Finanzen

Italien und Spanien besonders nervös wegen Griechen-Krise

Lesezeit: 3 min
26.06.2015 23:46
Die Euro-Zone balanciert am Rande des Abgrunds. Die Peripherieländer gelten nach wie vor als Wackelkandidaten, falls es wirklich zu einem Grexit oder, noch schlimmer, zu einem Graccident, also einem ungeordneten Bankrott oder Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone kommt.
Italien und Spanien besonders nervös wegen Griechen-Krise

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In den meisten europäischen Staaten schauen die Beobachter mit Nervosität auf Griechenland. Jeder weiß, dass ein Crash kurz- und mittelfristige Folgen haben wird.

Befürworter einer harten Linie gegenüber Griechenland weisen immer wieder darauf hin, dass auch die anderen Euro-Peripherieländer in den vergangenen Jahren durch Sparmaßnahmen gezüchtigt wurden. Irland wird als besonders leuchtendes Beispiel genannt. Dort haben die Banken alles zurückbekommen, die Bürger jedoch nichts. Irland versinkt nur deshalb nicht im Chaos, weil viele irische Jugendliche ihre Heimat verlassen haben und in andere englischsprachige Länder ausgewandert sind.

Was man aber feststellen kann: Alle betroffenen Peripherieländer haben es durch eine massive Haushaltskonsolidierung geschafft, im Markt wieder Vertrauen zu generieren. Das war die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass diese Länder nun wieder in der Lage sind, sich am Kapitalmarkt selbstständig zu refinanzieren.

Natürlich darf diese Fähigkeit nicht überbewertet werden. Denn der Markt ist den neuen Emissionen von spanischen, portugiesischen, italienischen und irischen Staatsanleihen gegenüber auch deshalb aufgeschlossen, weil die EZB als für alles geradesteht. Ihr Eingreifen ist nicht nur theoretische Möglichkeit, sondern durch das derzeit laufende Anleihen-Kaufprogramm längst Realität. Das bietet den Käufern der Emissionen ein komfortables Sicherheitsnetz.

Die Folge war bislang, dass die Renditen der Peripherieanleihen durch die Bank im letzten Jahr rückläufig waren. Wobei das Ausmaß sicherlich hinterfragt werden muss, denn gerade im Frühjahr wurden Renditetiefs erreicht, die schnell als überzogen galten. Was aber auch mit dem Einstieg der EZB in die Anleihenkäufe, das so genannte Quantitave Easing, zu erklären ist. Denn auch, wenn es hierbei vordergründig um kürzere Laufzeiten im 3- bis 5-Jahres-Zeitraum geht, so strahlt die neu generierte Nachfrage auch auf längere Laufzeiten aus. Ob das nachhaltig ist, muss aber bezweifelt werden.

Aber in den letzten Wochen war auch zu erkennen: Die Peripherieländer gelten nach wie vor als Wackelkandidaten, falls es wirklich zu einem Grexit oder, noch schlimmer, zu einem Graccident, also einem ungeordneten Bankrott oder Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone kommt. Denn die Refinanzierungspläne der Euro-Peripherie sind nach wie vor eng gestrickt und ein möglicherweise kollabierender Primärmarkt in der Euro-Zone hätte unkalkulierbare Folgen.

Wie hoch wäre der finanzielle Schaden für die Euro-Peripherie?

Deshalb wird auch immer wieder von einer Ansteckungsgefahr der Peripherie im Falle eines Staatsbankrotts Griechenlands gesprochen. Wobei klar zu unterscheiden ist zwischen politischen und Stimmungseinflüssen auf der einen Seite und finanziellen Verstrickungen andererseits.

Hinsichtlich der finanziellen Lage ist festzustellen: Die Euro-Peripherie hätte mit überschaubaren Verlusten bei einem Schuldenschnitt oder einem Bankrott zu kämpfen, auch wenn einige Länder härter getroffen würden. Das gilt zum einen für das jeweilige Bankensystem. Nennenswerte Positionen in griechischen Staatsanleihen haben derzeit neben deutschen und britischen Banken nur die beiden spanischen Marktführer BBVA und Banco Santander, die mit jeweils 0,2% ihres Kernkapitals involviert wären. Zusammengenommen geht es gerade einmal um rund 150 Millionen Euro an Krediten in Griechenland, für beide Institute vollkommen verkraftbar.

Bei den jeweiligen Staaten muss etwas anders gerechnet werden. Denn hier geht um die Anteile, die jeder an den involvierten Kredittöpfen hat. Das würde aktuell vor allem die Anteile am Rettungsfonds EFSF und an der EZB betreffen, die hauptsächlich mit ihren Notkrediten (ELA) im griechischen Bankensektor aktiv ist.

Nimmt man die Anteile von Spanien, Portugal, Italien und Irland am EZB-Kapital zusammen, geht es hier um 24%, also aktuell um rund 6,5 Milliarden Euro, die über die EZB im Feuer stehen. Beim EFSF, der mit knapp 142 Milliarden Euro größter Einzelgläubiger Griechenlands ist, sieht die Lage etwas bedenklicher aus. So haben die vier genannten Länder einen Finanzierungsanteil am EFSF von fast 60%. Doch relativiert sich das beim Detail, dass es Spanien und Italien allein schon auf knapp 53% bringen. In der Summe stünden also bei einem Bankrott knapp 85 Milliarden Euro im Feuer, besonders für Spanien und Italien.

Rettungstöpfe gibt es genug, doch sind sie auch gefüllt?

Doch soll der Fonds noch knapp 240 Mrd. Euro an ungenutzten Kreditkapazitäten haben. Letztlich kann man davon ausgehen, dass bei einem Zahlungsausfall oder Schuldenschnitt ein neuer Plan gemacht werden würde, wie die Kapitallasten innerhalb des EFSF verteilt werden.

Es ist davon auszugehen, dass bei einer Pleite Griechenlands innerhalb oder außerhalb der Euro-Zone die Renditen der Peripherieanleihen kurzfristig nach oben schießen würden. In einer unklaren Situation ohne abgeklärte Perspektive ein normaler Vorgang. Aber auf Sicht der nächsten sechs bis 12 Monate wäre dann davon auszugehen, dass dann wieder eine Normalisierung eintreten würde. Sicherlich nicht auf heutige Niveaus, aber weit unterhalb früherer Krisenlevels.

Wie schnell das am Ende geht, hängt von den politischen Weichenstellungen ab. Denn die Optionen, sowohl Griechenland als auch in Mitleidenschaft gezogene Peripherieländer finanziell abzufedern, gibt es genügend. Dazu gehören neben weiteren EFSF-Krediten ein Kredittopf über rund 60 Milliarden Euro aus dem EU-Rettungsschirm EFSM. Auch der Bankenrettungsfonds ESM stünde theoretisch mit bis zu 450 Milliarden Euro bereit. Und die EZB hat bekanntlich erst kürzlich vom Europäischen Gerichtshof die Erlaubnis zu direkten Staatsanleihenkäufe im Rahmen des bestehenden, aber bislang noch nicht genutzten OMT-Programms erhalten.

Töpfe gibt es also genug, bleibt nur die Frage, ob diese im Ernstfall auch wirklich gefüllt werden können. Doch das ist keine finanzielle, sondern eben eine politische Entscheidung. Das gilt letztlich auch für die Wahl, ob Griechenland im Euro bleibt.

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