EZB: Keine unüberwindlichen Hürden für britische Banken nach Brexit

Die EZB hat den britischen Banken eine Richtung vorgegeben, wie sie nach dem Brexit Zugang zum EU-Markt bekommen. Die Anforderungen sind nicht besonders hoch.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Mark Carney und Mario Draghi diskutieren über britische Banken. (Foto: dpa)

Mark Carney und Mario Draghi. (Foto: dpa)

In Großbritannien ansässige Geldhäuser müssen laut EZB eine Lizenz in einem EU-Land erlangen, wenn sie nach dem Brexit weiter Geschäfte in der Europäischen Union betreiben wollen. Ziel sei es, das Bankensystem sicher und stabil zu machen, sagte EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger am Donnerstag auf einer Veranstaltung in London. „Ich erwarte daher, dass Banken, die eine Lizenz in der Euro-Zone erhalten wollen, unsere Standards erfüllen“, sagte sie. In der Bankenaufsicht werde es keinen Wettlauf nach unten geben. Lautenschläger forderte die Institute auf, sich frühzeitig um eine Lizenz zu bemühen.

Die EZB-Direktorin, die auch stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht ist, warnte Geldhäuser zudem davor, zu tricksen. Sie sollten echte Geschäfte in der EU aufbauen. „Ich sehe nicht, dass die EZB Banken-Lizenzen an leere Unternehmenshüllen vergibt“, ergänzte Lautenschläger. Auch Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte unlängst betont, es würden keine Briefkastenfirmen akzeptiert, bei denen das Bankgeschäft effektiv weiterhin aus London heraus betrieben wird. Aktuell gibt es Lautenschläger zufolge rund 40 Bankhäuser in Großbritannien, die im EU-Markt tätig sind.

Diese Mahnung ist für die britischen Banken keine Überraschung. Viele von ihnen dürften nun versuchen, über Irland an das Passporting zu kommen. Der Hinweis mit der „Unternehmenshülle“ ist auch vergleichweise weich: Denn die Banken können nun etwa mit der Auslagerung einer Abteilung die Anforderungen erfüllen.

Auch der Hinweis mit den Standards ist dehnbar. Unklar ist, wie intensiv die Aufsicht durchgeführt wird. Diese Frage dürfte bilateral zwischen der Bank of England und der EZB verhandelt werden. Mark Carney und Mario Draghi kommen beide von Goldman Sachs, weshalb eine pragmatische Verständigung möglich erscheint.

Die britische Premierministerin Theresa May strebt einen harten Schnitt mit dem Kontinent an und will Großbritannien aus dem Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Stattdessen soll ein Freihandelsabkommen mit der EU vereinbart werden. Damit würde Großbritannien aber für die EU zu einem Drittland. In London sitzende Banken könnten dann nicht mehr Großbritannien als Eingangstor für Geschäfte in der ganzen EU nutzen. Dazu ist eine Banklizenz innerhalb eines EU-Landes nötig. Das ist die Grundlage des sogenannten EU-Passes für Banken.

Mit Blick auf Frankreich sagte Lautenschläger, dass sie sich keinen EU-Austritt des Landes (Frexit) vorstellen könne. Der Brexit sei für Paris kein „Vorbild“. Die Vorsitzende des rechtsextremen Front National in Frankreich, Marine le Pen, hatte wiederholt für einen Austritt Frankreichs aus dem Euro plädiert. Lautenschläger geht nach eigenen Aussagen auf kurze Sicht auch nicht von einem Kurseinbruch an den europäischen Börsen aus. „Unsicherheiten“ seien jedoch wegen der bevorstehenden Wahlen in Frankreich und Deutschland möglich.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick