Online-Shopping: Der gläserne Konsument ist längst Realität

Lesezeit: 2 min
12.12.2012 00:57
Facebook, Twittern oder Google: Wer im Internet seine Interessen preisgibt, macht seine Neigungen bewusst transparent für Firmen, die ihr Produkte anschließend maßgeschneidert anbieten können. Die Datensammler sind dem Kunden immer einen Schritt voraus. Und sie sind kaum zu stoppen.
Online-Shopping: Der gläserne Konsument ist längst Realität

Aktuell:

Arbeiter-Unruhen in den USA: "Es wird Blut fließen"

Alle großen Firmen sammeln die Daten ihrer Kunden. Bei Rabattkarten, Online-Registrationen und Kontaktformularen sind die Angaben der Emailadresse und des Namen immer Pflicht und können durch zusätzliche Informationen zu der Person ergänzt werden. Diese Informationen müssen mit der tatsächlichen Identität des Konsumenten nicht übereinstimmen, trotzdem verschafft es einem Unternehmen immense Vorteile bei der Verkaufsstrategie, wenn bereits Informationen verfügbar sind.

Eine Studie des Wall Street Journal, die die 1.000 größten Internetseiten untersucht, fand heraus, dass 75 Prozent dieser Seiten bereits entweder den Code von Facebook in Form des Like-Buttons oder den Tweet-Button der Kurznachrichten-Plattform Twitter integriert haben. Auch wenn Kunden auf diesen Seiten nach Angeboten shoppen und die Buttons niemals anklicken, besteht die Möglichkeit, das Suchverhalten der Nutzer mit ihren Profilen bei Facebook oder Twitter abzugleichen und für Marketing-Strategien zu nutzen. Daten werden zwar nur in verschlüsselter Form zwischen Internetseiten ausgetauscht, aber maßgeschneiderte Werbeinformationen sind auf diese Weise möglich.

Dabei ist die Identität des Kunden gar nicht mal das Wichtigste. Die meisten Online-Shopper sind bereits so sehr sensibilisiert, dass heikle Daten im Internet nicht angegeben werden. Nur noch 12 Prozent tun das freiwillig und uneingeschränkt. Dennoch kann durch einen Abgleich die Verknüpfung zu Profilen aus sozialen Netzwerken rasant hergestellt werden. Und dort haben die meisten Nutzer noch immer ihre tatsächlichen Daten angegeben: Name, Emailadresse, Geburtsdatum und Interessen in Form von Like-Angaben. Wer nicht möchte, dass diese Daten für Shopping-Seiten sichtbar oder erkennbar sind, sollte sie auf den sozialen Netzwerken entsprechend anonymisieren.

Weitere Recherchen des WSJ belegen, dass bei Internetseiten, die einen Login erfordern, in mindestens 25 Prozent der Fälle die Informationen wie Name, Emailadresse und andere Daten an Dritte weitergegeben werden. Dieser Umstand wird durch die Registration der Nutzer und durch Akzeptieren der Geschäftsbedingungen ermöglicht. Eine große Dating-Seite übergab Angaben über die sexuelle Neigung eines ihrer Nutzer und in einem Einzelfall sogar die Angaben über den Konsum von Drogen.

Lobenswert: Das WSJ prangert auch das eigene Unternehmen an, welches ebenfalls bereits mehrfach Daten weitergegeben hat - versehentlich, wie die Verlagsleitung beteuerte. Bei Medien, die sich gerne als Datenschützer profilieren, ist die Weitergabe von persönlichen Daten keine Seltenheit. So hat in Deutschland der Verlag Gruner+Jahr die Abonnentenkartei der verblichenen FTD an das Handelsblatt verkauft - ohne die Kunden um ihre Zustimmung zu fragen. Mehr zu diesem von den deutschen Zeitungen unkritisch begleiteten Vorgang beim Blogger Thomas Knüwer (hier).

weitere Themen:

Der Volks-Apfel: China liefert die erste echte Apple-Kopie

Gruselig: Die CIA betreibt eine Kinder-Website

Russland, China und die USA streiten, wer das Internet zensieren darf



DWN
Finanzen
Finanzen Renditen steigen: Investoren verlieren das Vertrauen in Zombie-Unternehmen

Auf dem US-Markt geraten riskantere Unternehmensanleihen zunehmend unter Druck. Die Zahl der besonders gefährdeten Anleihen, der...

DWN
Politik
Politik Bosch: Von der Leyens „Green Deal“ bricht der deutschen Autobranche das Genick

Der Bosch-Vorstandsvorsitzende Volkmar Denner warnt vor den überzogenen CO2-Vorgaben der neuen EU-Kommission. Diese bedeuteten faktisch...

DWN
Politik
Politik Anhörung eskaliert: „Das Soros-Orchester“ und die ernste Entfremdung zwischen EU-Kommission und Ungarn

Eine Anhörung zu Vorwürfen der EU-Kommission gegen die ungarische Regierung ist aus dem Ruder gelaufen. Die beiden Seiten scheinen sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Studie: Deutsche Wirtschaft und Haushalte steuern mit 5G auf ein Strompreis-Debakel zu

Einer Studie zufolge wird der neue Mobilfunkstandard 5G zu einer massiven Zunahme des Stromverbrauchs führen. Das alles geschieht zu einer...

DWN
Politik
Politik Richtungswahl in Großbritannien: Fundamentale Weichenstellung zwischen hartem Brexit und zweitem Referendum

Die anstehende Parlamentswahl in Großbritannien ist eine Richtungswahl für die Zukunft des Landes. Auf der einen Seite steht der harte...

DWN
Finanzen
Finanzen Zahl der Börsengänge im laufenden Jahr weltweit eingebrochen

Die Zahl der Börsengänge ist im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen – ein Zeichen dafür, dass viele Beobachter mit einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Die WTO ist handlungsunfähig: „Schwerster Schlag für das multilaterale Handelssystem“

Der zentrale Mechanismus der Welthandelsorganisation wurde durch die US-Regierung deaktiviert. Die Organisation ist gelähmt.

DWN
Politik
Politik Brexit: „In den nächsten beiden Jahren wird überhaupt nichts passieren”

Dem Ökonomen Anatole Kaletsky zufolge wird sich in den kommenden ein bis zwei Jahren im Verhältnis zwischen EU und Großbritannien so gut...

DWN
Politik
Politik Erdogan deutet Entsendung der türkischen Armee nach Libyen an

Der Stellvertreterkrieg in Libyen nimmt Fahrt auf. Die türkische Regierung kann sich eine Entsendung von Truppen vorstellen.

DWN
Finanzen
Finanzen Im Führungszirkel der EZB geraten die Negativzinsen ins Kreuzfeuer

Bei der EZB mehren sich Medienberichten zufolge die Stimmen, die auf die mit dem negativen Einlagezins verbundenen Risiken hinweisen. Das...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Nach Börsengang: Saudi Aramco wird wertvollstes Unternehmen der Welt, verdrängt Apple von der Spitze

Der staatliche Öl-Konzern Saudi Aramco ist am Mittwoch nach seinem Börsengang zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Zuvor...

DWN
Politik
Politik US-Armee wird im Sommer 20.000 Soldaten für Großübung nach Europa verlegen

Die USA verlegen 20.000 zusätzliche Truppen nach Europa, die an einer Übung im Sommer teilnehmen sollen. Deutschland spielt dabei eine...

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

celtra_fin_Interscroller