Yen-Intervention: USA und Japan stützen die japanische Währung
Der japanische Yen hat in den vergangenen Monaten erheblich an Wert verloren. Die USA und Japan reagierten Ende Juli mit abgestimmten Eingriffen am Devisenmarkt, um die japanische Währung zu stabilisieren. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.
Ungewöhnlich war jedoch die Vorgehensweise Washingtons. Die USA verkauften bei ihrer Yen-Intervention keine Dollar, sondern Euro. Noch bemerkenswerter war, dass die Europäische Zentralbank vor dem Geschäft offenbar nicht konsultiert wurde. Die EZB unter Präsidentin Christine Lagarde erfuhr erst nach der Transaktion davon. Die Financial Times wertet das Vorgehen unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Personen als deutliche Abkehr von jahrzehntelang etablierten Regeln der internationalen Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken. Der ungewöhnliche Schritt berührt damit nicht nur den Yen und den Euro, sondern auch das Verhältnis zwischen Washington und Frankfurt.
Ein wesentlicher Grund für die Schwäche der japanischen Währung sind die erheblichen Zinsunterschiede zwischen Japan und den USA. Die Bank of Japan hatte ihre Leitzinsen über lange Zeit nahe null gehalten, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen. In den USA lagen die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation dagegen deutlich höher.
Für internationale Anleger erhöhte dies die Attraktivität von Anlagen in Dollar. Kapital floss aus Yen-Anlagen ab und in höher verzinste Dollar-Anlagen. Die damit verbundenen Yen-Verkäufe setzten die japanische Währung zusätzlich unter Druck. Die USA und Japan griffen deshalb gemeinsam am Devisenmarkt ein. Für Washington war es die erste Intervention am Yen-Markt seit der international koordinierten Aktion von 2011. Damals verlief die Intervention allerdings in die entgegengesetzte Richtung und sollte eine übermäßige Aufwertung des Yen begrenzen. Die jüngste gemeinsame amerikanisch-japanische Aktion zur Stärkung des Yen war die erste seit 1998.
Analysten schätzen, dass Japan innerhalb von zwei Tagen rund 13,8 Billionen Yen für die Intervention eingesetzt hat. Nach dem jüngsten verfügbaren Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 7. August 2026 entspricht dies rund 75,6 Milliarden Euro. Das wäre ein neuer Rekord für eine japanische Intervention am Devisenmarkt.
Euro-Verkäufe ohne Absprache mit der EZB
Besonders ungewöhnlich ist die Art des amerikanischen Eingriffs. Die USA verkauften für den Kauf japanischer Yen nicht ihre eigene Währung, sondern Euro. Interventionen am Devisenmarkt werden normalerweise mit den eigenen Währungsreserven durchgeführt. Die Federal Reserve Bank of New York führte die Transaktionen im Auftrag des amerikanischen Finanzministeriums durch. Die Financial Times berichtet, dass Euro verkauft und im Gegenzug Yen erworben wurden. Die amerikanische Intervention markiert damit auch technisch einen ungewöhnlichen Schritt auf den internationalen Devisenmärkten.
Für zusätzliche Irritationen sorgte in Frankfurt, dass die EZB offenbar erst nach Abschluss der Geschäfte informiert wurde. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und US-Finanzminister Scott Bessent sprachen demnach erst miteinander, nachdem Washington bereits eingegriffen hatte. Innerhalb der EZB wird das Vorgehen laut Financial Times als Abkehr von den üblichen Regeln internationaler Zusammenarbeit verstanden. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe sich die Praxis etabliert, größere Interventionen zwischen den wichtigsten Zentralbanken im Vorfeld abzustimmen beziehungsweise zumindest die beteiligten Institutionen rechtzeitig zu informieren.
Gerade bei Geschäften, die unmittelbar eine andere bedeutende Währung betreffen, galt eine vorherige Konsultation als wesentlicher Bestandteil dieser Zusammenarbeit. Die amerikanische Regierung verkaufte jedoch Euro, ohne die für diese Währung zuständige Zentralbank zuvor einzubeziehen. Höhere Vertreter der EZB bezeichneten das Vorgehen laut Financial Times deshalb als beispiellose Abkehr von der bisher üblichen Praxis. Washington weist diese Kritik zurück.
Das amerikanische Finanzministerium unter Scott Bessent argumentiert, dass die Verwaltung der amerikanischen Reserven zur Wechselkursstabilisierung ausschließlich in seinen eigenen Zuständigkeitsbereich falle. Daraus ergebe sich keine Verpflichtung, Entscheidungen im Vorfeld mit ausländischen Institutionen abzustimmen.
Ein Sprecher des US-Finanzministeriums verschärfte den Ton zusätzlich. Gegenüber der Financial Times erklärte er, "die USA respektieren die Vertraulichkeit von Gesprächen mit internationalen Partnern, im Gegensatz zur EZB". Damit kritisierte das Ministerium indirekt die Europäische Zentralbank. Hintergrund ist, dass Informationen über interne Gespräche an die Medien gelangt waren. Zuerst berichtete die Financial Times über die Vorgänge, anschließend griffen weitere internationale Medien die Informationen auf. Eine offizielle Stellungnahme der EZB oder der amerikanischen Federal Reserve erhielt die Financial Times zunächst nicht. Beide Institutionen wollten die Vorgänge nicht kommentieren.
Der Fall wirft dennoch grundsätzliche Fragen über das künftige Vertrauen zwischen den USA und Europa sowie über die Zusammenarbeit der weltweit wichtigsten Zentralbanken auf. Gerade bei Interventionen an den Devisenmärkten war eine vorherige Abstimmung bislang ein wichtiges Instrument, um unerwartete Marktreaktionen und politische Missverständnisse zu vermeiden.
Yen-Intervention: Warum Washington eigene Interessen schützt
Analysten vermuten, dass US-Finanzminister Bessent bewusst auf Dollar-Verkäufe verzichtete. Normalerweise hätten die USA Yen gekauft und dafür Dollar verkauft. Ein solches Vorgehen hätte an den Finanzmärkten jedoch als Signal interpretiert werden können, dass Washington einen schwächeren Dollar anstrebt. Bessent vertritt offiziell weiterhin die Politik eines "starken Dollars". Ein umfangreicher Verkauf amerikanischer Dollar zur Stützung des Yen hätte daher Zweifel an dieser Linie auslösen können. Durch den Verkauf von Euro konnte Washington den Yen unterstützen, ohne gleichzeitig unmittelbar Druck auf die eigene Währung auszuüben.
Hinter der Yen-Intervention stehen nach Einschätzung internationaler Marktbeobachter zugleich handfeste amerikanische Interessen. Besonders wichtig ist dabei der Markt für US-Staatsanleihen. Japan ist der größte ausländische Besitzer amerikanischer Staatsanleihen. Muss Tokio seine eigene Währung mit umfangreichen Interventionen stabilisieren, kann die Regierung dafür Teile ihrer Fremdwährungsreserven einsetzen. Dazu gehören in erheblichem Umfang amerikanische Staatsanleihen.
Washington hat daher ein starkes Interesse daran, dass Japan zur Finanzierung seiner Yen-Käufe nicht massenhaft US-Staatsanleihen verkauft. Eine größere Verkaufswelle könnte deren Kurse belasten. Sinkende Anleihekurse gehen mit steigenden Renditen einher und könnten die Finanzierungskosten des hoch verschuldeten amerikanischen Staates zusätzlich erhöhen.
Offiziell präsentierten Washington und Tokio ihre gemeinsame Yen-Intervention als Zeichen der engen Partnerschaft. Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass die USA vor allem ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen schützen. Neben dem amerikanischen Anleihemarkt spielt auch die Investitionspolitik Japans eine Rolle. Tokio hat umfangreiche Investitionen in den USA zugesagt. Die im Zusammenhang mit den amerikanisch-japanischen Wirtschaftsvereinbarungen genannte Summe von 550 Milliarden Dollar entspricht nach dem EZB-Referenzkurs vom 7. August rund 476,8 Milliarden Euro.
Ein dauerhaft schwacher Yen könnte solche Investitionen verteuern und die Fähigkeit japanischer Unternehmen und Institutionen beeinträchtigen, große Projekte in den USA zu finanzieren. Eine Stabilisierung der japanischen Währung liegt daher auch aus amerikanischer Sicht nahe.
US-Finanzminister Scott Bessent forderte nach Angaben von Bloomberg zugleich die Bank of Japan dazu auf, ihre Leitzinsen anzuheben. Damit richtet sich die Aufmerksamkeit erneut auf die grundlegende Ursache der Yen-Schwäche. Solange die Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA hoch bleibt, behalten Anlagen in Dollar für viele Investoren einen Renditevorteil.
Die gemeinsame amerikanisch-japanische Aktion stärkte den Yen zunächst deutlich. Der strukturelle Druck auf die japanische Währung ist damit jedoch nicht beseitigt. An den Märkten bestehen weiterhin Zweifel, ob die Bank of Japan ihre Geldpolitik schnell genug normalisiert. Langfristig dürfte die Entwicklung des Yen daher stärker von den Entscheidungen der japanischen Zentralbank als von einzelnen Interventionen am Devisenmarkt abhängen. Devisenkäufe können kurzfristige Marktbewegungen korrigieren, die grundlegenden Zinsunterschiede zwischen den großen Volkswirtschaften lösen sie jedoch nicht.
Für Deutschland besitzt die Entwicklung vor allem über den Euro und die internationale Zusammenarbeit der Zentralbanken Bedeutung, da Entscheidungen über den Einsatz des Euro am internationalen Devisenmarkt die Glaubwürdigkeit der europäischen Währungsordnung und das Verhältnis zwischen EZB und amerikanischen Institutionen berühren. Für deutsche Unternehmen mit intensiven Handelsbeziehungen nach Japan können zudem stärkere Wechselkursschwankungen zwischen Yen und Euro relevant werden. Wie stark mögliche Auswirkungen tatsächlich ausfallen, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung der japanischen Geldpolitik und der Stabilität des Yen ab.

