Armutsrisiko: Mehrheit der deutschen Frauen arbeitet für Niedriglohn

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 1 min
16.03.2014 00:05
Die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt ist schlecht. So arbeiten 65 Prozent von ihnen im Niedriglohn-Sektor. Doch auch bei der Vergabe von Vorstandsposten werden sie benachteiligt.

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Frauen sind häufiger von Armut bedroht als Männer. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt arbeiteten 2010 insgesamt 65 Prozent aller Frauen im Niedriglohn-Sektor. Das geht aus einem Bericht der Agentur für Gleichstellung des Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) hervor. Der Bericht wurde im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Hinzu kommt, dass der Frauenanteil bei geringfügigen Beschäftigungen ebenfalls sehr hoch ist. So waren 2011 insgesamt 66 Prozent Arbeitnehmer in diesem Beschäftigungsverhältnis weiblich.

Auch eine Scheidung bringt für viele Frauen ein Armutsrisiko mit sich. Im Durchschnitt verdoppelt sich das Armutsrisiko. Doch Männer sind nach einer Trennung von einer derartigen Misere selten betroffen.

Einem Viertel der Männer stehen nach einer Scheidung sogar 27 Prozent mehr Einkommen zur Verfügung. Nur vier Prozent der Männer verzeichneten nach der Trennung Einkommenseinbußen. Etwa Hälfte der Frauen hingegen verlor insgesamt 27 Prozent des verfügbaren Einkommens. Die staatlichen Sozialtransfers wurden in dem ESF-Bericht mit einberechnet. Die Gewerkschaften fordern schon seit dem Jahr 1916 „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“.

Eine weitere Ungleichbehandlung von Frauen herrscht auch bei der Vergabe von Führungspositionen. CDU-Politikerin Rita Pawelski sagte auf der Diversity Konferenz 2013 in Berlin, dass 59 Prozent aller Hochschulabsolventen Frauen seien. Sie weisen eine deutliche höhere Bildung als Männer auf. „Nicht die Familie oder Kinder sind ein Hindernis. Männer schieben sich die Vorstandsposten gerne gegenseitig zu“, sagt Pawelski.

Offenbar wird es noch lange dauern, bis eine vollkommene Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt erreicht wird. Mit Selbstverpflichtungen von Unternehmen bezüglich der Gleichstellung von Frauen kann das Problem nicht gelöst werden. Es bedarf einer gesetzlichen Verordnung.

In der Charta der Vielfalt heißt es dazu:

„Ab 2016 sollen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Bereits ein Jahr zuvor wird es für große Unternehmen verpflichtend, eigene Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und den obersten Management-Ebenen zu definieren und zu veröffentlichen.“

Ob die von den Unternehmen angepeilten Ziele wirklich umgesetzt werden ist unklar. Doch auch bei Frauen herrschen traditionell geprägte Rollenbilder vor, die eine wirtschaftliche Gleichheit erschweren. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Marion Schick sagte auf der Diversity Konferenz 2013, dass 53 Prozent aller Frauen der Ansicht sind, dass man mit Kindern keine Karriere machen können, so Schick. Doch 2007 lag jener Anteil nur bei 37 Prozent. Marion Schick ist auf Personalvorstand bei der Deutschen Telekom. Auf Nachfrage der DTN, ob bei der Telekom Frauen im Durchschnitt schlechter bezahlt werden als Männer, antwortete Schick:

„Nein, bei der Telekom gibt es keine Gehalts-Differenzierung zwischen den Geschlechtern. Da unterscheiden wir uns vom Gesellschafts-Durchschnitt.“

An diesem Punkt könnten sich andere Unternehmen ein Beispiel an der Deutschen Telekom nehmen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Dienstag: Die Entwicklungen zum Coronavirus im Live-Ticker

Es folgen die Entwicklungen vom Dienstag, den 7. April, im Live-Ticker. Das Coronavirus ist noch immer weltweit das bestimmende Thema.

DWN
Politik
Politik Weltordnung nach Corona: Erdogan kündigt Ende der Globalisierung an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Montag die Gründung einer neuen Weltordnung angekündigt. Das Zeitalter des...

DWN
Finanzen
Finanzen Dunkelziffern im Steuerparadies: Der Westen hat viel mehr Geld in Schwellenländern im Feuer, als bekannt ist

Finanz-Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt kalkulieren mit falschem Risiko, weil sie mit mangelhaften Daten zu den weltweiten...

DWN
Technologie
Technologie Schnellladestationen zerstören Teslas Auto-Batterien schon nach 25 Ladevorgängen

Beim Einsatz von heute üblichen Schnellladestationen geht die Ladekapazität der Batterien stärker verloren, als bisher angenommen.

DWN
Politik
Politik Damit Ölpreis wieder steigt: Saudi-Arabien und Russland hoffen auf Spannungen zwischen Iran und USA

Eine Erholung der Ölpreise ist möglich, wenn die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zunehmen. Daran müssten vor allem Russland und...

DWN
Deutschland
Deutschland Zinssatz von drei Prozent für Mittelstands-Kredite mit 100 Prozent Staatshaftung

Mittelständler sollen trotz Corona-Krise bei den neuen Hilfskrediten der Regierung einen Zinssatz von drei Prozent pro Jahr zahlen.

DWN
Finanzen
Finanzen Eines der besten Quartale seit der Finanzkrise 2008 bei Grundstücks-Auktionen

Das Augsburger Investmenthaus GBC AG hat angesichts der Frühjahrsauktionen 2020 ein Interview Michael Plettner, Vorstandsvorsitzender der...

DWN
Politik
Politik Bisher 40 Rücktritte und Entlassungen unter US-Präsident Trump

Innerhalb von nur drei Jahren haben 40 hochrangige Personen der US-Regierung ihren Rücktritt erklärt oder wurden entlassen.

DWN
Finanzen
Finanzen Ausländische Zentralbanken verkaufen US-Staatsanleihen wie nie zuvor

Im März haben ausländische Zentralbanken so viel US-Staatsanleihen verkauft wie niemals zuvor. Doch auch die Gegenmaßnahmen der Federal...

DWN
Deutschland
Deutschland Elektro-Industrie plädiert für Aufrechterhaltung der Produktion

Der Verband für die Elektroindustrie widerspricht Stimmen aus Politik und Wirtschaft, die ein Zurückfahren der Produktion wegen der Krise...

DWN
Finanzen
Finanzen Wechselkursschwankungen bedrohen deutsche Mittelständler

Unvorhersehbare Wechselkursschwankungen sind für kleine Unternehmen in Deutschland eine massive Belastung und können im Extremfall sogar...

DWN
Deutschland
Deutschland Wir sollten Bürger sein und keine Untertanen: Eine Replik auf Hauke Rudolph

Vor einigen Tagen hat Hauke Rudolph einen Kommentar mit dem Titel „Deutschland – ein Nachtwächterstaat" veröffentlicht. In diesem...

DWN
Politik
Politik Boris Johnson will Großbritannien aus dem Krankenhaus regieren

Der britische Premierminister Boris Johnson wurde wegen seiner Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert. Doch er will die...

DWN
Deutschland
Deutschland Lebensmittel-Lieferketten brechen: Erste Länder geraten in Bedrängnis, Preise steigen

Die ersten wichtigen Produzenten für Grundnahrungsmittel wie Weizen und Reis haben den Export eingeschränkt. Obwohl auf der Welt...

celtra_fin_Interscroller