Politik

Köln vor türkischer Groß-Demo: Erdogan-Minister wird sprechen

Lesezeit: 2 min
30.07.2016 21:03
Bei der Kölner Groß-Demo für den türkischen Präsidenten Erdogan wird am Sonntag der türkische Sportminister sprechen. Die Polizei hat ihr Aufgebot verstärkt. Ein Gericht erlaubte auch eine rechte Gegendemonstration.
Köln vor türkischer Groß-Demo: Erdogan-Minister wird sprechen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Türkei  

+++ WERBUNG +++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Bei der Demonstration von Anhängern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonntag wird ein Mitglied der Regierung in Ankara auftreten. Der türkische Sportminister werde sprechen, sagte Kölns Polizeipräsident Jürgen Mathies am Samstag. Einen Auftritt des türkischen Außenministers habe er verhindern können. Die Polizeikräfte würden noch einmal aufgestockt: von 2.300 auf nunmehr 2.700. Er sei "zuversichtlich, dass Köln morgen einen friedlichen Tag erlebt", sagte Mathies mit Blick auf diese massive Präsenz.

Aus Sorge vor Gewalt hat die Kölner Polizei ihre Einsatzkräfte vor der umstrittenen Großkundgebung von Anhängern des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan aufgestockt. Ein Verbot der Versammlung komme daher und "nach Bewertung der Gefährdungsaspekte" rechtlich nicht in Betracht, erklärte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies am Samstag. Erdogan warf Deutschland und Österreich mangelnde Meinungsfreiheit vor.

An der für Sonntag geplanten Kundgebung mit dem Titel "Ja zur Demokratie - Nein zum Staatsstreich" könnten nach Schätzungen der Polizei bis zu 30.000 Menschen teilnehmen. Vier Gegendemonstrationen sind angemeldet, unter anderem aus dem linken Spektrum sowie von Jugendorganisationen deutscher Parteien.

Auch die rechte Partei Pro NRW will gegen die Versammlung von Türken und türkischstämmigen Deutschen demonstrieren. Der Kölner Polizeipräsident hatte zunächst den Protestmarsch der Rechten untersagt und statt dessen lediglich eine stationäre Kundgebung bestätigt. Vor dem Oberverwaltungsgericht Münster hatte dieses Demonstrationsverbot aber keinen Bestand, wie die Polizei am Samstagnachmittag mitteilte.

Matthies erklärte, er nehme "diese Entscheidung zur Kenntnis, gegen die ich keine weiteren Rechtsmittel mehr einlegen kann". "Meine Einschätzung der Gefahren, die aus einem Aufzug resultieren, bleibt aber unverändert", betonte der Behördenleiter.

Angesichts der angespannten Lage und der hohen Zahl an Demonstranten hatte Mathies zuvor weitere hunderte Einsatzkräfte angefordert. Inzwischen stehen

2700 Beamte für den Einsatz am Sonntag bereit. Die Anforderungen an Einsatzkräfte seien nach den jüngsten Gerichtsentscheidungen zu den Demonstrationen "enorm gestiegen", erklärte die Polizei.

Nachdem er sich ein Verbot der Kundgebung zunächst offengehalten hatte, erklärte Polizeipräsident Mathies am Samstagnachmittag, er habe viele Gespräche geführt, um die "Versammlungs-, Gefährdungs- und Kräftelage" zu erörtern. Insbesondere vor dem Hintergrund der Kräfteaufstockung komme ein Verbot rechtlich nicht in Betracht.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der "Süddeutschen Zeitung" vom Samstag, innenpolitische Spannungen aus der Türkei nach Deutschland zu tragen und Menschen mit anderen politischen Überzeugungen einzuschüchtern, "das geht nicht". In Deutschland gebe es dafür keinen Platz, "und das werden wir auch nicht zulassen".

"Wir erwarten, dass sich die Teilnehmer in Köln an Recht und Gesetz halten", mahnte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) in der "Passauer Neuen Presse" und sprach sich gegen ein Verbot der Großkundgebung aus.

"Demonstrationen gehören zu unserer Demokratie, auch wenn einzelne Aussagen von Demonstranten schwer zu ertragen sein mögen."

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Demonstrationen für oder gegen die türkische Führung müssten in Deutschland "auf dem Boden unserer Rechtsordnung" stattfinden. Er beklagte massive Einschüchterungsversuche im Vorfeld der Demonstration.

Derweil warf Erdogan Deutschland und Österreich mangelnde Meinungsfreiheit vor. Die in beiden Ländern lebenden Türken dürften nicht protestieren, sagte Erdogan am Freitagabend. Ihnen sei es gar verboten worden, die türkische Flagge vor ihren Häusern zu hissen. Allerdings gibt es hierzulande kein Flaggenverbot.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Brandbrief an Merkel: Deutschland spielt mit dem Verlust seiner mittelständischen Basis

Vertreter des Mittelstands warnen in einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Merkel vor einer mutwilligen Zerstörung der wirtschaftlichen...

DWN
Politik
Politik 2021: Jahr der Wahlen - oder der Wählertäuschungen?

2021 ist das Jahr der großen Wahlen. Doch eigentlich ist es egal, für wen sich die Wähler entscheiden, schreibt DWN-Gastautor Henrik...

DWN
Deutschland
Deutschland Flugsicherung läuft gegen geplante Abtretung von Teilen des deutschen Luftraums Sturm

Die Deutsche Flugsicherung sowie die Gewerkschaft der Flugsicherung laufen gegen Pläne der Beratungsgesellschaft Deloitte Sturm.

DWN
Politik
Politik Jens Spahn: Ein Mann und seine Abenteuer

Die bisherige Karriere von Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn ist aufregend verlaufen. Die DWN zeichnen die wichtigsten Stationen...

DWN
Politik
Politik Corona-Überraschung: Funktionär der Kommunistischen Partei China ist Mitglied der Leopoldina

Ein Top-Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas ist seit Juli 2020 auch Mitglied der Leopoldina, die die Bundesregierung in der...

DWN
Finanzen
Finanzen Höhere Inflation im Anmarsch - ein gutes Omen für Gold

Während viele andere Geldanlagen zuletzt starke Gewinne verzeichneten, zeigte Gold eine auffällige Schwäche. Doch dies dürfte sich nun...

DWN
Politik
Politik Russen glauben mehrheitlich, das Corona-Virus sei eine von Menschen geschaffene Biowaffe

Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass zwei Drittel der Russen glauben, das Virus sei eine Biowaffe, und zwei Drittel sich nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Greensill-Bank in Schieflage, Bafin schickt Sonderbeauftragten

Die Bremer Greensill-Bank ist in Turbulenzen geraten. Das Geldhaus gehört zu einem britisch-australischen Konzern, der seinerseits derzeit...