Politik

Fracking: Billiges Erdgas lockt BASF in die USA

Lesezeit: 2 min
02.05.2014 13:57
BASF baut in den USA eine Großanlage, die durch Fracking gewonnenes Erdgas weiterverarbeiten soll. Mit mehr als einer Milliarden Euro ist dies die bisher größte Investition des Chemiekonzerns. Erdgas ist in Europa dreimal so teuer wie in den USA, wo das Fracking boomt.
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Der Chemiekonzern BASF lässt sich vom Schiefergas-Boom in den USA anlocken. Mit einer neuen Großanlage für Propylen an der amerikanischen Golfküste will das weltgrößte Chemieunternehmen von den niedrigen Gaspreisen dort profitieren.

„Wir wollen diesen Grundstoff direkt in Nordamerika weiterverarbeiten und unser Geschäft kräftig ausbauen“, sagte Konzernchef Kurt Bock am Freitag auf der Hauptversammlung vor rund 5.500 versammelten Aktionären in Mannheim. Die Anlage kostet voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro - es wäre für BASF die bislang größte Einzelinvestition.

Im ersten Quartal bremste den Ludwigshafener Konzern vor allem ein schwaches Öl- und Gasgeschäft. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) sank um drei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Bock bekräftigte aber die Jahresziele.

Chemiekonzerne, die in den USA produzieren, haben wegen des niedrigen Gaspreises dort große Kostenvorteile im Vergleich zu Firmen, die hauptsächlich in Europa ihre Chemikalien herstellen. Erdgas kostete in den USA zuletzt nur ein Drittel von dem was in Europa gezahlt wurde. Dies ist einer der Gründe dafür, dass bei BASF in den nächsten fünf Jahren weniger als die Hälfte aller weltweiten Investitionen nach Europa fließen. „Das ist zum ersten Mal der Fall“, sagte Bock.

Die geplante neue Großanlage in den USA soll aus Erdgas Propylen herstellen, einen wichtigen chemischen Grundstoff für Autolacke, Waschmittel und Superabsorber für Windeln.

Um vom Schiefergasboom in den USA zu profitieren baut BASF bereits eine Anlage für Ameisensäure im US-Bundesstaat Louisiana, die dieses Jahr an den Start gehen soll. Die Chemikalie wird für die Schiefergas-Gewinnung eingesetzt. Zudem hatte der Konzern eine petrochemische Großanlage in Port Arthur in Texas von Rohbenzin (Nafta) auf günstige erdgas-basierte Rohstoffe umgestellt.

US-Forscher warnten zuletzt vor der Schiefergas-Förderung. Vor allem in dicht besiedelten Gebieten habe man die Risiken für Umwelt und Gesundheit bislang kaum erforscht. Studien zeigten eine Reihe ungelöster technischer Probleme. Bisher habe es nur das Marketing zur Marktreife gebracht (mehr hier).

Im ersten Quartal war Nordamerika bei BASF die Region mit dem stärksten Umsatzplus und zudem die einzige Region, in der der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) zulegte. Insgesamt setzte BASF im Auftaktquartal 19,5 Milliarden Euro um - ein Minus von 1 Prozent binnen Jahresfrist. Der Konzernüberschuss legte wegen eines Sonderertrags aus dem Verkauf von Anteilen an Öl- und Gasfeldern in der britischen Nordsee hingegen um 2,1 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zu.

„Wir gehen davon aus, dass wir uns in einem weiterhin volatilen und herausfordernden Umfeld gut behaupten werden“, sagte Bock. Der Konzernumsatz werde 2014 allerdings wegen der zur Jahresmitte geplanten Abspaltung des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts an den russischen Staatskonzern Gazprom leicht sinken. Mit dem Vorhaben liege BASF trotz der Ukraine-Krise im Plan, sagte Finanzchef Hans-Ulrich Engel.

„Im Chemiegeschäft und beim Pflanzenschutz hat das Jahr 2014 für uns gut angefangen“, erklärte Bock. BASF habe mehr verkauft. „Damit konnten wir die Auswirkungen des vergleichsweise schwachen US-Dollars und der Währungen in Schwellenländern auf den Umsatz gut abfedern“, so der Manager.

Der Jahresstart im Öl- und Gasbereich, sonst eine Ertragsperle des Konzerns, fiel allerdings bescheiden aus: Der Umsatz der Sparte sank und der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn schrumpfte um mehr als ein Fünftel. Der milde Winter dämpfte das Gashandelsgeschäft - zudem produziert BASF seit Sommer 2013 in Libyen wegen Streiks in den libyschen Exportterminals an der Küste kein Öl mehr in der Wüste.

Dagegen profitierten die Ludwigshafener in der Sparte Performance Products, zu der auch das Geschäft mit Substanzen für die Gesundheits- und Ernährungsindustrie gehört, von Sparschritten. Der bereinigte Betriebsgewinn der Sparte stieg um 12,7 Prozent.

Rund lief es auch im Bereich Functional Materials & Solutions, zu dem das Geschäft mit Autokatalysatoren und Lacken zählt. Dank einer starken Nachfrage aus der Autobranche schnellte der bereinigte Betriebsgewinn des Segments um 30,1 Prozent in die Höhe.

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