Politik

China: Überraschende Rückkehr zu robustem Wachstum

Lesezeit: 2 min
10.12.2012 11:30
Sowohl der Umsatz im Einzelhandel als auch in der Produktion hat wieder zugelegt. Das könnte die chinesische Regierung dazu bringen, den bisher eingeschlagenen Kurs beizubehalten. Doch wie eine neue Studie zeigt, tut sich bereits an anderer Stelle ein Problem auf. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist viel höher als von der Regierung proklamiert.
China: Überraschende Rückkehr zu robustem Wachstum

Benachrichtigung über neue Artikel:  

Aktuell: Crash-Gefahr in Italien: Bankaktien ausgesetzt, Italo-Bonds steigen

Wie die chinesische Regierung am Sonntag mitteilte, stieg die Industrieproduktion im November um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat – das größte Wachstum seit März. Der Umsatz im Einzelhandel (+14,9%) und die Exporte haben ebenfalls zugelegt, und das, obwohl die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den vergangenen Monaten mit immer schlechteren Wirtschaftsdaten die weltweite Rezession ebenfalls anheizte. Angesichts der zurückgehenden Inflation dürfte dies die chinesische Regierung dazu veranlassen, weiter an der aktuellen Politik festzuhalten. Selbst die Anlageinvestitionen stiegen in den ersten elf Monaten um 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allerdings dürfen hier nicht die von der Regierung geförderten Investitionen außer Acht gelasen werden (hier).

Geschwächt von einem sich verlangsamenden Exportwachstum, der geringen Binnennachfrage und dem abkühlenden Immobilienmarkt fiel das BIP Chinas im dritten Quartal auf ein Drei-Jahres-Tief von 7,4 Prozent. Insofern markieren die neuesten Daten vielen Anlaysten zufolge einen möglichen Wendepunkt. „Wir erwarten, dass diese wirtschaftliche Erholung dauerhaft sein wird“, sagte Sun Junwei von der HSBC der CNBC.Aber Francis Cheung, Analyst bei CLSA, geht davon aus, dass sich insgesamt das Wirtschaftswachstum in China auch 2013 weiter verlangsamen wird. Die Regierung strebt ein Wachstumsziel von 8,5 Prozent an – verglichen mit den früheren zweistelligen BIP-Zahlen ist das noch immer für chinesische Verhältnisse nicht besonders viel. Die erfolgreichen Unternehmer Chinas blicken besonders skeptisch in die Zukunft ihres Landes. Sie verlassen mittlerweile in großen Scharen das Land (mehr hier).

Doch die positiven Wirtschaftsdaten der chinesichen Regierung sind durchaus mit Vorsicht zu genießen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, sind die offiziellen Daten zur Arbeitslosigkeit in China auch weit entfernt von den tatsächlichen Zuständen am Arbeitsmarkt. Nach einer Befragung von 8.000 Haushalten lag beispielsweise die städtische Arbeitslosigkeit im August 2011 bei acht Prozent – also fast doppelt so hoch wie die offiziellen 4,1 Prozent.

Die offizielle Arbeitslosenquote bezieht sich lediglich auf die registrierten Stadtbewohner, die Arbeitslosengeld erhalten. Wesentliche Teile der chinesischen Bvölkerung, wie beispielsweise die Wanderarbeiter werden in diese Brechnungen nicht mit einbezogen. Viele Wanderarbeiter sind nicht in den Städten, in den sie arbeiten, registriert und fallen so durch. Die Studie von Gan Li, Wirtschaftsprofessor an der South West University of Finance und Economics in Chengdu, hat versucht, durch Befragungen von privaten Haushalten im ganzen Land die Arbeitslosigkeit in China zu konkretisieren, so das WSJ. Im Juni 2012 lag dann beispielsweise allein die Arbeitslosenquote unter Chinas 160 Millionen Wanderarbeitern sogar bei 6 Prozent gegenüber den 3,4 Prozent im August 2011. Als Folge der sich verlangsamenden Exporte und des zurückgehenden Immobillienbaus verloren 10 Millionen Arbeiter ihre Arbeit.

Das Problem der Arbeitslosigkeit ist für Chinas Regierung alles andere als eine Kleinigkeit. Angesichts der starken Korruption, die auch mit der neuen Führung noch nicht verschwunden ist (hier), und der zentralistische ausgeübten Macht, wächst mit der Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit sozialer Unruhen.

Weitere Themen

Schulz, Van Rompuy, Barroso in Oslo: Sie sehen sich als Zeichen der Hoffnung

Griechenland: Schulden-Rückkauf muss verlängert werden

Alternativlos: 93,5 Prozent für Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..



DWN
Politik
Politik Bericht: „Eine weitere Studie zeigt erneut, dass Lockdowns nicht funktionieren“

Das „Ludwig von Mises Institute“ berichtet: „Obwohl die Befürworter von Corona-Lockdowns weiterhin darauf bestehen, dass sie Leben...

DWN
Politik
Politik Corona 2021: Kommt es in der EU bald zu einer Nahrungsmittel-Krise?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Europa zur Nahrungsmittel-Krise kommt. So ist davon auszugehen, dass der Nahrungsmittel-Preisindex...

DWN
Deutschland
Deutschland Insider: Merkel will touristische Reisen verbieten

Sie sei nicht für ein Reiseverbot, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es sollten aber möglichst keine touristischen Reisen stattfinden.

DWN
Finanzen
Finanzen Konkurrenz zum Bargeld: EU-Pläne zu digitalem Euro werden konkret

Die EU-Kommission unterstützt die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euros. Wirtschaft und Finanzwesen...

DWN
Finanzen
Finanzen Gegen das Bargeld: EU-Kommission will europaweite Obergrenze für Bar-Zahlungen

Die EU-Kommission erwägt eine europaweite Obergrenze bei der Nutzung von Bargeld. Experten der Kommission behaupten, dass sie dadurch...

DWN
Politik
Politik Das große deutsche Bildungs-Desaster: Ein ganzer Jahrgang wird dem Lockdown geopfert

Die Schließung von Schulen hat bei vielen Schülern praktisch ein ganzes Bildungsjahr ausradiert - mit spürbaren Folgen für die...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutsche Autobranche erwartet weiter schwache Pkw-Nachfrage

Die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer rechnen nicht damit, dass der durch Corona verursachte Schaden rasch wettgemacht werden kann....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lastwagenbauer MAN baut in Deutschland 3500 Stellen ab

Im Herbst wollte MAN 9500 Stellen in Deutschland und Österreich abbauen und trieb die Arbeitnehmer damit auf die Barrikaden. Jetzt...

DWN
Politik
Politik Entschädigung von Nerzzüchtern kostet Dänemark Milliardenbetrag

In Dänemark hatte die Regierung angeordnet, dass alle rund 17 Millionen Nerze im Land getötet werden. Nun muss der Steuerzahler die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn-Techniker Vossloh kämpft sich nach Corona-Rückschlägen zurück – mit Großorder aus Australien

Die Pandemie hat ganz besonders die Transportbranche getroffen – und somit auch den Bahn-Techniker Vossloh. Doch kommt jetzt wieder...

DWN
Deutschland
Deutschland Warum deutsche Exporteure wieder optimistischer werden

Eine ganze Reihe von globalen Entwicklungen haben im Januar die Erwartungen der deutschen Exporteure steigen lassen, berichtet das...

DWN
Deutschland
Deutschland Corona verändert deutschen Online-Handel: Plattformen sind die Gewinner

Der Branchenverband BEVH meldet eine Reihe interessanter Entwicklungen im deutschen Online-Handel. So haben die großen Onlinemarktplätze...

DWN
Politik
Politik Rund 150 Festnahmen bei erneuten Krawallen in den Niederlanden

In den Niederlanden ist es den dritten Abend in Folge in mehreren Städten zu Krawallen gekommen. "So viel Gewalt haben wir seit 40 Jahren...

DWN
Deutschland
Deutschland Konjunkturbelebung schlägt auf Maschinenbau durch

Dem als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltenden Maschinenbau hat die konjunkturelle Belebung im vierten Quartal durch die Corona-Krise...