Brustkrebs: Mammografie-Screenings wirkungslos

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
25.02.2014 00:22
Die viel gepriesene Mammografie ist nicht so wirkungsvoll, wie die Industrie es angibt. Zwei neue Studien zeigen, dass durch die Untersuchung keinesfalls mehr Leben gerettet werden. Der fragwürdige Nutzen rechtfertigt die Kosten nicht.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Wissenschaftler der Universität Toronto und des Swiss Medical Boards kommen in zwei unabhängigen Studien zu einem vernichtenden Urteil bezüglich des Nutzens des Mammografie-Screenings. Als großen Fortschritt im Kampf gegen den Brustkrebs wurde die Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie) gefeiert. Noch in den 80er Jahren hatte man aufgrund erster Stichproben eine Verringerung der Sterblichkeit bei Brustkrebs mittels Mammografie zwischen 15 und 25 Prozent erwartet.  Doch der Nutzen ist alles andere als belegt.

Mammografie senkt Sterblichkeit nicht

25 Jahre lang haben die Forscher der Universität Toronto über 90.000 Frauen begleitet. Zu Beginn der Studie wurden die Frauen per Losverfahren in zwei Gruppen mit jeweils 45.000 Frauen eingeteilt. Bei den Frauen der einen Gruppe gab es Voruntersuchungen zu Brustkrebs mittels herkömmlichen Abtasten der Brust, bei den Frauen der anderen Gruppe kam noch eine jährliche Mammografie hinzu.

Das Ergebnis: Nach 25 Jahren waren von den Frauen, die nur abgetastet wurden 505 Frauen gestorben. Bei den Frauen mit jährlichem Mammografie-Screening waren 500 Frauen gestorben. Bei der Sterblichkeit von Brustkrebs wurde zwischen den Mammografie-Kontrollen und den Abtast-Kontrollen „kein Unterschied beobachtet“, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings kam es bei den Mammografie-Screenings zu einer Überdiagnose  von 22 Prozent. Behandlungen wie eine Bestrahlung, Chemotherapie oder Operationen seien bei diesen Frauen unnötig gewesen.

Nutzen rechtfertigt Kosten nicht

Für die Brustkrebs-Industrie ist diese Studie alles andere als positiv – stellt es doch die regelmäßigen Screenings, zu denen Frauen ab einem bestimmten Alter geraten wird, infrage. Zumal eine Schweizer Studie zu einem ähnlich ernüchternden Ergebnis kam. Im Februar veröffentlichte das Fachgremium Swiss Medical Board einen Bericht zum Thema „Systematisches Mammografie-Screening".

Für diesen Bericht wurden bereits erhobene Daten neu geprüft. „Gemäss Studiendaten aus den Jahren 1963 bis 1991 sterben von 1.000 Frauen mit regelmässigem Screening 1 bis 2 Frauen weniger an Brustkrebs als bei 1.000 Frauen ohne regelmässiges Screening“, so das Swiss Medical Board. Abgesehen von dem dargestellten nur geringfügigem Unterschied zwischen Screening und Nicht-Screening, macht auch der Schweizer Bericht deutlich: Bei rund 100 von 1.000 Frauen mit Screening kommt es „zu Fehlbefunden, die zu weiteren Abklärungen und zum Teil unnötigen Behandlungen führen“. Auch ergebe sich ein „sehr ungünstiges Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis“, heißt es in dem Bericht.

In den USA werden jährlich etwa 37 Millionen Mammographien für einen Preis von jeweils etwa 100 Dollar durchgeführt. Dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz zufolge ist Brustkrebs in Deutschland mit etwa 71.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung. Jährlich sterben in Deutschland 17.000 Frauen an den Folgen dieser Erkrankung. Und so werden mittlerweile alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren ohne klinischen Verdacht einer Brustkrebserkrankung zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Machtkampf um Huawei: Auswärtiges Amt tritt gegen Kanzleramt, Innen- und Wirtschaftsministerium an

Das Auswärtige Amt unter Heiko Maas will Huawei vom Aufbau des 5G-Netzes ausschließen. Dagegen stellen sich das Kanzleramt unter Angela...

DWN
Finanzen
Finanzen Mit der Deutschen Mark wäre die Bundesrepublik ein Industriestaat zweiter Klasse

Die Einführung des Euro hat nicht nur Deutschlands Exportwirtschaft angekurbelt, sondern auch zu mehr Wohlstand geführt. Die...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Top-General Kujat: Europa ist schwach, weil Deutschland schwach ist

Welche Rolle spielt Deutschland im Mittleren Osten nach dem Tod von Ghassem Soleimani? Darüber sprach Bernd Brümmel, freiberuflicher...

DWN
Finanzen
Finanzen In Dänemark zeigen sich die desaströsen Folgen der Negativzinsen

Nirgends gibt es negative Zinssätze schon eine so lange Zeit wie in Dänemark, wo sich nun die nachteiligen Auswirkungen zeigen.

DWN
Politik
Politik Kontrollsystem offenbart große Lücken: Am Corona-Virus erkrankte Chinesin gelangt problemlos nach Frankreich

Eine am Corona-Virus erkrankte Chinesin konnte die Corona-Virus-Checkpoints an den Flughäfen in China überwinden, um nach Frankreich zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 450 Stellen in Gefahr: VW entscheidet sich für Osteuropäer und gegen seine Tochter Sitech

Die Existenz des VW-eigenen Zulieferers Sitech in Hannover steht der Gewerkschaft IG Metall zufolge auf der Kippe. Offenbar hat sich VW bei...

DWN
Deutschland
Deutschland Tarif-Flucht: Deutschlands Sozialkassen entgehen Milliarden

Im Jahr 2018 haben in Westdeutschland nur 56 Prozent und in Ostdeutschland nur 45 Prozent der Beschäftigten Tariflöhne erhalten. Es gibt...

DWN
Politik
Politik DWN Eilmeldung: Anschlag auf Unterwasser-Pipeline in Syrien, Ölpest droht

In Syrien haben Unbekannte einen Anschlag auf eine Unterwasser-Pipeline begangen. Die Regierung in Damaskus versucht, den Schaden zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Großbrand hinter den Kulissen: 40 Prozent aller US-Firmen sind in die roten Zahlen gerutscht

40 Prozent aller börsennotierten Unternehmen in den USA haben in den vergangenen 12 Monaten Verluste erwirtschaftet. Einzig günstige...

DWN
Finanzen
Finanzen Insider: Bei Nissan steht ein massiver Kahlschlag bevor

Beim japanischen Autobauer stehen massive Stellenstreichungen und sogar Werksschließungen bevor. Die Lage sei "düster", sagte ein Insider...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank: Krypto-Währungen könnten schon bald das Bargeld ersetzen

Krypto-Währungen haben gegenüber dem Bargeld erhebliche Vorteile, heißt es in einer Studie der Deutsche Bank. Wahrscheinlich werden die...

DWN
Finanzen
Finanzen Angst vor dem Coronavirus treibt ETF-Goldbestände auf 7-Jahres-Hoch

Investoren weltweit setzen auf Gold, da die Auswirkungen des Coronavirus die globalen Aktienmärkte unter Druck setzen könnten.

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: FBI will Prinz Andrew befragen, dieser taucht ab

In der Affäre um den Handel mit und die Prostitution minderjähriger Mädchen um den verstorbenen Jeffrey Epstein ist Prinz Andrew ins...

DWN
Deutschland
Deutschland „Bullen jagen“: Linksradikale Demonstration in Leipzig eskaliert

Deutschlands Hauptstadt des Linksradikalismus macht wieder von sich reden.

celtra_fin_Interscroller