Fußball-EM: Polizei mehr auf Terror vorbereitet als auf Hooligans

Das groß angekündigte Sicherheits-Konzept der Franzosen scheint bei der Fußball-EM nicht zu greifen. Bei Ausschreitungen gab es 40 Verletzte. Offenbar haben sich die Behörden mehr auf Terroristen konzentriert statt auf die bekannten, gewaltbereiten Hooligans.

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Die Fußball-EM wird zunehmend von Fan-Krawallen überschattet: Am Ende der Partie England gegen Russland im Stadion von Marseille stürmten Personen aus dem russischen Block am Samstagabend einen englischen Fan-Block und gingen auf die Zuschauer los. Sie bewarfen sie mit Leuchtraketen und rissen Flaggen herunter. Es kam zu Schlägereien. Aus Panik kletterten viele der englischen Fans über die Zäune zum Innenraum. Die Uefa kündigte umgehend an, Disziplinarmaßnahmen zu prüfen. Zuvor kam es bereits im Alten Hafen von Marseille zu schweren Ausschreitungen. Insgesamt wurden nach Angaben von Marseilles Polizeichef Laurent Nunez 35 Menschen verletzt. Auch im EM-Austragungsort Nizza eskalierte die Gewalt. Bei Rangeleien zwischen nordirischen Fans und Franzosen wurden sieben Menschen verletzt.

Die Vorfälle im Stadion von Marseille ließen Zweifel am Sicherheitskonzept der Polizei aufkommen. Als die Randale ausbrach, schauten Ordner zunächst tatenlos zu, bevor sie eingriffen, um die gegnerischen Fans voneinander zu trennen. Bilder zeigten unter anderem einen Vater, der versuchte, seinen Sohn zu schützen, während um ihn herum russische maskierte Fans auf Zuschauer einprügelten und eintraten. Die Krawalle könnten Konsequenzen für die russische Mannschaft haben. Bereits bei der EM 2012 war Russland wegen Ausschreitungen seiner Anhänger von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zu einer Geldstrafe und einem Punktentzug verurteilt worden.

Vor dem Anpfiff des Spiels in Marseille, das mit einem 1:1 endete, war es zwischen den Anhängern beider Mannschaften und Sicherheitskräften zu Auseinandersetzungen gekommen. Mehrere hundert Fans bewarfen sich im Alten Hafen mit Flaschen und Stühlen. Unter den Verletzten war ein Mann, der bewusstlos geschlagen wurde. Ein weiterer erlitt einen Herzinfarkt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Bereits am Donnerstag und am Freitag hatte es Handgemenge zwischen englischen und russischen Fans in der Stadt gegeben. Insgesamt wurden 15 Menschen in Marseille festgenommen, acht davon bei den Krawallen am Samstag.

In Nizza, wo am Sonntagabend Nordirland auf Polen trifft, lieferten sich nordirische Fans Schlägereien mit Franzosen. In Online-Netzwerken kursierte ein Video, in dem zu sehen war, wie Flaschen und Stühle flogen. Dann schritt die Bereitschaftspolizei ein.

Während des Turniers bis zum 10. Juli sollen rund 90.000 Polizisten und Sicherheitskräfte die Stadien und Fan-Meilen in Frankreich schützen.

Auch gewalttätige Hooligans aus Deutschland stellen nach den Worten von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere ein Sicherheitsrisiko dar. „Wir haben mit Frankreich einen Informationsaustausch über die polizeibekannten und gewalttätigen deutschen Hooligans eingerichtet und die Namen und Daten von rund 2500 Personen übermittelt“, sagte der CDU-Politiker der Bild am Sonntag. Deutsche Beamte unterstützten ihre französischen Kollegen bei Kontrollen an den Grenzen.

De Maiziere sagte, es gebe aktuell „keine konkreten Hinweise“ auf einen Terror-Anschlag während der Fußball-EM. Bei den Sicherheitsbehörden ging eine Vielzahl an Hinweisen ein, denen mit größter Sorgfalt nachgegangen werde. Viele von ihnen sollten nur Verunsicherung stiften. Deutsche und französische Sicherheitsbehörden seien gut aufgestellt und arbeiteten eng zusammen.

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