Saudi-Arabien fährt Export von Rohöl drastisch zurück

 

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10.10.2017 17:03
Die niedrigen Ölpreise bringen die Regierung Saudi-Arabiens in Zugzwang. Es scheint, als ob nur die Wahl zwischen einer Rezession und einem hohen Haushaltsdefizit bleibt.
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Die Regierung Saudi-Arabiens fährt den Export von Rohöl im Herbst deutlich zurück. Wie die Financial Times berichtet, würde die für November vorgesehene Ausfuhrmenge niedrig ausfallen, nachdem bereits im September auffallend wenig Rohöl exportiert wurde. Für November sind demnach nur rund 7,2 Millionen Barrel Öl (ein Barrel entspricht 159 Litern) zur Ausfuhr bestimmt worden, wie aus einem Bericht des Energieministeriums hervorgeht. Im September lag der sogar Umfang bei nur 6,7 Millionen Barrel.

Beobachter erkennen in dem seltenen Vorgang einer medial angekündigten Drosselung einen Aufruf Saudi-Arabiens an andere Ölproduzenten, die Exporte ebenfalls zurückzufahren, um das etwa seit Mitte 2014 herrschende globale Überangebot zu senken. Dieses lastet auf den Preisen, seitdem insbesondere in den USA in großem Stil Erdöl mithilfe der Fracking-Technologie gefördert und auf den Weltmärkten verkauft wird.

„Es ist sehr interessant, dass sie nun mit den Marktakteuren durch ihre Exporte kommunizieren. Dafür haben sie extra die geplanten Exportzahlen veröffentlich. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas sehe“, zitiert die FT einen Analysten der Beratungsgesellschaft Petromatrix. In seinem Bericht spricht das Ministerium davon, dass Saudi-Arabien dadurch eine „außergewöhnliche Führungsstärke“ zeige, weil die Exporte „letztendlich die globalen Lagervorräte definieren.“

Tatsächlich wünscht sich die Regierung in Riad nichts mehr als höhere Preise für Rohöl, weil der Haushalt des Königreichs in den vergangenen Monaten in eine deutliche Schieflage geraten war und sich das Land sogar erstmals über Anleihen Geld an den internationalen Kapitalmärkten leihen musste.

Deutlich erschwert wird die Situation durch die Bemühungen, die Wirtschaft zu reformieren, um sie unabhängiger vom Erdöl aufzustellen. Inzwischen scheint es, als wäre das Land in einer Zwickmühle gefangen. Entweder der Staat erhöht die Steuern und Abgaben, um das Haushaltsdefizit zu verringern, oder er belastet das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum: Denn eigentlich sollen als Teil von umfassenden Reformen die Energiepreise im Inland steigen, um das hohe Haushaltsdefizit zu bekämpfen, das unter anderem eine Folge des niedrigen Ölpreises ist. Allerdings droht etwa die geplante Erhöhung des Benzinpreises laut Medienberichten um 80 Prozent auf knapp 0,37 Euro pro Liter oder eine neue Mehrwertsteuer von fünf Prozent die Wirtschaft des Landes tiefer in die Rezession zu stürzen. Auch könnte dies die Bevölkerung gegen die Reformen aufzubringen.

Die Zeit drängt: Bis Ende 2018 soll ein Teil der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco an die Börse gebracht werden. Investoren werden die neuen Preise kennen wollen, bevor sie die Aktie kaufen. Je höher die Ölpreise zum Zeitpunkt des Börsengangs sind, umso höher dürfte Aramco insgesamt bewertet werden.

Mit dem Vorgang vertraute Personen haben der Nachrichtenagentur Reuters erklärt, die Entscheidung über die Einführung der Mehrwertsteuer solle nun bis Ende des Monats fallen. Sie sei verschoben worden, um ein System von Unterstützungsleistungen für die Haushalte mit geringeren oder mittleren Einkommen zu entwerfen, heißt es in Regierungskreisen. „Es wird noch diskutiert, wer entschädigt wird und wer nicht“, sagt ein Insider. „Die Regierung muss die Implikationen von höheren Steuern berücksichtigen und wie den Risiken für das BIP-Wachstum und den Haushalt gleichermaßen begegnet werden kann.“

Die Folgen einer ersten Runde von Energiepreiserhöhungen im Dezember 2015 zeigten das Problem. Zwar geht das Staatsdefizit inzwischen tatsächlich zurück. Allerdings war der wirtschaftliche Preis dafür hoch: Im zweiten Quartal rutschte die Wirtschaft in die Rezession, wie Daten aus der vergangenen Woche zeigen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 12,8 Prozent.

Im Dezember 2016 deuteten die Behörden dann den Abbau der Subventionen bei Energie für Mitte 2017 an. Damit sollten zusammen mit Reformen bei den Wasserpreisen im ganzen Jahr 29 Milliarden Rial (etwa 6,6 Milliarden Euro) eingespart werden. Allerdings wuchs seitdem der Nicht-Öl-Sektor im zweiten Quartal 2017 um nur 0,6 Prozent im Jahresvergleich. Damit wird die Vorhersage von 1,7 Prozent Wachstum in diesem Bereich unwahrscheinlicher, wie er für das Gesamtjahr vom Internationaler Währungsfonds (IWF) vorhergesagt worden war.

Der IWF hat die Regierung in Riad inzwischen aufgefordert, die Preiserhöhungen beim Treibstoff zu verschieben, um die Wirtschaft zu schützen. Einige Insider gehen inzwischen davon aus, dass dies wirklich passieren wird und die höheren Preise erst 2018 kommen. Andere erwarten ein Festhalten am Plan für einen Anstieg noch in diesem Jahr.

Der Generalsekretär des Verbands erdölexportierender Staaten (OPEC), Mohammed Barkindo, hat die Schieferöl-Produzenten in den USA inzwischen aufgefordert, sich an der zwischen der OPEC und Russland vereinbarten Drosselung der weltweiten Ölförderung zu beteiligen. „Wir bitten unsere Freunde in den Schieferbecken von Nordamerika dringend, diese gemeinsame Verantwortung mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit als eine der wichtigen Lehren aus dem aktuellen einmaligen angebotsgesteuerten Zyklus zu übernehmen“, sagte Barkindo am Dienstag auf einem Branchenforum in Neu Delhi.

Im kommenden Jahr könnten dem OPEC-Vertreter zufolge „außerordentliche Maßnahmen“ notwendig sein, um ein Marktgleichgewicht auch auf längere Sicht zu erhalten, berichtet Reuters. Saudi-Arabien besitzt als größter Produzent einen starken Einfluss auf die Politik der OPEC.

Während die OPEC und andere Öl-Staaten wie Russland in diesem Jahr das Angebot zurückgefahren haben, um den seit Mitte 2014 unter enormem Druck stehenden Ölpreis zu stützen, legte die Produktion in den USA um fast zehn Prozent zu und trug damit zum Erhalt des globalen Überangebots bei. Dies ging vor allem auf Schieferöl-Produzenten zurück. Barkindo sagte, er hoffe, dass neue Produzenten generell die Förderbegrenzung mittragen werden.


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