Russland misst 1000-fach erhöhten Wert von radioaktivem Isotop

 

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21.11.2017 17:03
In Russland sind erhöhte radioaktive Werte gemessen worden. Es ist unklar, ob es sich um einen Unfall in einem Atomkraftwerk handelt.
Russland misst 1000-fach erhöhten Wert von radioaktivem Isotop

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Russische Meteorologen haben nach eigenen Angaben im südlichen Ural stark erhöhte Werte eines radioaktiven Isotopes gemessen. Die Konzentration von Ruthenium 106 habe in einer Station etwa 1000-mal über dem normalen Wert gelegen, teilte die Wetterbehörde am Dienstag mit. Demnach wurden die Daten Ende September und Anfang Oktober erhoben. Die Werte bestätigen offenbar einen Bericht der französischen Atomsicherheitsbehörde IRSN. Nach ihren Erkenntnissen trat der Stoff Ende September in einer russischen oder kasachischen Anlage aus. Experten gehen davon aus, dass es etwa einen Zwischenfall in einer Atomfabrik oder einer Wiederaufbereitungsanlage gegeben haben könnte. Für einen größeren Atomunfall müssten dagegen auch andere Radioisotope freigesetzt worden sein, sagte der Professor Paddy Regan von der englischen Universität Surrey.

Westliche Experten gehen davon aus, dass auch die gemessene erhöhte Konzentration keine Gesundheitsgefahr darstellt. Der russische Krebsexperte Andrej Waschenin wurde von der Nachrichtenagentur Interfax mit den Worten zitiert, die Menschen hätten nichts zu befürchten. Diejenigen, die sich sorgten, sollten lieber "Fußball schauen und Bier trinken". Unklar ist nach wie vor, was genau passierte. Das unabhängige französische Atomlabor Criirad forderte deswegen eine Untersuchung der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien.

Etwa 30 Kilometer von einer der betroffenen Messstationen entfernt liegt die Atomfabrik Majak, wo radioaktives Material für die Industrie und die Forschung hergestellt wird. Die Verwaltung der Anlage erklärte, Majak sei nicht der Ursprung der Strahlenwerte. Auch die staatliche Betreiberfirma Rosatom teilte mit, es habe in keiner ihrer Anlagen einen Unfall gegeben. Im benachbarten Kasachstan erklärte das Institut für Nuklearphysik, im eigenen Forschungsreaktor habe es keine Zwischenfälle gegeben.

Wetterdienstchef Maxim Jakowenko sagte am Dienstag laut AFP, die festgestellte Konzentration stelle „keine Gefahr für die Bevölkerung“ dar. Es sei im Übrigen nicht die Aufgabe seiner Behörde, die Quelle der Belastung ausfindig zu machen.

Die höchste Konzentration wurde Rosgidromet zufolge in der Messstation Argajasch registriert. Das Dorf liegt in der Region Tscheljabinsk im südlichen Ural an der Grenze zu Kasachstan. Dort sei in der Woche vom 25. September bis 1. Oktober eine Konzentration von Ruthenium-106 gemessen worden, die das 986-fache des im Monat zuvor gemessenen Wertes betragen habe.

Argajasch liegt 30 Kilometer von der Atomanlage Majak entfernt, wo sich 1957 einer der schlimmsten Atomunfälle ereignet hatte. Heute dient die Anlage der Wiederaufbereitung abgebrannter nuklearer Brennstoffe.

Die Atomanlage teilte in einer Erklärung mit, dass die von der Wetterbehörde festgestellte radioaktive Belastung mit Ruthenium-106 nicht mit ihren Aktivitäten in Zusammenhang stehe. Majak habe auch seit mehreren Jahren kein Ruthenium-106 produziert.

Der russische Zweig der Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte den Atomkonzern Rosatom aufgefordert, eine gründliche Untersuchung vorzunehmen und die Ergebnisse über die Vorfälle in Majak zu veröffentlichen. Greenpeace werde von der Staatsanwaltschaft verlangen, „Ermittlungen über die mögliche Verschleierung eines Atomunfalls einzuleiten“, erklärte die Organisation.

Mitte Oktober hatte Rosatom versichert, in Russland seien in der Woche vom 25. September bis 1. Oktober keine Spuren von Ruthenium-106 festgestellt worden – mit Ausnahme von St. Petersburg, dort aber in niedriger Konzentration. Der Konzern reagierte damit auf Berichte europäischer Institute, denen zufolge in mehreren europäischen Ländern leicht erhöhte Werte von Ruthenium-106 registriert worden seien.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte bereits Anfang Oktober erklärt, die erhöhten Messwerte gingen „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auf einen Ursprungsort im südlichen Ural zurück. Ein Unfall in einem Atomkraftwerk könne als Ursache aber ausgeschlossen werden. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam auch das französische Institut für Atomsicherheit (IRSN). Es erklärte Anfang November, dass möglicherweise eine Anlage zur Wiederaufarbeitung oder zur Herstellung radioaktiver Stoffe der Ursprung der Belastung sein könnte.

Bereits Anfang des Jahres hatte es in Teilen Europas eine Belastung mit dem radioaktiven Jod 131 gegeben.


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