EZB erwägt Einfrieren von Bank-Geschäften bei Krise

 

Mehr zum Thema.

Benachrichtigung über neue Artikel:  
 
Lesezeit: 2 min
14.11.2017 17:04
Die EZB-Bankenaufsicht spielt mit dem Gedanken, in Schieflage geratene Banken für mehrere Tage komplett einzufrieren.
EZB erwägt Einfrieren von Bank-Geschäften bei Krise

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Um Krisenbanken vor massenhaften Abhebungen und dem Zugriff der Gläubiger vorübergehend besser schützen zu können, wollen die EU-Staaten die Möglichkeit schaffen, Guthaben vorübergehend einzufrieren. Der Chefin europäischen Bankenabwicklungsbehörde, Elke König, geht das noch nicht weit genug: Neben Bankeinlagen müssten – für einen begrenzten Zeitraum – auch andere „Schulden“ der Institute geschützt sein. „Es hat große Vorteile, wenn ein solches Werkzeug alle Verbindlichkeiten umfasst“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt.

Die Vorschläge Königs bedeuten nichts anderes als die komplette Einfrierung einer Bank mit all ihren Forderungen und Verbindlichkeiten – eine Praxis, die der Finanzexperte Jim Rickards als „Ice Nine“-Theorie bezeichnet.

König will, dass die Behörden in Schieflage geratene Banken für „zwei bis sieben Tage, idealerweise wahrscheinlich fünf Tage“ vor dem Zugriff ihrer Gläubiger schützen können. In dieser Zeit – im Fachjargon „Moratorium“ genannt – könnten Aufseher und Abwickler dann beispielsweise die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine „Bad Bank“ in die Wege leiten oder den Notverkauf an eine andere Bank organisieren. Der bisherige Plan der EU sieht vor, Kontoauszahlungen für fünf Arbeitstage zu sperren und „unter außergewöhnlichen Umständen“ die Sperre auf bis zu 20 Tage zu verlängern.

Angesichts eines immer noch rund 800 Milliarden Euro schweren Berges an ausfallgefährdeten Krediten drängen Aufseher die Banken in der Währungsunion zum Handeln. Zwar sei es in den vergangenen beiden Jahren gelungen, die Problemkredite in den Bankbilanzen um etwa 200 Milliarden Euro zu reduzieren. Allerdings bleibe der Rest eine immense Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems, warnte die für die Bankenaufsicht zuständige EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. „Darum müssen Banken jetzt handeln.“

Der Chef der europäischen Bankenaufsicht EBA, Andrea Enria, bemängelte, es gebe nach wie vor „eine Menge Banken, die nicht genug unternommen haben“. In acht der 28 EU-Staaten liege die Rate der notleidenden Kredite des Bankensystems bei mehr als zehn Prozent – deutlich über dem EU-Schnitt von 4,5 Prozent. Betroffen seien vor allem Geldhäuser in Südeuropa. Elke König forderte, die Banken müssten sich dringend Gedanken machen wie sie ihre Last an faulen Krediten reduzieren.

Die EZB, die die 120 wichtigsten Banken in der Euro-Zone seit gut drei Jahren direkt beaufsichtigt, führt derzeit mit den betroffenen großen Instituten Gespräche über eine Lösung des Problems. Ein hoher Grad an notleidenden Krediten ist nicht nur für ein einzelnes Institut ein Problem, weil es dadurch in eine Schieflage geraten kann. Gesamtwirtschaftlich ist ein hoher Bestand fauler Kredite ebenfalls schlecht, weil das Bankensystem nicht mehr richtig in der Lage ist, Unternehmen und Haushalte mit neuen Krediten für Investitionen zu versorgen. Das bremst die Wirtschaft und belastet die Konjunktur.

Lautenschläger sagte, sie wolle Banken nur im Notfall zur Bereitstellung zusätzlichen Kapitals auffordern, um die faulen Kredite abzudecken. Sollten die Gespräche mit den Instituten fehlschlagen, könne die Aufsicht die Daumenschrauben aber auch anziehen, allerdings „nur wenn die Ergebnisse dieses strukturierten Dialogs uns nicht überzeugen“, sagte die frühere Bundesbank-Vizepräsidentin. Die Bankenwächter wollen nach ihren Worten noch im November beginnen, den Instituten zu ihren Plänen Feedback zu geben. Faule Kredite hatten in der jüngeren Vergangenheit auch zum Zusammenbruch mehrerer italienischer Banken beigetragen.

Die italienische Regierung sträubt sich derzeit gegen von der EZB vorgeschlagene Regeln für höhere Kapitalreserven bei europäischen Banken. Die EZB deutete ein Entgegenkommen an, nachdem die Mehrheit der Finanzminister der Eurozone sich hinter den Vorschlag gestellt hatte.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Gipfel in Moskau: Kommt jetzt das Bündnis zwischen Erdogan und Assad?

In Moskau fand ein türkisch-syrischer Geheimdienst-Gipfel statt. Offenbar bahnt sich eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Syrien...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 29 Jahren nicht mehr

Die chinesische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 6,1 Prozent gewachsen, was der tiefste Wert seit 29 Jahren ist.

DWN
Politik
Politik Frankreich verlegt Flugzeugträger ins östliche Mittelmeer

Frankreichs Präsident Macron hat die Entsendung eines Flugzeugträgers in das östliche Mittelmeer verkündet. Aus einer Übersicht geht...

DWN
Deutschland
Deutschland Wir haben es satt: Bundesweiter Bauern-Protest gegen Klimaschutz-Vorgaben

Tausende Bauern haben sich am Freitagmorgen nach Berlin und andere Großstädte aufgemacht, um gegen die strengen Klimaschutz-Regeln zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Hartz IV: Warum das Bundesverfassungsgericht harte Sanktionen verbietet

Hartz-IV-Kürzungen von 60 Prozent und mehr darf es seit November 2019 nicht mehr geben. 30 Prozent und weniger bleiben erlaubt, sollen...

DWN
Deutschland
Deutschland BDI rechnet für 2020 nur noch mit Wachstum von 0,5 Prozent

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zeigt sich fürs laufenden Jahr gegenüber dem Wirtschaftswachstum sehr skeptisch. "Ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Mit Demokratischem Sozialismus gibt es keine Zukunft

Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse-Abteilung der Baader Bank, erkennt sozialistische Ansätze im Rahmen der Bundespolitik. Diese...

DWN
Politik
Politik Frankreich: Demonstranten blockieren Häfen, legen Containerhandel lahm

In Frankreich haben Demonstranten, die gegen die Rentenpläne der Regierung sind, die Häfen blockiert.

DWN
Politik
Politik Pentagon veröffentlicht neues Strategiepapier zur Eindämmung Russlands auf Europas Energiemarkt

Aus einem Strategiepapier der Pentagon-Denkfabrik Rand geht hervor, wie Russlands Rolle auf dem europäischen Energiemarkt zurückgedrängt...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche misstrauen der Geldpolitik, bunkern Bargeld und Gold

Tresorhersteller und Anbieter von Schließfächern verzeichnen eine extreme Nachfrage. Denn in dem Bemühen, ihr Vermögen vor den Folgen...

DWN
Deutschland
Deutschland Wegen Großbritannien: Deutschlands EU-Beitrag steigt um 14 Milliarden Euro

Nach dem Brexit wird Deutschlands EU-Beitrag um jährlich 14 Milliarden Euro auf etwa 39 Milliarden Euro steigen.

DWN
Finanzen
Finanzen Weltgrößter Hedgefonds erwartet neue Rekorde beim Goldpreis

Vor dem aktuellen Hintergrund könnte der Goldpreis bis Ende des Jahres um 30 Prozent steigen, sagt Greg Jensen, Chief Investment Officer...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschland noch lange nicht aus dem Tief: Nur Italiens Wirtschaft liegt noch hinter uns

Der leichte Anstieg des Bruttoinlandsproduktes im vierten Quartal verdeutlicht vor allem eines: Die Gesamtwirtschaft dümpelt mehr oder...

DWN
Finanzen
Finanzen USA setzen Schweiz auf Watchlist wegen Manipulation des Franken

Die USA haben die Schweiz auf eine Beobachtungsliste von Staaten gesetzt, die sie der Währungsmanipulation beschuldigen, und fordern von...

celtra_fin_Interscroller