Rekord-Größe: Bundestag wächst auf 709 Abgeordnete

Der neue Bundestag beschert den Parteien 78 Mandate mehr als in der abgelaufenen Legislaturperiode.

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Der Bundestag hat so viele Abgeordnete wie nie zuvor. (Grafik: Der Bundeswahlleiter, Wiesbaden 2017)

Am Montagmorgen kurz nach 4 Uhr stand das vorläufige amtliche Endergebnis der 19. Bundestagswahl in Deutschland fest. Sieben Parteien haben es in den neuen Bundestag geschafft, der mit 709 Abgeordneten der größte in der Geschichte der Bundesrepublik sein wird. Von 1998 bis 2002 saßen 672 Politiker im Parlament, in der abgelaufenen Legislaturperiode waren es 631.

(alle Detailergebnisse hier beim Bundeswahlleiter)

* Durch Überhang- und Ausgleichsmandate haben es 78 Abgeordnete mehr ins Parlament geschafft als 2013. Das sind 111 mehr als die „Normalgröße“ des Parlaments. Größter Profiteur davon ist die CDU, die 36 Überhangs- und Ausgleichsmandate auf sich vereinigt. Trotz des vergrößerten Bundestags büßt sie aber unter dem Strich 55 Mandate ein. Die SPD verliert 40 Mandate, obwohl sie 22 Überhang- und Ausgleichsmandate bekommt. 15 gehen an die FDP, elf an die AfD und je zehn an Linke und Grüne. Die CSU erhält sieben Überhangmandate, die aber alle an ihre direkt gewählten Abgeordneten gehen. Sie entschieden alle Wahlkreise in Bayern für sich. Spitzenkandidat Joachim Herrmann, der nur auf der Landesliste kandidiert hatte, geht damit leer aus.

* Die FDP ist die einzige der künftigen Bundestags-Parteien, die kein einziges Direktmandat errungen hat. Die Grünen verteidigten den Wahlkreis Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg, den zuletzt viermal Hans-Christian Ströbele gewonnen hatte, auch mit der neuen Kandidatin Canan Bayram. Die AfD rang der CDU im östlichen Sachsen drei Direktmandate ab. Eines davon ging an die Co-Vorsitzende Frauke Petry, die der Bundestags-Fraktion der Partei aber nicht angehören will. Ein Wahlkreis in Sachsen (Leipzig II) und vier in Berlin gingen an die Linke, einer mehr als bisher. Gregor Gysi lag in Berlin-Treptow – Köpenick mit 39,9 Prozent mehr als 14 Prozentpunkte vor dem Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei (25,2). Insgesamt büßte die CDU sechs Direktmandate ein, die SPD gewann unter dem Strich eines dazu. Die CSU gewann ein Direktmandat mehr, weil in Bayern ein neuer Wahlkreis geschaffen wurde.

* In Baden-Württemberg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt errang die CDU alle Direktmandate. Das beste Erststimmen-Ergebnis holte ein Parlaments-Neuling: Silvia Breher landete im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta für die CDU bei 57,7 Prozent. Schon ihr Vorgänger Franz-Josef Holzenkamp war 2013 der „Stimmenkönig“ gewesen, damals mit 66,3 Prozent. Für die CSU schnitt Emmi Zeulner im Wahlkreis Kulmbach mit 55,4 Prozent am besten ab. Dagegen reichten Eva Högl (SPD) in Berlin-Mitte 23,5 Prozent für das Direktmandat.

* Die AfD vereinigte in sieben Wahlkreisen in Sachsen und um angrenzenden Brandenburg die meisten Zweitstimmen auf sich. Darunter war auch der Wahlkreis Meißen, das Direktmandat dort sicherte sich aber Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU). Die Linke schaffte in sechs Berliner Wahlkreisen und einem in Sachsen das beste Zweitstimmen-Ergebnis aller Parteien. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern holte die CDU in allen Wahlkreisen die Mehrheit der Zweitstimmen, die CSU schaffte das in Bayern auch.

* Von den 16 Bundesländern holte die SPD nur in Bremen die Zweitstimmen-Mehrheit (26,8 Prozent), vor vier Jahren war ihr das auch noch in Hamburg und Berlin gelungen. In Berlin und Brandenburg musste sie sich diesmal mit Platz drei begnügen, in Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern landete sie nur auf Platz vier. Die CDU musste in Sachsen (26,9 Prozent) die AfD (27,0) knapp an sich vorbeiziehen lassen, weil sie 15,8 Prozentpunkte einbüßte. 4207 Stimmen fehlten ihr am Ende auf die AfD. In 14 Bundesländern war die CDU aber stärkste Partei. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt kam die AfD auf Rang zwei, in Berlin die Linke.

* Ihr bestes Zweitstimmen-Ergebnis hatte die CDU mit 35,9 Prozent in Rheinland-Pfalz, ihr schlechtestes in Berlin mit 22,7 Prozent. Die SPD kam in keinem Bundesland mehr über 30 Prozent, am stärksten war sie noch in Niedersachsen mit 27,4 Prozent. Minusrekord waren 10,5 Prozent in Sachsen. Hochburg der Grünen war Hamburg mit 13,9 Prozent, die FDP holte in Nordrhein-Westfalen mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner mit 13,1 Prozent ihr bestes Ergebnis. Die AfD war am erfolgreichsten in Sachsen, im Westen erreichte sie in Bayern mit 12,4 Prozent ihr Top-Ergebnis, das bundesweit schlechteste mit 7,8 Prozent in Hamburg.

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