. Gleichzeitig fordert der IWF, die Staaten müssten die Kontrolle der finanziellen Exzesse vorantreiben.

Sechs Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise ist die die globale Erholung durch die sich angleichende Geldpolitik in den Industrieländern stark abhängig, so der IWF.

Dies habe zwar dazu beigetragen, dass wirtschaftliche Risiken in Form von höheren Investitionen und Beschäftigung in den Unternehmen Firmen und ansteigendem Verbrauch der Haushalte zur Folge hatte. Doch die Wirkung sei zu begrenzt und „uneben“ verlaufen. In den Vereinigten Staaten und Japan entwickelten sich die Dinge ein wenig besser, umso weniger jedoch in Europa und in den Schwellenländern.

Bei der Tagung in Washington bezog sich der Leiter der IWF-Finanzmarktabteilung, José Viñals, auch auf Gefahren bei den Schattenbanken. Der globale Markt der Schattenbanken beläuft sich derzeit auf 71 Billionen US-Dollar. Unternehmen, die sich wie Banken gerieren, die aber keine sind, drohten bereits während der Finanzkrise 2008 das gesamte Finanzsystem zu sprengen.

„Die Risiken verlagern sich in das System der Schattenbanken“, betonte Viñals. „Wenn das nicht in den Fokus kommt, könnten diese Risiken die globale Finanzstabilität gefährden.“

Zwar stellten die Notenbanken beinahe kostenlose Liquidität zur Verfügung, doch komme dieses Geld nicht hinreichend in den „echten Volkswirtschaften“ an, so Viñals. Die lockere Geldpolitik habe zwar dazu geführt, dass Firmen neue Arbeitsplätze schaffen würden und die Konsumenten mehr ausgeben. Gleichwohl habe das „billige Geld“ Investoren dazu angeregt, an den Finanzmärkten hohe Risiken einzugehen. Es sei nun die Angelegenheit der Gesetzgeber, den Transmissionsriemen der Geldpolitik in die echten Volkswirtschaften zu korrigieren.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Marktbericht
Marktbericht Mit digitalem Gold auf Erfolgskurs

Die Vervielfachung der Geldmenge hat enorme Auswirkungen. Die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten. Auf der anderen Seite zeichnet sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenverband-Studie: Kreditnachfrage der Unternehmen rückläufig

Die Banken in Deutschland rechnen mit einer weiterhin schwachen Kreditnachfrage.

DWN
Deutschland
Deutschland Hamburger Hafen lässt die Krise hinter sich

Im Hamburger Hafen kommt der Seegüterumschlag nach dem Corona-bedingen Einbruch wieder in Fahrt. Denn sein größter Handelspartner China...

DWN
Politik
Politik EU-Gipfel berät über Impfstoffproduktion und digitalen Impfpass

Die 27 Staaten der Europäischen Union wollen auf ihrem Gipfeltreffen das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie absprechen. Unter anderem...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank warnt vor überhöhten Immobilienpreisen

Im vergangenen Jahr haben die „markanten Preisübertreibungen“ auf dem Wohnungsmarkt zugenommen, so die Bundesbank. Teilweise liegen...

DWN
Politik
Politik Armenien: Premier wirft Militär Putschversuch vor

Das armenische Militär forderte am Donnerstag laut lokalen Medien den Rücktritt von Premierminister Nikol Pashinyan.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Der Ausverkauf geht weiter: Nächster deutscher Hightech-Konzern wird vom Ausland übernommen

Trotz ständigen Bekundungen der Bundesregierung, strategisch wichtige Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, geht der...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Das lange Warten auf die US-Konjunkturdaten am Nachmittag

Die deutschen Börsen haben sich heute Morgen kaum bewegt. Später werden wichtige Konjunkturdaten aus den USA veröffentlicht.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Zwischen Russland und Saudi-Arabien bahnt sich ein neuer Ölpreis-Krieg an

Im März findet das nächste Treffen der OPEC + statt. Während Saudi-Arabien die Öl-Produktion weiter drosseln will, plädiert Russland...

DWN
Politik
Politik Jetzt bahnt sich auch ein digitaler EU-Impfpass an

Am 25. und 26. Februar werden die Mitglieder des Europäischen Rates zusammenkommen, um über die Einführung von digitalen Impfpässen zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Plötzlich üben die Medien Kritik an Spahn, doch es ist zu spät

Die Medienlandschaft hat sich dazu durchgerungen, Jens Spahn zu kritisieren. Doch es ist zu spät, obwohl die Deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitale Zentralbankwährungen für den Großhandel und Einzelhandel bahnen sich an

In einem aktuellen Bericht plädiert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für die Einführung von digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Nutzung in den USA ist während der Pandemie gestiegen

In den USA ist nach Angaben eines Unternehmens für Sicherheitsdienste und Werttransporte die Bargeldnutzung gestiegen.

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen...

DWN
Deutschland
Deutschland Bundeskabinett beschließt Einführung des digitalen Impfpasses

Das Bundeskabinett hat am Montag die Einführung eines digitalen Impfpasses beschlossen, damit Geimpfte Restaurants und Konzerte besuchen...